Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Herbst 2026

Konjunkturlage im Einzelhandel

Koju-Verlauf - Einzelhandel

Stimmung hellt sich auf, Umsatz bleibt im Minus – schwache Nachfrage bleibt größte Last

Geschäftslage: Polarisierung statt Aufschwung.

Der Einzelhandel in Bayerisch-Schwaben bewertet seine derzeitige Geschäftslage im Herbst 2026 mit einem Saldo von -4 Punkten und damit einen Punkt schlechter als im Frühjahr 2026. Hinter dem nahezu unveränderten Saldo steht eine auseinanderlaufende Entwicklung. 23 Prozent der Einzelhändler berichten von einer guten Lage, ein Plus von 4 Prozentpunkten, zugleich stufen 27 Prozent die Situation als schlecht ein, ein Anstieg um 5 Prozentpunkte. Die mittlere Bewertung als befriedigend schrumpft um 9 Prozentpunkte auf 50 Prozent. Die Gesamtwirtschaft liegt mit einem Saldo von 12 Punkten weit darüber, sodass der Einzelhandel weiterhin deutlich hinter der übrigen regionalen Wirtschaft zurückbleibt.

Umsatz: Inland tief im Minus, Ausland mit weniger Rückgängen.

Der Inlandsumsatz hat sich in den vergangenen Monaten kaum bewegt. Der Saldo liegt bei -29 Punkten, nach -28 Punkten im Frühjahr. 17 Prozent der Betriebe melden gestiegene Umsätze, 46 Prozent gesunkene, und damit derselbe Anteil wie im Frühjahr. Dies spiegelt die anhaltend schwache Kaufbereitschaft der privaten Haushalte wider. Beim Auslandsumsatz verbessert sich der Saldo um 7 Punkte auf -24 Punkte, weil der Anteil sinkender Umsätze von 46 auf 36 Prozent zurückgeht. Zugleich nennen mit 12 Prozent um 3 Prozentpunkte weniger Betriebe steigende Auslandsumsätze. Es handelt sich also eher um weniger Verlierer als um mehr Gewinner.

Erwartungen: Weniger Pessimisten, aber kein Optimismus.

Der Saldo der erwarteten Geschäftslage steigt um 7 Punkte auf -16 Punkte, bleibt damit jedoch klar im negativen Bereich und liegt unter dem Wert der Gesamtwirtschaft von -3 Punkten. Mit einer Verbesserung rechnen 14 Prozent der Einzelhändler, ein Plus von 2 Prozentpunkten. Der Anteil der Pessimisten sinkt um 5 Prozentpunkte auf 30 Prozent, 56 Prozent erwarten keine Veränderung. Der Rückgang der Skepsis speist sich damit vor allem aus Betrieben, die nicht mehr mit einer weiteren Verschlechterung rechnen. Beim erwarteten Inlandsumsatz verbessert sich der Saldo sogar um 10 Punkte auf -14 Punkte, da 18 Prozent mit steigenden und 32 Prozent mit sinkenden Umsätzen rechnen. Für den Auslandsumsatz fällt der Saldo dagegen um 4 Punkte auf -12 Punkte.

Investitionen und Beschäftigung: Zurückhaltung auf niedrigem Niveau.

Die Investitionsabsichten im Inland verharren bei einem Saldo von -4 Punkten, während die Gesamtwirtschaft mit 2 Punkten leicht im Plus liegt. Die Mitte schmilzt, denn der Anteil der Betriebe mit gleichbleibenden Investitionen fällt um 9 Prozentpunkte auf 36 Prozent. An beiden Rändern nimmt der Anteil dagegen zu. 20 Prozent wollen mehr investieren, 24 Prozent weniger und 20 Prozent gar nicht, jeweils 3 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Bei den Beschäftigungsplänen verbessert sich der Saldo um einen Punkt auf -18 Punkte. Nur 4 Prozent der Einzelhändler wollen Personal aufbauen, 22 Prozent planen einen Abbau. Der Anteil abbauwilliger Betriebe entspricht damit exakt der Gesamtwirtschaft, der Abstand beim Saldo zu deren -10 Punkten ergibt sich allein aus den geringen Aufbauplänen. Im Branchenvergleich weist nur das Baugewerbe mit -20 Punkten einen schwächeren Saldo aus, der Großhandel folgt mit -17 Punkten.

Preise und Risiken: Inlandsnachfrage vorn, Wirtschaftspolitik rückt auf.

59 Prozent der Einzelhändler wollen ihre Verkaufspreise erhöhen, 3 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Der Saldo sinkt auf 52 Punkte und liegt weiterhin über dem Wert der Gesamtwirtschaft von 44 Punkten. Der Handel lebt von der Konsumlaune der Verbraucher, und so nennen mit 67 Prozent rund zwei von drei Betrieben die schwache Inlandsnachfrage als größtes Risiko, nahezu unverändert gegenüber dem Frühjahr. Hinzu kommt die erwartete höhere Inflation infolge des Iran-Krieges, die den privaten Konsum zusätzlich belasten könnte. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen legen um 6 Prozentpunkte auf 65 Prozent zu und liegen auf Platz zwei. Die Energie- und Rohstoffpreise gehen von 72 auf 59 Prozent zurück, ein Minus von 13 Prozentpunkten. Die Arbeitskosten nennen 58 Prozent, 5 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Der Arbeits- und Fachkräftemangel erreicht 32 Prozent, während die Auslandsnachfrage mit 8 Prozent kaum eine Rolle spielt.

Index: Plus von 4 Punkten, aber weit unter Normalniveau.

Der IHK-Konjunkturindex des Einzelhandels steigt von 86 auf 90 Punkte und liegt damit deutlich unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 106 Punkten. Auch die Gesamtwirtschaft mit 105 Punkten bleibt 15 Punkte entfernt. Die Stabilisierung ruht damit auf einem niedrigen Fundament, ein Aufbruch zeichnet sich im Einzelhandel nicht ab. Für eine nachhaltige Belebung braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Fortschritte bei Arbeitskosten, Bürokratieabbau und Energiepreisen.