Wohnraummangel wird zum Standortfaktor für Unternehmen

IHK für Rheinhessen bringt Wirtschaft, Politik und Wohnungswirtschaft beim Rheinhessenforum für Beschäftigtenwohnen zusammen
2. September 2026 – Bezahlbarer Wohnraum wird für Unternehmen zunehmend zu einer Standortfrage. Besonders bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften und Auszubildenden kann fehlender Wohnraum zum Hemmnis werden. Beim Rheinhessenforum für Beschäftigtenwohnen in der IHK für Rheinhessen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft, welche Lösungen vor Ort möglich sind.
„Bezahlbarer Wohnraum ist mehr als eine private Frage. Er entscheidet mit, ob Auszubildende, Fachkräfte und Betriebe zusammenfinden“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede in ihrer Begrüßung. Eingeladen hatte die IHK für Rheinhessen im Rahmen der bundesweiten Initiative „Zukunft Beschäftigtenwohnen“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) Service GmbH und des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Dass der Handlungsdruck groß ist, zeigt auch die Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer 2026. Demnach sehen fast zwei Drittel der befragten Betriebe akuten Handlungsbedarf beim bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende. Auch in Rheinhessen ist der Druck längst angekommen: Mehr als die Hälfte der Betriebe berichtet, dass fehlender bezahlbarer Wohnraum die Suche nach Auszubildenden erschwert.
Impulse aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Unternehmenspraxis machten deutlich, wie vielschichtig die Herausforderung ist. Den fachlichen Rahmen setzte Dr. Philipp Deschermeier vom Institut der deutschen Wirtschaft mit einem Blick auf die aktuellen Entwicklungen am Wohnungsmarkt. Matthias Berger vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft ordnete die Lage aus Sicht der Branche ein. Wie Beschäftigtenwohnen in der Praxis funktionieren kann, zeigte Alexandra Stammer von der Berlinovo Immobiliengesellschaft.
Welche Lösungen vor Ort tragfähig sind, diskutierten im Anschluss Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Land, Kommune und Wirtschaft. Auf dem Podium waren Vanessa Fischer, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur, Ludwig Holle, Baudezernent der Landeshauptstadt Mainz, IHK-Vizepräsident Tim Gemünden, zugleich Geschäftsführer der Bauunternehmung Karl Gemünden GmbH & Co. KG, sowie Peggy Richter, Leiterin des Referats Sozialer Wohnungsbau und Wohnungsgenossenschaften im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Im Mittelpunkt standen Modelle, die zu Standort, Unternehmensgröße und Bedarf passen – von Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft über die Umnutzung bestehender Immobilien bis hin zu unterschiedlichen Mietmodellen.
Für die IHK für Rheinhessen ist das Thema Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung mit der Frage, wie Wirtschaft und Wohnen stärker zusammengedacht werden können. Bereits im April hatte die IHK gemeinsam mit der Beratung Regiokontext in einem Webinar über aktuelle Entwicklungen und mögliche Lösungsansätze informiert. Das Rheinhessenforum knüpfte daran an und weitete den Austausch auf weitere Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft aus. Zugleich ist die Veranstaltung Teil einer bundesweiten Initiative: Das Bundesministerium und die DIHK Service GmbH haben das Thema Beschäftigtenwohnen bereits in mehr als 40 Industrie- und Handelskammern aufgegriffen.