Zukunftsthemen
Branchenstudie Digitalwirtschaft Schleswig-Holstein 2026
KI etabliert sich als Leitthema, Bürokratie bleibt größtes Hemmnis – zahlreiche Unternehmen geben Einblick in Chancen, Herausforderungen und Zukunftsthemen der Digitalbranche.
Schleswig-Holsteins Digitalwirtschaft präsentiert sich innovativ, technologisch leistungsfähig und wachstumsorientiert. Allerdings bremsen Bürokratie, Fachkräftemangel und fehlende Skalierungsmöglichkeiten die weitere Entwicklung. Zu diesem Ergebnis kommt die neue "Branchenstudie Digitalwirtschaft Schleswig-Holstein 2026", die vom Digitalcluster DiWiSH (Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein e.V.), der IHK Schleswig-Holstein und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein vorgestellt wird.
Grundlage der Studie sind die Antworten von Unternehmen aus der Digitalwirtschaft sowie sieben vertiefende Experteninterviews. Damit liefert die Untersuchung ein besonders präzises Bild der tatsächlichen Situation der Branche im Land.
Quickfacts
Die Studie zeigt eine Digitalwirtschaft, die technologisch gereift ist und zentrale Zukunftsthemen bereits aktiv gestaltet. Künstliche Intelligenz hat sich vom Zukunftstrend zum strategischen Leitthema entwickelt: 85 Prozent der befragten Unternehmen bewerten KI als wichtig oder sehr wichtig für die weitere Entwicklung der Branche, knapp 58 Prozent setzen entsprechende Anwendungen bereits im Regelbetrieb ein.
Gleichzeitig wird deutlich, dass Schleswig-Holstein seine Stärken bislang nicht vollständig in wirtschaftliche Dynamik übersetzen kann. Im aktuellen Bitkom-Länderindex belegt Schleswig-Holstein Platz zehn unter den Bundesländern. Besonders bei digitaler Infrastruktur und digitaler Gesellschaft erzielt das Land weiterhin gute Ergebnisse. Die Studie macht jedoch deutlich, dass die Branche häufig unterschätzt wird.
"Die Ergebnisse zeigen, dass Schleswig-Holstein über eine leistungsfähige und innovative Digitalwirtschaft verfügt. Unsere Unternehmen entwickeln digitale Lösungen für Märkte weit über die Landesgrenzen hinaus. Gleichzeitig sehen wir Handlungsbedarf bei Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und den Wachstumsbedingungen für junge Unternehmen. Wer die wirtschaftliche Zukunft des Landes gestalten will, kommt an der Digitalwirtschaft nicht vorbei",
- Thomas Buhck, Präsident der IHK Schleswig-Holstein und Präses der IHK zu Lübeck.
Die Studie zeigt zudem, dass die Impulse der Digitalwirtschaft weit über den ökonomischen Bereich hinausreichen und maßgeblich zur Weiterentwicklung von Verwaltung, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe beitragen.
Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen den Stärken des Standorts und seiner Wahrnehmung. Die Unternehmen bewerten die digitale Infrastruktur überwiegend positiv. Der Glasfaserausbau gehört bundesweit zur Spitzengruppe. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von einer zu geringen Sichtbarkeit des Standorts, die sich auf Fachkräftegewinnung, Investitionen und Kooperationen auswirken kann.
"Schleswig-Holstein hat in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen – von der digitalen Infrastruktur über die Hochschullandschaft bis hin zu Innovations- und Netzwerkangeboten. Die Studie zeigt, dass diese Investitionen Wirkung entfalten. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern und die Wachstumspotenziale der Branche konsequent zu nutzen",
- Julia Carstens, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein.
Die Befragung macht zugleich deutlich, welche Themen die Unternehmen aktuell besonders beschäftigen. Mit Abstand am häufigsten nennen sie den Abbau bürokratischer Hürden als wichtigste politische Aufgabe. Es folgen die stärkere Positionierung Schleswig-Holsteins als Digitalstandort, der Ausbau von KI-Kompetenzen sowie steuerliche Anreize für Unternehmen.
Für die Initiatoren der Studie ist insbesondere die unmittelbare Beteiligung der Unternehmen von großer Bedeutung. Die Ergebnisse basieren nicht allein auf statistischen Kennzahlen, sondern auf den Erfahrungen und Einschätzungen der Branche selbst.
"Die Studie gibt der Digitalwirtschaft Schleswig-Holsteins eine Stimme. Durch die direkte Befragung der Unternehmen erhalten wir ein sehr differenziertes Bild der tatsächlichen Herausforderungen und Potenziale. Die Branche verfügt über enormes Know-how, starke Netzwerke und hohe Innovationskraft. Cluster wie die DiWiSH helfen dabei, diese Stärken sichtbarer zu machen. Zusammen mit der Landesregierung, den Kammern und Wirtschaftsförderern sowie den Unternehmen selbst müssen wir bessere Voraussetzungen für Wachstum und Skalierung zu schaffen",
- Dr. Johannes Ripken, Clusterleiter der DiWiSH – Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein.
Die Branchenstudie macht deutlich: Schleswig-Holsteins Digitalwirtschaft verfügt über die fachliche Kompetenz, die Innovationskraft und die technologischen Voraussetzungen, um auch künftig eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes einzunehmen. Um dieses Potenzial vollständig zu entfalten, braucht es jedoch weiterhin verlässliche politische Rahmenbedingungen, einen konsequenten Bürokratieabbau und eine stärkere Sichtbarkeit des Standorts.
zur vollständigen Branchenstudie
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Branchenstudie
Studie und Methodik
- 216 Unternehmen der Digitalwirtschaft befragt
- 7 qualitative Experteninterviews mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft
- Gemeinsame Studie von DiWiSH, IHK Schleswig-Holstein und dem Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein
- Umfassendes Lagebild der Digitalwirtschaft im Land
- Struktur der Branche
Fazit: Die Digitalwirtschaft Schleswig-Holsteins ist stark mittelständisch und kleinteilig geprägt.
- Standort Schleswig-Holstein
Positive StandortfaktorenAnteil der Unternehmen, die die Bedingungen als gut oder sehr gut bewerten:
- 62 Prozent Breitband- und Glasfaserverfügbarkeit
- 46 Prozent Mobilfunkabdeckung
- 42 Prozent Kooperationsmöglichkeiten mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen
Größte Herausforderung: Nur 23 Prozent bewerten den Zugang zu qualifizierten Fachkräften als gut oder sehr gut. - Künstliche Intelligenz als Leitthema
Bedeutung von KI
- 85 Prozent bewerten KI als wichtigen oder sehr wichtigen Zukunftstrend
- KI ist damit eines der zentralen Zukunftsthemen der Branche
Nutzung von KI- 58 Prozent setzen KI bereits im Regelbetrieb ein
- 33 Prozent befinden sich in der Pilotphase
- Nur 9 Prozent nutzen KI bislang nicht
Kompetenzbedarf: KI ist das Kompetenzfeld mit dem größten wahrgenommenen Weiterbildungs- und Entwicklungsbedarf. - Fachkräfte
Zukünftiger PersonalbedarfAnteil der Unternehmen, die steigenden Bedarf erwarten:
- 53 Prozent Data Science und KI
- 40 Prozent IT-Sicherheit
- 35 Prozent Vertrieb und Marketing
- 24 Prozent Softwareentwicklung
FachkräftegewinnungDie wichtigsten Instrumente:- 25,5 Prozent Netzwerke und persönliche Kontakte
- 16,0 Prozent Interne Weiterbildung
- 15,7 Prozent Stellenanzeigen, Jobmessen und Social Media
- 12,1 Prozent Berufsausbildung
- Politische Prioritäten der Branche
Die wichtigsten Handlungsfelder aus Sicht der Unternehmen:
- Bürokratieabbau (67 Prozent)
- Schleswig-Holstein als attraktiven Digitalstandort positionieren (43 Prozent)
- KI-Kompetenz und KI-Anwendung stärken (37 Prozent)
- Steuerliche Anreize für Unternehmen schaffen (34 Prozent)
- Digitale Kompetenzen in Bildung und Ausbildung fördern (31 Prozent)
- Aktuelle Herausforderungen der Unternehmen
Die meistgenannten Herausforderungen:
- Kundengewinnung und Vertrieb (21 Prozent)
- Bürokratie (19 Prozent)
- Politische Entwicklungen (12 Prozent)
- Sichtbarkeit bei der Zielgruppe (11 Prozent)
- Strategischer Einsatz von KI (10 Prozent)
- Innovationskraft
Selbstbild der Unternehmen
- 65 Prozent bewerten ihre Innovationsfähigkeit als gut oder sehr gut
- Nur 5 Prozent bewerten sie als schlecht oder sehr schlecht
Innovationsschwerpunkte- 69 Prozent Digitale Innovationen (zum Beispiel KI, IoT)
- 46 Prozent Prozessinnovationen
- 38 Prozent Produktinnovationen
- 38 Prozent Geschäftsmodellinnovationen
Innovationshemmnisse- 53 Prozent Hohe Kosten
- 51 Prozent Fehlende interne Ressourcen
- 40 Prozent Unsicherheit über Marktpotenziale
- 35 Prozent Regulatorische Hürden
- Netzwerke und Kooperationen
Nutzung von NetzwerkenAnteil der Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten Angebote genutzt haben:
- 60 Prozent IHK
- 49 Prozent DiWiSH