Tipps und Empfehlungen

Energie sparen schafft Handlungsspielraum

Die Preisexplosion bei Strom, Gas, Öl, Kohle & Co. trifft fast jedes Unternehmen empfindlich. Zudem ist – auch wenn sich Deutschlands Gasspeicher zurzeit wieder füllen – die mittelfristige Energieversorgung der deutschen Wirtschaft nicht gesichert. Spätestens zu Beginn der Heizperiode im Herbst/Winter 2022 wird es nicht nur auf jede zusätzlich produzierte Kilowattstunde Energie ankommen. Auch jede eingesparte Kilowattstunde trägt dazu bei, die Versorgungssicherheit der regionalen Wirtschaft länger zu gewährleisten.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat deshalb am 10. Juni 2022 gemeinsam mit Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft eine Energiesparkampagne gestartet, die Unternehmen, Gewerbetreibende und Verbraucherinnen und Verbraucher mit praxisnahen Tipps ermutigen soll, selbst den Energieverbrauch zu reduzieren.
Die IHK Schleswig-Holstein, über ihren Dachverband DIHK an der Kampagne beteiligt, unterstützt das Energiesparen in ihrem Wirkungsbereich mit einer eigenen Initiative. Dazu hat sie auf Anregung des Energieausschusses der IHK Flensburg bereits im Vorfeld der Kampagne Empfehlungen erarbeitet und stellt mit diesem Katalog einige Maßnahmen vor. Der Katalog versteht sich als wachsende Ideensammlung, die jederzeit mit Anregungen zum freiwilligen Einsparen von Energie in den Betrieben und ihrem Umfeld ergänzt werden kann.

Vorschriften über kurz- und mittelfristige Energiesparmaßnahmen

Die Bundesregierung hat Ende August 2022 kurzfristige Energiesparmaßnahmen beschlossen. Seit dem 1. September 2022 gelten für Unternehmen eine Reihe von Vorschriften. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat diese auf einer Infoseite zusammengefasst.
Ab dem 1. Oktober 2022 sind Unternehmen (die kleinste rechtlich selbstständige Einheit) mit einem Gesamtenergieverbrauch von über zehn GWh/a (Durchschnitt der letzten drei Jahre) verpflichtet, mittelfristig wirtschaftlich durchführbare Maßnahmen aus dem letzten Energieaudit beziehungsweise aus dem Energiemanagementsystem DIN EN ISO 50001 und/ oder aus dem Umweltmanagementsystemen nach EMAS innerhalb von 18 Monaten umzusetzen.
Maßnahmen gelten als wirtschaftlich durchführbar, wenn innerhalb von 20 Prozent der maximalen Nutzungsdauer von 15 Jahren ein positiver Kapitalwert vorliegt. Die Prüfung der wirtschaftlichen Durchführbarkeit hat anhand der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nach der DIN EN 17463 (VALERI) zu erfolgen. Durch diese Vorgabe in der Verordnung kann es notwendig werden, die verwendeten Parameter aller Maßnahmen des letzten Energieaudits rückwirkend nach DIN EN 17463 "VALERI" neu zu bewerten.
Die Prüfung und Bestätigung der Umsetzung und auch der nicht Umsetzung der Maßnahmen hat durch Energieauditoren (nach dem EDL-G), ISO 50.001 Zertifizierer oder EMAS- Umweltgutachter zu erfolgen.
Es besteht keine Nachweispflicht gegenüber dem BAFA. Die Prüfung der relevanten Maßnahmen kann in den aktuellen Energieaudits erfolgen und im Energieauditbericht vermerkt werden.

Mobilität

Kraftstoffeinsparung durch
  • Homeoffice-Angebote und Online-Meetings, wo es darstellbar ist,
  • Reifendruck prüfen, Kofferraum leeren, Dachgepäckträger vermeiden, Nutzung eines Tempomaten zum Reduzieren von Brems- und Beschleunigungsvorgängen,
  • freiwillige Reduzierung der Geschwindigkeit auf Autobahnen,
  • Nutzung von Carsharing bzw. Organisation von Fahrgemeinschaften und
  • Arbeitgeberangebote für Jobtickets und ähnliches

Wärme

  • Hydraulischer Abgleich in Heizungssystemen durchführen. Dadurch wird die Wärmeverteilung optimiert, so dass mit möglichst wenig Energieeinsatz das Maximum an Heizleistung erzielt werden kann.
  • Abwärme aus prozessgebundenen Anwendungen wie etwa Abgase, Trocknungsprozesse, Kühlwasser, Waschprozesse, Gussprozesse oder auch aus Querschnittsverwendungen wie Druckluft-Kompressoren, Verbrennungsanlagen, Abwasser, Kälteanlagen und Raumlufttechnik (RLT) nutzen.
  • Wärmerückgewinnung installieren: RLT-Anlagen saugen verbrauchte Luft ab und führen die gefilterte Frischluft von außen zu. Sie dienen der Lüftung und/oder der Klimatisierung von Räumen und Verbesserung der Luftqualität. Durch eine integrierte Wärmerückgewinnung können bis zu 95 Prozent der Wärme aus der Abluft wieder zum Heizen von Büroräumen genutzt werden. 
  • Gebäudehülle mit einer Wärmebildkamera prüfen und Zonen mit schlechterer Wärmedämmung aufdecken sowie Austausch der Fenster prüfen.
  • Räume mit unterschiedlichem Temperaturniveau physisch (etwa mit Rolltoren) trennen und Windzug vermeiden.
  • Prüfen, ob eine Reduktion der Raumwärme um ein Grad Celsius möglich wäre. Dies ergibt eine Verbrauchsreduktion um etwa sechs Prozent.

Strom

  • Licht nur anschalten, wenn es gebraucht wird, etwa über Installation von Bewegungsmeldern in Räumen wie Umkleideräume, Treppenhäuser, Kopierräume, Toiletten, Tiefgaragen et cetera
  • Bei zeitweise genutzten Geräten (Bildschirme, Netzteile et cetera) den Standby-Modus vermeiden und diese mit schaltbaren Steckerleisten oder Zeitschaltuhren vom Stromnetz trennen.
  • Prüfen, ob alte Stromfresser gegen Neugeräte getauscht werden sollten (Kühlschränke et cetera).
  • Leuchtstoffröhren gegen LED-Leuchten austauschen.
  • Energiebedarf von Pumpen wird auf bis zu 20 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs geschätzt, deshalb ist der Ersatz alter durch effizientere Pumpen sinnvoll. Dynamische Anpassung der Pumpenleistung an den Bedarf prüfen und damit den Dauerstrombedarf reduzieren.
  • Bei Kühlung durch Verdampfungs- und Kondensationstemperatur den Energieverbrauch optimieren, Kältemittel auf Gegebenheiten anpassen und Wärmerückgewinnung anbringen.
  • In Handwerk, Industrie und Gewerbe sind oft alte, meist viel zu groß dimensionierte Motoren in der Anwendung. Eine Neubeschaffung von effizienten elektrischen Motoren spart Energie ein. Es sollte darauf geachtet werden, dass elektrische Antriebe bei effizienter Drehzahl betrieben werden. Hiermit können bis zu 80 Prozent der Energie eingespart werden.
  • Leckagen in Druckluftsystemen beseitigen: In der Industrie liegt der Anteil an Leckagen zwischen 20 und 40 Prozent, wobei fünf Prozent oder weniger angestrebt werden sollen. Dafür defekte Schläuchen, Kupplungen und Zylindern austauschen, Druckluftbedarf analysieren und ggf. anpassen, in der Instandsetzung Schnellsteckverbindungen verbannen und für eine nachhaltige Reparatur nur Schnellverschraubungen einsetzen.  

Kälteerzeugung

  • Effiziente Kältekompressoren, Wärmeüberträger mit hohem Wirkungsgrad, Wärmerückgewinnung an Kälteanlagen und Hocheffizienzmotoren für Ventilatoren einsetzen. Wichtig im Verteilernetz ist die Wärmedämmung des Kältenetzes. Auf der Verbraucherseite ist darauf zu achten, dass es zu einer Verbesserung der Wärmedämmung kommt, und dass interne Wärmequellen und Wärmeeinstrahlung minimiert werden. Kälteerzeugung sollte bedarfsbezogen gesteuert werden.    

Organisatorisches

  • Bei allen Systemen und Anwendungen – seien es Pumpen, elektrische Motoren, Wärmetauscher, oder Kompressoren - gilt: Eine regelmäßige Wartung der Anlagen ist wichtig und spart Energie. So können bspw. Pumpen bei schlechter Wartung bis zu 15 Prozent an Wirkungsgrad verlieren.
  • Die Anschaffung effizienter Anlagen rentiert sich bei steigenden Energiepreisen schnell. Statt der Anschaffungskosten sollten die Betriebskosten als Basis für eine Investitionsentscheidung herangezogen werden.
  • Energiemanagementsystems zur Aufdeckung möglicher „Energiefresser“ einsetzen.
  • Freiwilliges Energieaudit durchführen, da besonders beim ersten Audit hohes und schnelles Einspar-Potential identifiziert wird.
  • Nur wer seine Energieverbräuche kennt, kann diese auch managen. Mit Sensoren sowie Analog-Digital-Wandlern sollten die Verbräuche gemessen und erfasst werden. Der Einsatz von Softwarelösungen kann ein Energiemanagementsystem unterstützen.
  • IHK-Energie-Scouts ausbilden
  • Mitarbeiter schulen und zum Thema energieeffizientes Verhalten unterweisen.

Weitere Infos

Nutzen Sie die Webinare der IHK Schleswig-Holstein:  Webinar-Mediathek Energie