Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Herbst 2026
Koju-Verlauf - Baugewerbe
Kojunkturlage in der Bauwirtschaft
Auslastung zieht an, Zuversicht bleibt aus – Baugewerbe stagniert, Energiepreise und Wirtschaftspolitik belasten
Geschäftslage: Deutlich besser bewertet, Auslastung steigt.
Das Baugewerbe in Bayerisch-Schwaben bewertet seine derzeitige Geschäftslage spürbar positiver als noch im Frühjahr. 32 Prozent der Unternehmen melden eine gute Lage, das sind 6 Prozentpunkte mehr, während der Anteil schlechter Bewertungen um 4 Prozentpunkte auf 21 Prozent sinkt. Im Saldo steigt die Geschäftslage um 10 Punkte auf 11 Punkte und liegt damit knapp unter der Gesamtwirtschaft mit 12 Punkten. Getragen wird dies von einer höheren Auslastung. 35 Prozent der Betriebe waren in den vergangenen sechs Monaten voll ausgelastet, 10 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr, der Auslastungssaldo klettert um 10 Punkte auf 17 Punkte.
Auftragslage: Volumen tritt auf der Stelle, Bestand bleibt dünn.
Die höhere Auslastung geht nicht mit einem Zuwachs bei den Aufträgen einher. Das Volumen der Bauaufträge notiert unverändert bei einem Saldo von -7 Punkten, denn 12 Prozent der Unternehmen berichten von gestiegenen und 19 Prozent von gesunkenen Aufträgen. Der Auftragsbestand hellt sich zwar leicht auf, der Saldo verbessert sich um 4 Punkte auf -23 Punkte. Der Anteil der Betriebe mit einem kleineren Bestand als saisonal üblich sinkt um 10 Prozentpunkte auf 23 Prozent, ein größerer Bestand als üblich wird jedoch von 0 Prozent gemeldet nach 6 Prozent im Frühjahr. Es handelt sich also um eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau und nicht um einen Auftragsschub.
Erwartungen: Pessimisten nehmen zu, Zuversicht fehlt.
Die Geschäftserwartungen trüben sich weiter ein. Nur 7 Prozent der Bauunternehmen rechnen mit einer besseren Geschäftslage, 34 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 8 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Der Erwartungssaldo sinkt um 5 Punkte auf -27 Punkte, während er in der Gesamtwirtschaft um 3 Punkte auf -3 Punkte steigt. Diese Schere zwischen besserer Lage und schwächeren Erwartungen ist ein Warnsignal, denn wo die Zuversicht fehlt, werden Investitionen und Einstellungen zurückgestellt. Die Erwartungen an das Auftragsvolumen mit -29 Punkten (plus 6) und an die Kapazitätsauslastung mit -26 Punkten (plus 7) hellen sich immerhin leicht auf, bleiben aber klar negativ.
Investitionen und Beschäftigung: Mehr Investitionswillige, deutlich mehr Personalabbau.
Bei den Inlandsinvestitionen zeigt sich ein Lichtblick. 19 Prozent der Bauunternehmen wollen mehr investieren, ein Plus von 7 Prozentpunkten, 24 Prozent wollen weniger investieren. Der Saldo verbessert sich um 4 Punkte auf -5 Punkte und liegt damit weiter unter der Gesamtwirtschaft mit 2 Punkten. Deutlich eingetrübt haben sich die Beschäftigungsabsichten. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen wollen Stellen aufbauen, wohingegen 28 Prozent Personal abbauen möchten, ein Anstieg um 12 Prozentpunkte. Der Beschäftigungssaldo fällt um 10 Punkte auf -20 Punkte und liegt doppelt so tief im Minus wie in der Gesamtwirtschaft mit -10 Punkten. Damit ist der geplante Stellenabbau im Baugewerbe der stärkste aller Branchen. Die bessere Auslastung schlägt sich bislang nicht in den Personalplanungen nieder.
Preise und Risiken: Energiepreise bleiben Spitzenreiter, Wirtschaftspolitik legt zu.
Der Preisauftrieb schwächt sich leicht ab. 38 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Verkaufspreise, 5 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Der Saldo liegt mit 26 Punkten weiterhin deutlich unter der Gesamtwirtschaft mit 44 Punkten. Als größtes Risiko nennen 79 Prozent der Bauunternehmen die Energie- und Rohstoffpreise, 5 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr und deutlich mehr als im Durchschnitt aller Branchen mit 65 Prozent. Auf Platz zwei folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 62 Prozent, ein Sprung um 14 Prozentpunkte. Die Inlandsnachfrage nennen 54 Prozent, die Arbeitskosten 49 Prozent und damit 12 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Der Arbeits- und Fachkräftemangel bleibt mit 48 Prozent ebenfalls ein gewichtiges Risiko, in der Gesamtwirtschaft sind es 34 Prozent.
Konjunkturindex: Stagnation weit unter dem Zehnjahresdurchschnitt.
Der IHK-Konjunkturindex des Baugewerbes steigt um einen Punkt auf 90 Punkte und stagniert damit praktisch. Er liegt unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und 20 Punkte unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 110 Punkten. Die Gesamtwirtschaft kommt auf 105 Punkte, ein Plus von 3 Punkten, und bleibt ebenfalls unter ihrem Zehnjahresschnitt von 113 Punkten. Die bessere Auslastung ist damit noch kein tragfähiges Fundament, solange Erwartungen, Beschäftigungsabsichten und Aufträge nicht nachziehen. Für eine Trendwende braucht es spürbare Fortschritte bei Energiepreisen, Arbeitskosten und Bürokratieabbau sowie verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.
