Verkehrsinfrastruktur Nord
Rader Hochbrücke
Warum die Finanzierung des zweiten Bauwerks jetzt gesichert werden muss
Die neue Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal zählt zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten Schleswig-Holsteins. Als zentrale Querung der A7 verbindet sie den nördlichen Landesteil und ganz Skandinavien mit dem übrigen Bundesgebiet und dem europäischen Wirtschaftsraum. Für die schleswig-holsteinische Wirtschaft – und insbesondere für die Logistikbranche – ist sie eine Lebensader. Umso mehr sorgt die aktuelle Diskussion um die Finanzierung des zweiten Brückenbauwerks für Beunruhigung.
Der aktuelle Stand
Das erste Teilbauwerk der neuen Rader Hochbrücke soll wie geplant Ende 2026 fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben werden. Für das zweite Teilbauwerk, das unmittelbar im Anschluss entstehen soll, ist die Finanzierung jedoch weiterhin nicht verbindlich gesichert. Das Bundesverkehrsministerium hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur eingeräumt, dass mit der derzeit vorgesehenen Mittelausstattung „auch laufende Projekte noch nicht vollumfänglich durchfinanziert“ seien, und verweist auf die angespannte Haushaltslage. Zwar hat die Bundesregierung Ende Juli 2026 bekräftigt, dass sie am vollständigen Ersatzneubau – also ausdrücklich auch am zweiten Teilbauwerk – festhält. Eine verbindliche Zusage im Bundeshaushalt für 2027, aus dem sich der Weiterbau finanzieren ließe, steht jedoch noch aus.
Warum die Wirtschaft ein klares Signal braucht
Aus Sicht der Wirtschaft in Schleswig-Holstein ist der Befund eindeutig: Brücken müssen verlässlich nutzbar sein und ausreichende Kapazitäten bieten. Damit das gewährleistet ist, braucht es auskömmliche und rechtzeitig eingeplante Finanzmittel. Brücken sind kritische Infrastruktur – und auf funktionierender Infrastruktur basiert wirtschaftliches Handeln insgesamt.
Für die Rader Hochbrücke als wichtigste Querung des Nord-Ostsee-Kanals bedeutet das konkret: Nur die pünktliche und vollständige Fertigstellung des Gesamtprojekts sichert dauerhaft die Anbindung des nördlichen Landesteils sowie ganz Skandinaviens an die überregionalen Wirtschaftsverkehre. Ein Szenario, in dem nur die eine Hälfte der Brücke fertiggestellt wird, während für die zweite Hälfte weiter auf Finanzmittel gewartet werden muss, wäre volkswirtschaftlich der teuerste denkbare Weg – mit einem dauerhaften Nadelöhr an einer der wichtigsten Verkehrsachsen Norddeutschlands als Folge.
Eine vermeidbare Situation
Besonders unverständlich ist die aktuelle Unsicherheit vor dem Hintergrund, dass sie sich frühzeitig hätte vermeiden lassen. Die Preissteigerungen im Bausektor sind spätestens seit Mitte 2021 bekannt. Es hätte ausreichend Zeit gegeben, die Budgetplanungen für ein Projekt dieser Größenordnung entsprechend anzupassen – und die jetzt entstehenden zusätzlichen Signale politischer und damit wirtschaftlicher Unsicherheit gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Dass ein bislang positiv wahrgenommenes Symbolprojekt für modernen Brückenbau in Deutschland nun in Verzug zu geraten droht und zusätzlich auf ein künftiges Gesetzgebungsverfahren zur Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH des Bundes verwiesen wird, ist für die Wirtschaft nur schwer nachvollziehbar. Eine solche Verknüpfung mit einem noch nicht abgeschlossenen Gesetzgebungsprozess sorgt für zusätzliche Verunsicherung – und für wachsendes Unverständnis gegenüber den verantwortlichen politischen Entscheidungsträgern der Mitte.
Die Forderung der Wirtschaft
Die Wirtschaft in Schleswig-Holstein vertraut – auch angesichts der hohen politischen Bedeutung und Sichtbarkeit dieses Projekts – auf eine kurzfristige Lösung. Notwendig ist eine ebenso kurzfristige und verbindliche Sicherstellung der Finanzierung für das Gesamtprojekt Rader Hochbrücke, für beide Teilbauwerke gleichermaßen. Nur so lässt sich verhindern, dass aus einem Vorzeigeprojekt der deutschen Verkehrsinfrastruktur ein langjähriges Nadelöhr für den Wirtschaftsverkehr zwischen Schleswig-Holstein, Deutschland und Skandinavien wird.