Nr. 5883650

Produktionsansiedlung

Die Ukraine durchlebt derzeit die schwerste Phase seit der Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991. Die russische Militäraggression gefährdet die Existenz des Landes und bringt Millionen von Menschen an den Rand der physischen Vernichtung oder Vertreibung. Die zerbrechliche Erholung nach der Pandemie wurde durch die russische Militärinvasion in der Ukraine im Februar 2022 zunichte gemacht.
Nach dem die ukrainische Wirtschaft im Jahr 2022 um 30% geschrumpft ist, gab es 2023 ein Wachstum von knapp 6%; für 2024 schätzt die Ukrainische Nationalbank (NBU) ein Wachstum von 3,6%. Nach dem die Arbeitslosenquote in 2022 auf über 20% gestiegen ist, ist derzeit ein leichter Rückgang zu beobachten und für 2024 rechnet die NBU mit einer Arbeitslosenquote von etwa 16%.
Die NBU geht davon aus, dass die ukrainische Wirtschaft nach dem Ende der aktiven Phase der Feindseligkeiten zu einem nachhaltigen Wachstum von etwa 5% zurückkehren wird. Unterstützt wird dies durch eine allmähliche Zunahme der Inlandsnachfrage, einschließlich der Rückkehr von Ukrainern aus dem Ausland, der Wiederaufnahme von Unternehmenstätigkeit in den befreiten Gebieten, der vollständigen Wiederherstellung der Arbeit in den Schwarzmeerhäfen und der Steigerung der Ernteerträge. Eine beschleunigte EU-Integration und Wiederaufbauprojekte in der Ukraine, die von der ukrainischen Nationalbank in ihren Prognosen noch nicht berücksichtigt werden, könnten die Nachkriegserholung der Ukraine erheblich beschleunigen.
Die derzeitige Situation kann daher für Investoren sehr interessant sein, um in den Markt einzusteigen oder einen Einstieg vorzubereiten.
Dabei kann die Ukraine auch von globalen Tendenzen profitieren. Seit einigen Jahren treten Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen immer deutlicher zu Tage. Auch die Pandemie hat neue Herausforderungen für Unternehmen in ihren internationalen Lieferketten geschaffen. Immer mehr Unternehmen arbeiten daran, ihre Lieferketten robuster zu gestalten. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, die Produktion näher an den Absatzmarkt heranzuführen, auch geografisch. Auch das "Made in Europe"-Label ist bei Verbrauchern bereits ein positives Merkmal, selbst wenn viele Verbraucher jetzt schon auf regionale oder sogar lokale Produktion setzen, insbesondere bei Lebensmitteln. Und auch wenn die Verbraucher zunehmend bereit sind, für regionale oder lokale Produktion einen Aufpreis zu zahlen, gibt es "Schmerzgrenzen". Nicht jedes Produkt ist für eine regionale Produktion geeignet. Gerade im Bereich der arbeitsintensiven Produktion mit geringer Automatisierung steht die Ukraine als Produktionsstandort deshalb im Rampenlicht.
In der Vergangenheit haben sich viele produzierende Unternehmen, insbesondere im Automobil- und Textilsektor, für die Ukraine entschieden. Diese Unternehmen nutzen die geographische Nähe zu Märkten und Kunden in Westeuropa, die relativ niedrigen Löhne und das gute Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte in der Ukraine. Die Ukraine bietet einen sicheren Rechtsrahmen für Investitionen und die klare Ausrichtung an den Standards der Europäischen Union. Die Gewinnbesteuerung in der Ukraine kann als niedrig angesehen werden. Und seit einiger Zeit gibt es auch steuerliche und andere Investitionsanreize.
Im Folgenden werden wesentliche Bereiche der Investitionsbedingungen näher beleuchtet.