Gastgewerbe in Schleswig-Holstein

„Wir brauchen dringend Fachkräfte in der Küche, im Service und in der Hotellerie.“

Schleswig-Holstein gehört zu den beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands. Jahr für Jahr kommen Millionen Gäste an Nord- und Ostseeküste, übernachten in Hotels, essen in Restaurants, sitzen in Cafés. Die Branche ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Land. Doch wie steht es um die Zukunft der Gastgeber? Lutz Frank, neuer Präsident des Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Schleswig-Holstein e.V., erklärt im Interview mit der IHK zu Kiel, worauf es jetzt wirklich ankommt und was er in den nächsten drei Jahren konkret verändern möchte.
Herr Frank, Sie engagieren sich schon lange ehrenamtlich im DEHOGA. Warum war Ihnen das neben dem eigenen Betrieb wichtig?
Lutz Frank:
Ich bin einfach leidenschaftlicher Gastronom. Ich habe Koch gelernt, später die Hotelfachschule besucht, den elterlichen Betrieb übernommen und weitere Betriebe aufgebaut. Vor zwölf Jahren kam dann noch ein Betrieb in Bad Segeberg dazu. Und mich hat immer interessiert, wie wir gute Rahmenbedingungen für unsere Branche schaffen können. So bin ich irgendwann in die ehrenamtliche Arbeit im DEHOGA reingerutscht.
Über viele Jahre war ich Kreisvorsitzender in Segeberg, später im Landesvorstand und Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie. Jetzt bin ich ins Präsidium gewählt worden. Gemeinsam mit einem jungen, engagierten Team wollen wir die Branche in Schleswig-Holstein weiter stärken.
Sie haben als Koch angefangen und sind heute viel auf politischer Ebene unterwegs. Was bedeutet Gastfreundschaft für Sie?
Lutz Frank:
Der Gast muss in dem Moment, wo er reinkommt, sofort merken: „Hier bin ich willkommen.“ Das beginnt schon mit einem ehrlichen Lächeln und damit, präsent zu sein. Nicht aufgesetzt oder übertrieben – einfach freundlich und aufmerksam. Das ist für mich Gastfreundschaft. Und das gilt nicht nur im Restaurant, sondern auch im Verband. Menschen sollen merken, dass wir mit Leidenschaft dabei sind.
Sie waren bereits langjähriger Vizepräsident und Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie. Was wollen Sie jetzt konkret anders machen – und woran wollen Sie sich messen lassen?

Lutz Frank:
Das große Thema ist ganz klar die Ausbildung. Wir brauchen dringend Fachkräfte – in der Küche, im Service, in der Hotellerie. Deshalb haben wir im Verband jetzt extra jemanden eingestellt, der sich nur um Ausbildung kümmert. Wir müssen an Berufsschulen sichtbarer werden, auf Ausbildungsmessen präsent sein und natürlich auch bei Social Media. Denn wir brauchen junge Leute, die in der Branche bleiben. Das wird für die Zukunft entscheidend sein.
Ein weiterer Punkt ist der Bürokratieabbau. Viele Betriebe kämpfen mit Vorschriften und ständig neuen Anforderungen. Da wollen wir besser unterstützen und beraten.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Branche?
Lutz Frank:
Die Kosten. Ganz klar. Wareneinkäufe, Energie, Löhne. Alles ist massiv gestiegen. Gleichzeitig können wir die Preise nicht beliebig erhöhen, weil die Gäste natürlich auch rechnen müssen.
Und trotzdem muss am Ende genug übrigbleiben, damit ein Betrieb investieren kann. Eine neue Küche, Reparaturen, Modernisierung – das kostet alles Geld.
Die Bundesregierung hat kürzlich neue Regelungen zur Arbeitszeit auf den Weg gebracht. Warum ist mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten für das Gastgewerbe so wichtig?
Lutz Frank:
Weil unsere Branche eben nicht immer in starre Arbeitszeiten passt. Wenn eine Hochzeit bis vier Uhr morgens geht, dann möchten viele Mitarbeiter die Feier auch bis zum Ende begleiten und nicht mitten in der Nacht ausgewechselt werden.
Dafür wünschen sich viele lieber an anderer Stelle mehr Freizeit. Es geht also nicht darum, mehr zu arbeiten, sondern flexibler.
Was wünschen Sie sich noch von der Politik?
Lutz Frank:
Die dauerhafte Sieben-Prozent-Regelung auf Speisen war enorm wichtig. Viele Betriebe hätten sonst wahrscheinlich aufgeben müssen. Dafür hat der Verband lange gekämpft.
Und wir müssen auch Treffpunkte wie Bars oder Diskotheken im Blick behalten. Das sind wichtige Orte – gerade auch für junge Menschen.
Sie haben vorhin das Thema „Konzept“ angesprochen. Warum wird das immer wichtiger?
Lutz Frank:
Konzept ist für mich wirklich ein Schlagwort der Zukunft. Gerade im ländlichen Raum reicht es nicht mehr, nur auf gutes Wetter oder Laufkundschaft zu hoffen.
Die Menschen müssen auch bei Regen Lust haben, ins Landcafé zu fahren und dort Kuchen essen zu gehen. Leidenschaft, ein klares Profil und ein gutes Konzept werden immer wichtiger, um sich eine feste Zielgruppe aufzubauen.
Welche Trends werden die Branche in Zukunft prägen?
Lutz Frank:
Digitalisierung und Social Media werden immer wichtiger, gerade um junge Menschen zu erreichen. Auch vegetarische und vegane Küche spielen inzwischen eine große Rolle. Wir müssen Tradition und moderne Ansprüche gut miteinander verbinden.
Meine Tochter hat mir zum Beispiel erzählt, dass eine Freundin nur noch Restaurants besucht, in denen man direkt am Tisch digital bestellen kann. Das zeigt schon, wie sich Erwartungen verändern.
Und Themen wie Nachhaltigkeit und Regionalität werden in den nächsten Jahren definitiv noch wichtiger werden.
Und welches Thema ist aktuell speziell für Schleswig-Holstein besonders relevant?
Lutz Frank:
Aktuell steht natürlich der 80. Geburtstag des Landes Schleswig-Holstein im Fokus. Wir als DEHOGA versuchen gerade, möglichst viele Betriebe dafür zu gewinnen, im August einen „Landesteller“ anzubieten. Von jedem Teller geht dann ein kleiner Betrag an die Stiftung „RSH hilft helfen“.