Studie
Standortgemeinschaften der Zukunft – Der Kompass Deutschland 2025
Neue Kennzahlen für das Miteinander von Kommunen und Wirtschaft
Wie steht es um die Zukunft der Gewerbevereine, Stadtmarketingorganisationen und lokalen Initiativen, die sich in ganz Deutschland für lebendige Innenstädte einsetzen? Die imakomm AKADEMIE hat in Zusammenarbeit mit 55 Industrie- und Handelskammern – darunter auch der IHK Schwaben – die bundesweit erste umfassende Untersuchung zu sogenannten Standortgemeinschaften vorgelegt. Unter diesem Begriff fasst die Studie Zusammenschlüsse von Kommunen, Gewerbevereinen und City-Initiativen zusammen, die gemeinsam die wirtschaftliche Entwicklung und Attraktivität ihrer Standorte stärken.
Der „Kompass Deutschland 2025“ liefert erstmals belastbare Vergleichsdaten, Good-Practice-Beispiele und Handlungsempfehlungen. 386 Datensätze aus allen Bundesländern wurden ausgewertet, die Erhebung erfolgte zwischen Juni und August 2025.
Ehrenamt am Limit
Viele Standortgemeinschaften bilden seit Jahrzehnten das Rückgrat lokaler Wirtschaftsförderung. Im Durchschnitt bestehen sie seit mehr als 30 Jahren und sind meist als eingetragene Vereine organisiert. Doch das Engagement basiert häufig auf rein ehrenamtlicher Arbeit. Laut Studie sind nur rund 15 Prozent der Mitglieder aktiv beteiligt – bei etwa 80 Mitgliedern pro Gemeinschaft engagieren sich damit oft nur fünf bis sechs Personen regelmäßig.
Fast 70 Prozent der Standortgemeinschaften berichten zudem über sogenannte „Trittbrettfahrer“, also Akteure, die von gemeinsamen Aktivitäten profitieren, ohne selbst beizutragen. Hinzu kommen Überlastung und Überalterung: Das Durchschnittsalter der Engagierten liegt bei etwa 50 Jahren, Nachfolgeprobleme in den Vorständen treten zunehmend auf. Diese Strukturen gefährden vielerorts die Kontinuität der Arbeit.
Finanzielle Basis und kommunale Unterstützung
Auch finanziell sind viele Gemeinschaften gefordert. Das durchschnittliche Jahresbudget liegt bei rund 27.000 Euro, ein Fünftel davon stammt aus kommunalen Zuschüssen. Mitgliedsbeiträge in Höhe von durchschnittlich 180 Euro pro Jahr reichen häufig nicht aus, um Projekte langfristig abzusichern. Seit 2023 verzeichnen fast ein Viertel der befragten Vereinigungen sinkende Einnahmen.
Positiv ist: 63 Prozent der Standortgemeinschaften erhalten finanzielle Hilfe ihrer Kommune, weitere 42 Prozent werden personell unterstützt. Besonders kleine Städte profitieren von enger Zusammenarbeit mit Verwaltung und Stadtmarketing, während größere Standorte eher auf Zuschüsse setzen.
Zukunft gestalten: Digitalisierung und Kooperation
Trotz aller Herausforderungen blickt die Mehrheit der Befragten optimistisch nach vorn. 56 Prozent schätzen ihre Zukunftsaussichten positiv ein. Besonders in Großstädten und wirtschaftsstarken Regionen zeigen sich stabile Strukturen und Innovationsbereitschaft.
Ein zentraler Schlüssel liegt in der Digitalisierung. Immer mehr Gemeinschaften setzen auf digitale Gutscheinsysteme, City-Cards oder moderne Kommunikationskanäle. Social-Media-Aktivitäten, Verwaltungssoftware und Online-Netzwerke entlasten das Ehrenamt und erhöhen die Sichtbarkeit vor Ort. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen oder Nachbarstädten fördern zudem den Wissenstransfer und stärken die lokale Vernetzung.
Klare Strategien für starke Standorte
Die Studie benennt vier zentrale Zukunftsstrategien: Konzentration auf Kernaufgaben, Ergänzung bestehender Projekte, Ausbau der Mitgliederbasis und Anpassung der Finanzstruktur. Mehr als die Hälfte der Standortgemeinschaften plant entsprechende Veränderungen.
Die imakomm AKADEMIE empfiehlt, Aufgaben klar zu priorisieren, Effizienzpotenziale zu heben und die Zusammenarbeit zwischen Kommune, Wirtschaftsförderung und Vereinen zu professionalisieren. Ebenso entscheidend ist der Generationenwechsel – jüngere Akteure sollen gezielt eingebunden und neue Formen ehrenamtlichen Engagements entwickelt werden.
Fazit
Der „Kompass Deutschland 2025“ zeigt: Standortgemeinschaften bleiben ein unverzichtbares Bindeglied zwischen Wirtschaft und Kommune. Sie halten Innenstädte lebendig, fördern lokale Netzwerke und stärken die regionale Wirtschaft. Damit sie diese Rolle auch künftig erfüllen können, braucht es Mut zur Erneuerung, strategische Fokussierung und eine moderne Kommunikationskultur – vor allem aber das gemeinsame Engagement aller Beteiligten am Standort.
