Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026
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Wirtschaftswende auf Raten – Kommunalwahl soll neue Wachstumsimpulse vor Ort bringen
Die Stimmung der Wirtschaft im Wittelsbacher Land hat sich zum Jahresbeginn 2026 leicht eingetrübt. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, sinkt im Vergleich zum Herbst 2025 um einen auf 112 Punkte. „Die aktuelle Zurückhaltung vieler IHK-Mitgliedsunternehmen zeigt, wie aufmerksam sie die anstehenden Veränderungen verfolgen. Neben den angekündigten Reformen im Bund setzen viele Unternehmen zudem auf frische Wachstumsimpulse aus ihren Rathäusern und Landratsämtern – und blicken den kommenden Entwicklungen mit großer Erwartung entgegen“, stellt Katrin Krauß-Herkert, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Aichach-Friedberg, mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und den bayerischen Kommunalwahlen im März fest. Willi Weißgerber, stellv. Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung, ergänzt: „Eine Wirtschaftswende auf Raten darf uns angesichts der vielen konjunktureller Risiken nicht zufrieden stellen. Es bleibt die Aufgabe der Politik für wachstumsfördernde Rahmenbedingungen zu sorgen.“
Vom 5. bis 16. Januar 2026 hat die IHK Schwaben einen auch regional repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zu aktueller Lage, Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Bereits im Herbst 2025 hat die IHK-Regionalversammlung Aichach-Friedberg, die 11.318 Unternehmen im Wittelsbacher Land vertritt, die Positionen der regionalen Wirtschaft zur Kommunalwahl 2026 beschlossen.
Konjunkturindex über Wachstumsschwelle, aber unter 10-jährigem Durchschnitt
Mit 112 Punkten liegt der IHK-Konjunkturindex für den Landkreis Aichach-Friedberg zwar deutlich oberhalb der „Wachstumsschwelle“ von 100 Punkten, aber noch unter dem 10-jährigen Durchschnitt von 117 Punkten. Zum Vergleich: In Bayerisch-Schwaben erreicht der IHK-Konjunkturindex einen Wert von 108 Punkten, in der Referenzregion Wirtschaftsraum Augsburg, zu der neben dem Landkreis Aichach-Friedberg auch der Landkreis Augsburg und die Stadt Augsburg zählen, von 111 Punkten. „Unser Standort profitiert weiterhin von seiner breiten, mittelständisch geprägten und damit in Summe krisenerprobten Wirtschaftsstruktur“, stellt IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse fest. Doch auch er warnt: „Ohne eine echte Wirtschaftswende, wird das stabilste wirtschaftliche Fundament eines Tages brüchig.“
Aktuelle Geschäftslage verschlechtert – Erwartungen im Saldo verbessert
Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2025 hat sich die Geschäftslage verschlechtert. Als „gut“ bewerten nun 34 Prozent die aktuelle Geschäftslage (-2 Punkte), als „schlecht“ 15 Prozent (+4 Punkte). Die verbleibenden 51 Prozent (-2 Punkte) beurteilen diese als „befriedigend“. Die Erwartungen für das kommende halbe Jahr fallen im Saldo etwas optimistischer aus. 18 Prozent (+8 Punkte) erwarten eine „verbesserte“, 12 Prozent (+2 Punkte) eine „verschlechterte“ und 70 Prozent (-10 Punkte) eine „nicht veränderte“ Geschäftslage.
Branchenentwicklung in Bayerisch-Schwaben nähert sich an
Die Stimmung in den betrachteten Branchen nähert sich an. Der Trend ist mit Ausnahme des Einzelhandels (Index bei 96 Punkten) bei allen Branchen leicht positiv. Über der Wachstumsschwelle liegen damit die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (116 Punkte), das Baugewerbe (112 Punkte), das Transportgewerbe (109 Punkte), das Reise- und Gastgewerbe (103 Punkte) sowie die Industrie (102 Punkte). „Angesichts zunehmend schlechter Nachrichten aus verschiedenen Unternehmen ist es besonders erfreulich, dass es einen leichten Aufwärtstrend in der für unsere Region besonders wichtigen Industrie sowie dem krisengeschüttelten Baugewerbe gibt“, so IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter.
Viele Risiken belasten die Investitions- und Beschäftigungspläne
Die regionale Wirtschaft hat mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Im Vergleich zum Herbst 2025 hat deren Intensität sogar noch weiter zugenommen. Die fünf größten konjunkturellen Risiken sind: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent, +2), Inlandsnachfrage (63 Prozent, +1), Arbeitskosten (60 Prozent, +5 entspricht Allzeit-Hoch), Energie- und Rohstoffpreise (44 Prozent, -2) sowie Arbeits- und Fachkräftemangel (39 Prozent, -3). Katrin Krauß-Herkert: „Die vielen Risiken drücken trotz der kurzfristig besseren Stimmung auf die langfristigen Investitions- und Beschäftigungspläne der heimischen Wirtschaft. Es ist daher Zeit für mutige Reformen, die Risiken abbauen und neue Möglichkeiten schaffen. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist.“
Regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein
„Wachstumsfördernde Rahmenbedingungen entstehen aber nicht nur in München, Berlin und Brüssel. Sie entstehen genauso hier, vor Ort – in unseren Rathäusern und Landratsämtern“, betont Willi Weißgerber. Daher hat die IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land in den Bereichen Standortfaktoren, Moderne Verwaltung, Finanzen und Steuern, Bildung und Fachkräftesicherung sowie Innenstadt und Ortskerne konkrete Handlungsfelder herausgearbeitet und selbst Vorschläge unterbreitet. Katrin Krauß-Herkert und Willi Weißgerber abschließend: „Kommunen und Landkreise machen Wirtschaftspolitik – jeden Tag, ganz unmittelbar. Und deshalb sage ich sehr klar: Die regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein. Wir brauchen kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, die die wirtschaftliche Perspektive verstehen und gemeinsam mit uns handeln.“
