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Aktuelle Meldungen

Neuigkeiten aus der Gesundheitswirtschaft finden Sie in dieser Rubrik.

CE-Zeichen für erste autonome AI-Anwendung

Oxipit UAB ist ein 2017 gegründetes StartUp-Unternehmen in Vilnius (Litauen), dass KI-Tools für die medizinische Bildgebung entwickelt. Ende März 2022 veröffentlichte das Unternehmen auf seiner  Homepage die folgende Nachricht: 
"Oxipit, Entwickler von KI-Anwendungen für die medizinische Bildgebung, hat die CE-Zertifizierung der Klasse IIb für die autonome KI-Bildgebungssuite ChestLink erhalten. Die Anwendung erstellt eigenständig Berichte über Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, die keine Anomalien aufweisen, ohne dass ein Radiologe eingreifen muss. Es ist die erste regulatorisch freigegebene KI-Anwendung für die medizinische Bildgebung, die eigenständig Diagnosen erstellt."
Das Zertifikat für das Qualitätsmanagementsystem wurde dem Unternehmen durch den TÜV Rheinland (Benannte Stelle) ausgestellt. 
Bemerkenswert ist diese Nachricht aus zwei Gründen:
  • Zum einen könnte hier ein Durchbruch zur vollständigen KI-basierten Automatisierung medizinischer Bildauswertung gelungen sein. Inwieweit dies zutrifft, diskutiert Dr. Hugh Harvey (Managing Director, Hardian Health) in diesem Blog
  • Zum anderen zeigt das Beispiel ChestLink anschaulich, dass eine Konformitätsbewertung KI-basierter Technologien und deren Inverkehrbringen im europäischen Binnenmarkt nach den bestehenden, sektorspezifischen Regularien für Medizinprodukte (namentlich die Medical Device Regulation, MDR) in der Praxis bereits heute möglich ist. Dies wirft die Frage auf, ob es zusätzlicher "horizontaler" (also alle Branchen betreffender) Regularien zur Konformitätsbewertung KI-basierter Produkte wie dem geplanten Europäischen AI-Act für die Medizintechnikbranche überhaupt bedarf - oder ob zusätzliche Regularien Medizinprodukteherstellern nur zusätzliche, aber letztlich verzichtbare bürokratische Hürden auferlegen und somit den Weg von deren Produkten zum Markt und zum Patienten unnötig verlängern würden. 

Eröffnung von länderübergreifendem Zentrum für Röntgen- und Nanoforschung bei DESY

​18-Millionen-Neubau verbindet Forschende aus Hamburg und Schleswig-Holstein
Das steht für Spitzenforschung: Gleich drei Forschungsministerinnen eröffneten am 12. April das  Zentrum für Röntgen- und Nanoforschung CXNS bei DESY in Hamburg. 
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-WatzingerHamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und  Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien übergaben den Schlüssel für den länderübergreifenden Forschungsneubau an die neuen Bewohner: die  Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das  Helmholtz-Zentrum Hereon und  DESY. Das CXNS ist eine multiinstitutionelle, interdisziplinäre Plattform für die Forschung mit Röntgenlicht in Kombination mit Nano- und Materialwissenschaften und ist in dieser Form einzigartig. Das Zentrum profitiert unter anderem durch die Nachbarschaft zur hochbrillanten  Röntgenquelle PETRA III und wird auch weiteren Kooperationen ein Zuhause geben.

DIHK fordert zügige Digitalisierung im Gesundheitssektor

​Wie können  digitale Möglichkeiten im Gesundheitswesen besser genutzt und innovative Lösungen konsequent vorangetrieben werden? In einem auch vom Vorstand beratenen  Impulspapier benennt der  Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Vielzahl von Vorschlägen.
Unzureichende Vernetzung, Hindernisse bei der Datennutzung, komplexe Entscheidungsstrukturen: Die Corona-Krise hat bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen eine lange Mängel-Liste ans Licht gebracht.
"Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, die Impulse aus der Krise für eine stärkere Digitalisierung zu nutzen. In der Telemedizin hat die Praxis bereits bewiesen, dass es funktioniert", sagt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer  Achim Dercks. "Gerade im Gesundheitsbereich werden alle davon profitieren: Digital-Health-Start-ups, Produzenten für Medizintechnik und Arzneimittel ebenso wie Fachkräfte, Krankenhäuser, Krankenkassen – und allen voran natürlich jeder einzelne Patient."

Elektronische Patientenakte hätte in der Pandemie geholfen

Bereits vor der Corona-Pandemie sind der DIHK-Analyse zufolge wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, die zur Bewältigung der Krise allerdings noch nicht voll genutzt werden konnten – beispielsweise die  elektronische Patientenakte (ePA). Sie sollte in den Basisfunktionen bereits ab 2021 und mit weiteren Funktionen wie einem digitalen Impfnachweis ab 2022 zur Verfügung stehen, sodass Versicherte dabei auch über das Smartphone auf ihre Daten zugreifen können.
"Wenn wir die elektronische Patientenakte mit vollen Funktionen bereits zu Beginn der Pandemie in der Versorgung etabliert hätten, wären einige Herausforderungen wahrscheinlich schneller bewältigt worden. Wir haben im Zuge der Pandemie gesehen, dass etwa Apps für Impf- oder Testzertifikate mit wachsendem Bekanntheits- und Sicherheitsgrad immer stärker genutzt worden sind. Mit dieser Erkenntnis lässt sich auch die Akzeptanz der elektronischen Patientenakte steigern. Dafür müssen nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte und Krankenkassen gewonnen werden.
Datenschutz und Freiwilligkeit bleiben gerade hier wichtige Themen. Aber wir sollten mit besseren Verfahren die Potenziale in der Versorgung und in der Forschung der Unternehmen besser ausschöpfen zu können. Die bereits im Koalitionsvertrag vereinbarte Änderung von Zustimmungs- zu Widerspruchsverfahren sollte jetzt Priorität bekommen. Vorbild kann hier Österreich sein, wo dies bereits praktiziert wird. Patienten bekommen dort automatisch ihre ePA zugeteilt."
Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer
Zum vollständigen Positionspapier gelangen Sie  hier.

Ergebnisse der Lübecker Studie ELISA zur Überwachung der Coronainfektionen

​Die größte norddeutsche Untersuchung zur Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Bevölkerung wurde beendet. Die Forschenden der Universität zu Lübeck und des Forschungszentrums Borstel geben in ihrer abschließenden Veröffentlichung zur  ELISA-Studie klare Empfehlungen für die Zukunft.

Erkenntnisse nach einem Jahr Pandemie

Die PCR- oder Antikörper-Seropositivität blieb über den gesamten Studienzeitraum niedrig. Insgesamt 3,5 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer waren nach einem Jahr Antikörper positiv und/oder hatten ein positives PCR-Testergebnis - weit weg von einer Herdenimmunität. Das höchste Risiko einer SARS-CoV-2 Infektion war bei Personen des Gesundheitswesens zu beobachten, insbesondere bei Pflegepersonal, aber auch bei Polizei und Feuerwehr. Erstaunliches ergab die Analyse der vermeintlichen Infektionstreiber: Im Rahmen der ELISA-Studie zählten weder der massive Touristenzustrom im Sommer noch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, Restaurantbesuche oder Schulen zu den Pandemietreibern im Norden. Der stärkste Risikofaktor war der Kontakt zu COVID-19-Infizierten. Einen Zusammenhang konnte die Studie zwischen dem Rückgang der Nutzung von öffentlichen Erholungsgebieten nach dem Sommer und dem Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionen aufdecken, vermutlich durch vermehrte Aktivitäten in Innenräumen.
Durch das einzigartige Studiendesign konnte der Forschungsverbund zeigen, dass intensive Testungen für das Einschätzen der tatsächlichen Infektionsrate notwendig sind, dass Lockerungen von Lockdown-Maßnahmen unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden können und dass die ELISA-Studie ein geeignetes Modell für eine wirksame, bevölkerungsbasierte Überwachung von Pandemien darstellen kann.

Europäischen Parlament: Sonderausschuss zur COVID-19-Pandemie (COVI)

​Am 19. April hat der neue  Sonderausschuss des Europäischen Parlaments (EP) zur COVID-19-Pandemie (COVI) seine Arbeit aufgenommen.
Entsprechend des am 10. März vom EP beschlossenen Mandats beschäftigt sich der Ausschuss sowohl mit der Aufarbeitung der Pandemie als auch Empfehlungen für die Zukunft. Im Mittelpunkt stehen dabei die vier Themen Gesundheit, ein abgestimmter Ansatz unter Achtung der Demokratie und Grundrechte, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie der Bereich die EU und die Welt.
In der konstituierenden Sitzung wurde Kathleen Van Brempt, eine belgische Europaabgeordnete der S&D Fraktion, zur Ausschussvorsitzenden gewählt. Ihr erster Stellvertreter ist der FDP-Abgeordnete und Arzt Andreas Glück. Dem COVI-Ausschuss gehören insgesamt 38 MdEPs an und er ist eingesetzt für die Dauer von zwölf Monaten, was allerdings bei Bedarf verlängert werden kann. Die erste reguläre Sitzung wird am 11. Mai stattfinden.

Quelle: HanseOffice Hamburg / Schleswig-Holstein, Brüssel

EU-Kommission: Verordnungsentwurf für einen Europäischer Gesundheitsdatenraum, EHDS

Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie wichtig digitale Dienste im Gesundheitsbereich sind und in welchem Maße der Zugriff auf und der Austausch von Gesundheitsdaten durch die Komplexität der Vorschriften erschwert werden. Der European Health Data Space (EHDS) soll dazu beitragen, dass Menschen ihre Gesundheitsdaten sowohl kontrollieren als auch nutzen können. Auch Ärzten und anderem medizinischem Personal soll der Zugang zu Gesundheitsdaten erleichtert werden, indem eine sowohl fach- als auch länderübergreifende Interoperabilität der Daten gewährleistet wird (primäre Nutzung). Konkret: Eine spanische Orthopädin soll auf das MRT eines rumänischen Patienten zugreifen können, das dieser im Urlaub in einem niederländischen Krankenhaus gemacht hat. 

Innovative Health Initiative: Erste Ausschreibungen für Juni 2022 geplant

​Die  Innovative Health Initiative (IHI) hat die  Mitglieder des IHI Science and Innovation Panels bekannt gegeben.
Das IHI Science and Innovation Panel ist wichtiges ein  Beratungsgremium der IHI, das das IHI Governing Board insbesondere zu den Inhalten  zukünftiger Ausschreibungsthemen berät. In diesem Gremium, das insgesamt 18 Mitglieder hat, repräsentieren zehn Personen die wissenschaftliche und Gesundheitsversorgungsszene. Diese zehn Personen wurden im Rahmen eines offenen Interessensbekundungsverfahrens ausgewählt. Daneben sind im Science and Innovation Panel Repräsentanten der EU-Kommission, der an der IHI beteiligten Industrieverbände sowie der Mitgliedstaaten vertreten. Weitere Informationen und die Zusammensetzung des Panels finden Sie auf der  IHI-Website.
Hintergrund: Die IHI ist eine  öffentlich-private Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und verschiedenen Industrieverbänden aus dem Gesundheitsbereich, die im Rahmen von Horizont Europa etabliert wurde. Sie verfügt über ein  Gesamtbudget von 2,4 Milliarden Euro und veröffentlicht jedes Jahr Förderausschreibungen. Die  ersten Ausschreibungen sind für Juni 2022 geplant.

Neue Kontaktdatenbank der Nationalen Kontaktstelle (NKS) Gesundheit

​Die  Nationale Kontaktstelle (NKS) Gesundheit berät jährlich hunderte Interessierte zu  Fragen rund um die EU-Projektförderung im Bereich Gesundheit. Damit die NKS Sie bei wiederkehrenden Kontakten  schneller und passgenauer beraten und auch  individuell über spezifische Angebote und Entwicklungen auf europäischer Ebene informieren können, nutzt die NKS ab sofort eine  datenschutzkonforme Datenbank. In dieser werden zum Beispiel die Adresse und fachlichen Interessen sowie Kontakte der Nutzerinnen und Nutzer mit der NKS erfasst.
Um von unserem verbesserten Service profitieren zu können, brauchen Sie sich nur für diese Datenbank zu registrieren. Den Link zur Registrierung finden Sie auf unserer Website im Bereich Service:  Kontaktdatenbank der Nationalen Kontaktstelle Gesundheit.

Universität zu Lübeck - Neues Mobilitätsangebot für Studierende

Die Stiftung Perspektive Hausarzt und die Ärztegenossenschaft Nord eG fördern den Betrieb von zwei PKWs, um Studierenden den Zugang in den ländlichen Raum zu erleichtern
Rund 220 Medizinstudierende der Universität zu Lübeck wählen sich pro Jahr die Praxis, in der sie zum Beispiel ihr zweiwöchiges Blockpraktikum Allgemeinmedizin machen, über die Lernplattform Moodle selbst aus. Viele Lehrpraxen im ländlichen Raum sind jedoch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und da nicht alle Studierenden über einen PKW verfügen, ist es für sie schwierig diese Praxen zu erreichen. Diese Praxen gehen daher bei der Buchung oftmals leer aus.
Das stellt aus Sicht von Prof. Steinhäuser und Prof. Thomas Kötter vom  Institut für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck ein Problem dar: Denn wer die ländlichen Regionen nicht kennengelernt hat, zieht diese später auch bei der Wahl des Arbeitsortes weniger wahrscheinlich in die engere Wahl. Um auch zukünftig eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, müsse dies daher geändert werden, so Prof. Jost Steinhäuser. "Eine wichtige Maßnahme, um mehr Studierende dazu zu bewegen, ländlich gelegene Praxen zu wählen, ist daher das kostenfreie Bereitstellen eines PKWs für die Zeit des Blockpraktikums", sagt Prof. Thomas Kötter.
Die Stiftung Perspektive Hausarzt und die Ärztegenossenschaft Nord eG fördern jetzt im Rahmen einer Sponsoringvereinbarung über jeweils drei Jahre mit insgesamt rund 25.000 Euro den Betrieb jeweils eines PKWs, welcher Studierende nutzen können, um für ihre Praktika auch ländliche Lehrpraxen erreichen zu können.
Das Lehrpraxennetzwerk des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, umfasst aktuell rund 120 Praxen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Hiervon liegen ca. 25 Prozent außerhalb der städtischen Gebiete. Ziel des Instituts für Allgemeinmedizin ist es, den Anteil an Studierenden, die ihr Blockpraktikum im ländlichen Raum absolvieren, deutlich zu erhöhen.