Aus- & Weiterbildung
Berufliche und akademische Bildung: Warum Meister und Bachelor gleichwertig sind
Karriere machen ohne Studium? Eine berufliche Ausbildung mit anschließender Fortbildung bietet attraktive Perspektiven. Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) macht sichtbar, dass viele berufliche und akademische Abschlüsse gleichwertig sind. Eine aktuelle Studie zeigt: Auch bei Gehalt, Jobsicherheit und Karrierechancen müssen sich beruflich Fortgebildete nicht hinter Hochschulabsolventen verstecken.
- Meister oder Bachelor: Was bedeutet gleichwertig?
- Welche beruflichen Abschlüsse sind gleichwertig?
- Berufliche Fortbildung: Gute Gehälter und Karrierechancen
- Höhere Berufsbildung: Karriere machen ohne Studium
- Was bringt der Deutsche Qualifikationsrahmen Unternehmen und Beschäftigten?
- Beruflich weiterkommen mit der IHK Schwaben
Meister oder Bachelor: Was bedeutet gleichwertig?
Ein Meisterabschluss kann auf demselben Qualifikationsniveau liegen wie ein Bachelorabschluss. Das gilt beispielsweise für Industriemeister und Wirtschaftsfachwirte. Beide Abschlüsse sind im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) dem Niveau 6 zugeordnet – ebenso wie der akademische Bachelor.
Der DQR macht berufliche und akademische Qualifikationen vergleichbar. Er unterscheidet acht Niveaustufen, die sich an den erworbenen fachlichen und persönlichen Kompetenzen orientieren. Grundlage ist der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), der die Vergleichbarkeit von Abschlüssen über Ländergrenzen hinweg erleichtert.
Gleichwertig bedeutet allerdings nicht gleichartig: Ein Meister ist kein akademischer Bachelor. Die Abschlüsse unterscheiden sich in Bildungsweg, Inhalten und Berechtigungen, entsprechen aber einem vergleichbaren Kompetenzniveau.
Welche beruflichen Abschlüsse sind gleichwertig?
Weitere Informationen bietet die offizielle Website des Deutschen Qualifikationsrahmens.
Berufliche Fortbildung: Gute Gehälter und Karrierechancen
Dass sich eine berufliche Fortbildung auch finanziell und beruflich auszahlen kann, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom Sommer 2026. Sie wurde im Auftrag der Industrie- und Handelskammern in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erstellt.
Die Ergebnisse sprechen für die Höhere Berufsbildung:
- 34,4 Prozent höherer Stundenlohn: Beschäftigte mit Fortbildungsabschluss verdienen im Median 26,78 Euro brutto pro Stunde. Bei Beschäftigten mit Berufsausbildung ohne Fortbildungsabschluss sind es 19,93 Euro.
- Attraktive Einkommen im Vergleich zu Akademikern: Rund 40 Prozent der Fortgebildeten verdienen mehr als der Median der Fachhochschulabsolventen. Etwa ein Drittel liegt sogar über dem Median der Universitätsabsolventen.
- Verantwortung im Beruf: 39 Prozent der Beschäftigten mit Fortbildungsabschluss tragen Budgetverantwortung. Bei Beschäftigten mit Berufsausbildung ohne Fortbildung sind es 26,7 Prozent.
- Gute Beschäftigungsperspektiven: Beruflich Fortgebildete sind laut Studie seltener arbeitslos als Hochschulabsolventen. Auch ihre Arbeitszufriedenheit liegt auf einem ähnlich hohen Niveau.
Die Ergebnisse zeigen: Eine berufliche Ausbildung mit anschließender Fortbildung kann eine attraktive Alternative zum Studium sein. Die individuellen Verdienstmöglichkeiten hängen allerdings unter anderem von Beruf, Branche und Tätigkeit ab. Die statistischen Unterschiede bedeuten nicht, dass eine Fortbildung automatisch zu einer entsprechenden Gehaltssteigerung führt.
Höhere Berufsbildung: Karriere machen ohne Studium
Die Höhere Berufsbildung baut auf einer beruflichen Ausbildung auf und eröffnet Fachkräften zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Sie qualifiziert für anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben und ist eng mit der beruflichen Praxis verbunden.
Die drei Fortbildungsstufen sind:
- Geprüfter Berufsspezialist: Vertiefung und Erweiterung beruflicher Kompetenzen.
- Bachelor Professional: Zweite Fortbildungsstufe auf DQR-Niveau 6, beispielsweise für entsprechend geregelte Meister- und Fachwirtabschlüsse.
- Master Professional: Dritte Fortbildungsstufe auf DQR-Niveau 7, beispielsweise für den Geprüften Betriebswirt nach BBiG.
Welche Abschlussbezeichnung geführt werden darf, hängt von der jeweiligen Fortbildungsregelung ab.
Auch ein späteres Studium ist möglich: Unter bestimmten Voraussetzungen eröffnen berufliche Fortbildungsabschlüsse den Hochschulzugang ohne Abitur. Eine Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf ein Studium kann ebenfalls möglich sein. Die Voraussetzungen richten sich nach den gesetzlichen Bestimmungen und den Regelungen der jeweiligen Hochschule.
Was bringt der Deutsche Qualifikationsrahmen Unternehmen und Beschäftigten?
Für Beschäftigte macht der DQR den Wert beruflicher Qualifikationen sichtbar und erleichtert die Orientierung bei der Karriereplanung. Unternehmen erhalten eine zusätzliche Grundlage, um Abschlüsse einzuordnen und Qualifikationen bei der Personalentwicklung zu berücksichtigen.
Der DQR schafft damit mehr Transparenz zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Er begründet jedoch keinen automatischen Anspruch auf eine bestimmte Vergütung oder einen akademischen Grad.
Beruflich weiterkommen mit der IHK Schwaben
Ob Fachwirt, Meister oder Betriebswirt: Die Höhere Berufsbildung bietet vielfältige Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln und zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.
Die IHK Schwaben informiert über die verschiedenen Fortbildungsabschlüsse und Karrierewege sowie über Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungen und Fördermöglichkeiten.
