Rheinhessens Wirtschaft zwischen Aufschwung und Unsicherheit
IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026: Stimmung hellt sich auf - Strukturprobleme bremsen weiterhin
20. Oktober 2026 – Die rheinhessische Wirtschaft startet mit Lichtblicken in den Herbst – die Stimmung bei den Unternehmen der Region hat sich verbessert. Der Konjunkturklimaindex der IHK für Rheinhessen – ein Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung – steigt gegenüber dem Frühsommer um 17 auf 98 Punkte. Damit wird die Wachstumsschwelle von 100 Punkten erstmals seit Frühjahr 2025 fast wieder erreicht. Von einem breit getragenen Aufschwung kann dennoch keine Rede sein: Vor allem hohe Energiepreise, Arbeitskosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen belasten die Unternehmen weiterhin und trüben den Blick in die Zukunft.
„Die Richtung stimmt wieder – aber für einen echten Aufschwung müssen jetzt weitere wichtige Schritte schnell folgen“, sagt IHK-Präsident Dr. Marcus Walden. „Auch wenn die Unternehmen ihre derzeitige Lage wieder etwas optimistischer bewerten zeigen die Ergebnisse sehr deutlich, was den Standort weiterhin ausbremst: hohe Kosten und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Investitionen und Wachstum hemmen.“
Geschäftslage verbessert sich - Erwartungen bleiben pessimistisch
Während im Frühjahr bei den Unternehmen in Rheinhessen noch die negativen Lageeinschätzungen überwogen, wird die aktuelle Geschäftslage jetzt neutral bewertet: 30 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut, 42 Prozent als befriedigend und 28 Prozent als schlecht. Die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate hellen sich ebenfalls auf, bleiben insgesamt aber pessimistisch: 18 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit besseren Geschäften, 57 Prozent mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 25 Prozent mit einer Verschlechterung. Im Frühjahr hatten noch 39 Prozent mit schlechteren Geschäften gerechnet. „Jetzt kommt es darauf an, die konjunkturelle Aufhellung in ein nachhaltiges Wachstum zu überführen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede. „Dafür brauchen die Betriebe vor allem verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Es fehlt nicht an Reformankündigungen, sondern an deren Umsetzung. Hier stehen Bund und Land gleichermaßen in der Pflicht.“
Standortfaktoren bleiben größte Wachstumsbremse
Die strukturellen Herausforderungen bleiben weiterhin groß. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 65 Prozent der Unternehmen als größtes Geschäftsrisiko genannt. Es folgen die Rohstoff- und Energiepreise (64 Prozent) und die Arbeitskosten (53 Prozent). Auch die schwache Inlandsnachfrage bleibt für 51 Prozent ein Risiko. Entsprechend zurückhaltend sind die Unternehmen bei ihren Zukunftsplanungen. Speziell in der exportierenden Industrie werden diese Belastungen zunehmend zum Standortnachteil, da sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen. 21 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen erhöhen, 47 Prozent das Niveau halten und 32 Prozent weniger investieren. Zum Jahresbeginn hatten nur 29 Prozent sinkende Investitionsausgaben angekündigt. Nur noch gut jedes siebte Unternehmen will in Kapazitätserweiterungen investieren. Vor zweieinhalb Jahren war es noch ein Viertel. Bei der Beschäftigung rechnen 15 Prozent mit einem Personalaufbau, 63 Prozent mit einer stabilen Beschäftigung und 22 Prozent mit einem Rückgang.
Industrie und Dienstleistungsbranche erholen sich
In der Industrie steigt das Geschäftsklima deutlich auf 104 Punkte und damit wieder über die Wachstumsschwelle. 34 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, 29 Prozent als schlecht.
Bei einer Exportquote von 49 Prozent bei rheinhessischen Industriebetrieben ist der Blick ins Ausland entscheidend: 32 Prozent melden zuletzt steigende Auslandsaufträge, 25 Prozent rückläufige. Auch die Exporterwartungen hellen sich auf: 32 Prozent rechnen mit steigenden, 55 Prozent mit stabilen und nur 13 Prozent mit sinkenden Exporten.
Auch die Dienstleistungswirtschaft liegt mit 102 Punkten wieder über die Wachstumsschwelle. Damit hat sie sich von ihrem Tief im Frühsommer deutlich erholt, als der Klimaindex auf den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie gefallen war. Ihre aktuelle Lage bewerten 32 Prozent der Dienstleistungsbetriebe als gut, 23 Prozent als schlecht. 20 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten bessere Geschäfte, 25 Prozent eine Verschlechterung.
Handel bleibt unter Druck
Im Handel bleibt die Situation dagegen angespannt, obwohl sich der Klimaindex von 66 auf 80 Punkte verbessert. Nur 20 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 38 Prozent als schlecht. Für die kommenden zwölf Monate erwarten lediglich 11 Prozent eine Verbesserung, 33 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Besonders die Arbeitskosten und die schwache Inlandsnachfrage belasten die Branche.
Im Rahmen der repräsentativen IHK-Konjunkturumfrage zum Herbst 2026 wurden insgesamt 701 Unternehmen aller Größen und Branchen in Rheinhessen befragt.
Der vollständige Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rheinhessen/konjunktur
Der vollständige Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rheinhessen/konjunktur