Kurzarbeit

Kurzarbeitergeld - Sinnvolles Instrument gegen Arbeitsplatzabbau

An dieser Stelle informieren wir über Kurzarbeit im Allgemeinen. Im Zuge der Corona-Krise können Arbeitgeber Kurzarbeitergeld zurzeit leichter beantragen als bisher. Die Infos zu den aktuellen Regelungen finden Sie auf unserer Infoseite zur Coronakrise.
In wirtschaftlichen Krisenzeiten sehen viele Unternehmer Entlassungen als einzigen Ausweg, um die konjunkturelle Schwächephase zu überstehen. Doch es gibt eine sinnvolle Alternative: Kurzarbeit hilft Firmen, die von vorübergehendem Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gleicht die für die Arbeitnehmer entstandenen Entgeltverluste angemessen aus. Kündigungen lassen sich auf diese Weise vermeiden.

Was ist Kurzarbeit? 

Konjunkturell bedingte Kurzarbeit ermöglicht dem Arbeitgeber, seine Mitarbeiter auch dann weiter zu beschäftigen, wenn in wirtschaftlichen Krisenzeiten zu wenige Aufträge vorliegen. Statt Arbeitnehmer entlassen zu müssen, können Unternehmer im Einvernehmen mit dem Betriebsrat Kurzarbeit einführen. In Firmen ohne Betriebsrat ist die Zustimmung aller betroffenen Mitarbeiter nötig. Kurzarbeit wird bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) angezeigt. Das Unternehmen muss dazu die Voraussetzungen der Paragraphen 95 bis 109 SGB III erfüllen. Insbesondere muss ein erheblicher Arbeitsausfall gegeben sein, welcher auf wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht sowie vorrübergehend und unvermeidbar ist. Erfüllen die Firmen die nötigen Voraussetzungen, erstattet die BA einen Teil des Arbeitsentgelts (=Kurzarbeitergeld). Neben konjunktureller Kurzarbeit gibt es noch zwei Sonderformen der Kurzarbeit: die Saison-Kurzarbeit, vor allem im Baugewerbe, und die Transfer-Kurzarbeit im Rahmen von betrieblichen Restrukturierungsmaßnahmen.

Was sind die Vorteile von Kurzarbeit?

Kündigungen werden in wirtschaftlich schweren Zeiten vermieden, so dass Betriebe keine gut ausgebildeten und eingearbeiteten Mitarbeiter entlassen müssen. Zudem werden Unternehmen von Personalkosten entlastet. Stattdessen kann die arbeitsfreie Zeit für die Weiterbildung der Mitarbeiter genutzt werden. Davon profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer: Qualifizierung bringt Wettbewerbsvorteile und Innovationskraft für die Unternehmen einerseits sowie Zusatzqualifikationen und Aufstiegschancen für die Arbeitnehmer andererseits. Vor allem ältere und gering qualifizierte Mitarbeiter können durch Weiterbildung ihr Risiko, langfristig arbeitslos zu werden, senken. Wer kurzarbeitet hält zudem seine Ansprüche auf Sozialleistungen aufrecht.

Wie viel Geld erhalten die Arbeitnehmer in der Kurzarbeitsphase?

Der Arbeitgeber zahlt nur den Teil des Arbeitsentgeltes, der der reduzierten Arbeitszeit entspricht. Wird zum Beispiel nur noch die Hälfte der Zeit gearbeitet, erhalten die Mitarbeiter vom Unternehmen auch nur noch die Hälfte der Vergütung. Hinzu kommt das Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des Lohnausfalls, bei Arbeitnehmern mit Kind im Haushalt 67 Prozent. Das Kurzarbeitergeld wird von der BA an den Arbeitgeber gezahlt, der es in der Regel vorher an seine Mitarbeiter verauslagt hat.
Wichtiger Hinweis: Das Kurzarbeitergeld muss bei der Agentur für Arbeit angezeigt werden, bevor dieses beantragt werden kann. Hierbei gilt eine Frist bis zum 31. März 2020, um für den Zeitraum ab dem 1. März 2020 Kurzarbeitergeld zu erhalten.
Als unbürokratischen Service bietet die Agentur für Arbeit eine Übermittlung der unterschriebenen PDF-Datei an eine zentrale E-Mailadresse an kiel.031-os@arbeitsagentur.de.

Wie lange kann Kurzarbeitergeld bezogen werden?

Gemäß Paragraph 104 I SGB III gilt eine gesetzliche Bezugsfrist von zwölf Monaten.
Paragraph 109 I Nr. 1 a, b SGB III stellt jedoch Ausnahmen. Liegen außergewöhnliche Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt in bestimmten Wirtschaftszweigen oder Bezirken vor, kann sich die Bezugszeit durch Rechtverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf 12 Monate verlängern  und wenn außergewöhnliche Verhältnisse auf dem gesamten Arbeitsmarkt vorliegen, besteht die Möglichkeit einer Verlängerung auf 24 Monate.

Wie lange arbeiten Kurzarbeiter?

Ob der Arbeitsausfall stunden-, tage- oder wochenweise eintritt, bleibt dem Unternehmen vorbehalten. Das Entgelt muss für ein Drittel der Arbeitnehmer des Betriebes beziehungsweise der Betriebsabteilung um mehr als zehn Prozent verkürzt werden, damit Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht. Bei der so genannten "Kurzarbeit null" wird die Arbeit komplett eingestellt.

Wer kann konjunkturelle Kurzarbeit beantragen?

Nicht nur große Unternehmen, sondern vor allem kleine und mittelständische Firmen können von Kurzarbeit profitieren. Jedes Unternehmen mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kommt in Frage.
Weitere Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeit sind:
  • Der Arbeitsausfall ist unvermeidbar. Das heißt, der Betrieb hat zuvor alles getan, um den Arbeitsausfall zu verhindern oder zu beheben, zum Beispiel durch das Aufbrauchen von Arbeitszeitguthaben oder das Gewähren von festgelegtem Erholungsurlaub.
  • Der Arbeitsausfall ist voraussichtlich nur vorübergehend und während der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes ist davon auszugehen, dass die Beschäftigten anschließend wieder in Vollzeit arbeiten.
  • Es muss im jeweiligen Kalendermonat (Anspruchszeitraum) mindestens ein Drittel der in dem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 Prozent ihres monatlichen Bruttoentgelts betroffen sein; der Entgeltausfall kann auch jeweils 100 Prozent des monatlichen Bruttoentgelts betragen.
Tipp: Grundlegende Informationen zum Antrag auf Kurzarbeitergeld erhalten Sie im Video der Arbeitsagentur: Kurzarbeitergeld – Teil 2: Verfahren.

Wer hat Anspruch auf Saison-Kurzarbeitergeld?

Nach Paragraph 101 SGB III haben Arbeitnehmer in Betrieben des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks und des Garten- und Landschaftsbaus in der auf die Monate Dezember bis März verkürzten Schlechtwetterzeit bei Arbeitsausfällen, die erheblich sind, also auf wirtschaftlichen oder witterungsbedingten Gründen oder auf einem unabwendbaren Ereignis beruhen, Anspruch auf ein sogenannte Saison-Kurzarbeitergeld, wenn der Arbeitsausfall vorübergehend und nicht vermeidbar ist. Als nicht vermeidbar gilt auch ein Arbeitsausfall, der überwiegend branchenüblich, betriebsüblich oder saisonbedingt ist.
In Betrieben des Gerüstbaus beginnt die Schlechtwetterzeit am 1. November und endet am 31. März.

Wer berät über Kurzarbeit und über Fördermöglichkeiten bei Kurzarbeit?

Die regionalen Agenturen für Arbeit beraten Arbeitgeber vor Ort zum Thema Kurzarbeit und unterstützen Sie bei der Antragstellung. Sie kommen dafür auch direkt in die Betriebe. Die bundesweit einheitliche Telefonnummer des Arbeitgeberservices der BA lautet 0800 4 5555 20.
Aktuelle Informationen zum Thema Kurzarbeit finden Sie auf der Seite Bundesministerium für Arbeit und Soziales.