Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Herbst 2026
Koju-Verlauf - Industrie
Konjunkturlage in der Industrie
Aufschwung auf dünnem Eis – Export stützt die Industrie, Energiepreise bleiben größte Last
Geschäftslage: Zweites Plus in Folge, Auslastung bewegt sich kaum.
Die Industrie in Bayerisch-Schwaben bewertet ihre aktuelle Lage im Herbst 2026 etwas besser als im Frühjahr. 25 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage (-1 Prozentpunkt), 53 Prozent von einer befriedigenden (+4) und 22 Prozent von einer schlechten (-3). Der Saldo steigt um 2 Punkte auf 3 Punkte und liegt zum zweiten Mal in Folge im positiven Bereich. Von der Gesamtwirtschaft mit 12 Punkten bleibt die Industrie dennoch weit entfernt, ebenso vom zehnjährigen Durchschnitt von 21 Punkten. Die Kapazitätsauslastung verändert sich kaum, der Saldo verbessert sich lediglich um 1 Punkt auf -15 Punkte. Deutlich besser läuft es in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, deren Index um 7 Punkte auf 120 Punkte steigt. Wegen der geringen Fallzahl von 42 Unternehmen ist der Wert aber mit Vorsicht zu lesen.
Auftragsvolumen: Ausland zieht an, Inland bleibt im Minus.
Den größten Schub liefert der Export. 30 Prozent der Industrieunternehmen melden ein gestiegenes Auftragsvolumen aus dem Ausland, 7 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Der Saldo klettert um 9 Punkte von -9 auf 0 Punkte und erreicht damit die Nulllinie. Nur China fällt mit einem Saldo von -34 Punkten deutlich ab, denn dort melden 44 Prozent sinkende und nur 9 Prozent steigende Aufträge. Auch im Inland hellt sich das Bild auf. Der Saldo verbessert sich um 8 Punkte auf -9 Punkte, weil nur noch 32 Prozent sinkende Aufträge melden (-7 Prozentpunkte). Ein Zuwachs ist das noch nicht, denn 23 Prozent berichten von steigenden Inlandsaufträgen. Die Schwachstelle bleibt der Auftragsbestand, der für 37 Prozent der Betriebe zu klein ist (Saldo -26 Punkte, -2). Der Export stützt die Industrie damit spürbar, ein Konjunkturmotor ist er aber noch nicht.
Erwartungen: Weniger Pessimisten, kaum mehr Optimisten.
Für die kommenden Monate drehen die Erwartungen leicht ins Positive. Der Saldo steigt um 3 Punkte auf 2 Punkte und liegt damit über der Gesamtwirtschaft mit -3 Punkten. Dahinter steht weniger neuer Optimismus als nachlassende Skepsis. Nur noch 15 Prozent erwarten eine Verschlechterung (-7 Prozentpunkte), während der Anteil der Zuversichtlichen von 21 auf 17 Prozent sinkt. Beim Export zeigt sich dasselbe Muster. Der Saldo des erwarteten Auslandsauftragsvolumens steigt um 9 Punkte auf 9 Punkte und liegt damit über dem zehnjährigen Durchschnitt, weil der Anteil der Skeptiker von 23 auf 14 Prozent fällt, während 23 Prozent weiterhin mit steigenden Auslandsaufträgen rechnen.
Investitionen und Beschäftigung: Zurückhaltung lässt etwas nach.
Bei den Inlandsinvestitionen bleibt die Industrie vorsichtig. Der Saldo liegt mit -6 Punkten um 1 Punkt unter dem Frühjahr und deutlich unter der Gesamtwirtschaft mit 2 Punkten. 15 Prozent wollen mehr investieren (-3 Prozentpunkte), 21 Prozent weniger (-2). Auffällig ist das Motiv Produktinnovation, das 38 Prozent nennen und damit 7 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr (Mehrfachnennungen möglich). Am Arbeitsmarkt entspannt sich die Lage, ohne zu drehen. Der Beschäftigungssaldo verbessert sich um 9 Punkte auf -12 Punkte, 13 Prozent wollen Personal aufbauen (+4 Prozentpunkte), 25 Prozent abbauen (-5). Der Wert liegt jedoch unter der Gesamtwirtschaft mit -10 Punkten und weit unter dem zehnjährigen Durchschnitt von -3 Punkten. Die Strukturkrise hinterlässt damit unverändert ihre Spuren.
Preise und Risiken: Energie bleibt die größte Last.
50 Prozent der Industrieunternehmen planen steigende Verkaufspreise, 5 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Größtes Risiko sind weiterhin die Energie- und Rohstoffpreise, die 78 Prozent nennen. Der Wert ist unverändert und liegt 13 Prozentpunkte über der Gesamtwirtschaft mit 65 Prozent. Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 69 Prozent (-1 Prozentpunkt) und die Arbeitskosten mit 65 Prozent (-5), die ebenfalls klar über dem Gesamtwert von 57 Prozent liegen. Die Auslandsnachfrage als Risiko verliert 11 Prozentpunkte auf 26 Prozent, was zur Aufhellung beim Export passt.
Konjunkturindex: Plus von drei Punkten, Abstand zum Durchschnitt bleibt.
Der IHK-Konjunkturindex der Industrie steigt um 3 Punkte auf 103 Punkte. Er liegt damit über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten, aber unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 109 Punkten und unter der Gesamtwirtschaft mit 105 Punkten. Seit dem Jahresbeginn 2026 hält sich die Industrie an oder über der Wachstumsschwelle, nach 98 Punkten im Herbst 2025. Das ist eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, noch keine Wende. Damit sie trägt, braucht die Industrie spürbare Fortschritte bei Energiepreisen, Arbeitskosten und Bürokratieabbau.
