Erbschaftsteuer: DIHK fordert Substanzschutz
Unternehmensnachfolge ist im Mittelstand mehr als privat: Sie sichert Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Rechtliche und politische Unsicherheit verunsichert viele Familienunternehmen. Als IHK setzen wir uns dafür ein, dass der Fiskus Ihr Lebenswerk nicht gefährdet.
Warum steht die Erbschaftsteuer aktuell im Fokus der Politik?
Die Erbschaftsteuer ist eine reine Ländersteuer, deren Einnahmen direkt den Bundesländern zufließen. Für Baden-Württemberg ist sie eine relevante Einnahmequelle: Im Jahr 2024 erzielte das Land mit 1,1 Milliarden Euro Einnahmen aus dieser Steuer. Gemessen am gesamten Steueraufkommen aller staatlichen Ebenen beträgt ihr Anteil jedoch lediglich etwa 1,5 Prozent.
Das Bundesverfassungsgericht prüft erneut, ob die steuerlichen Begünstigungen für Betriebsvermögen – die sogenannten Verschonungsregeln – mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Eine Entscheidung wird für das Jahr 2026 erwartet. Bereits jetzt diskutiert die Politik über Reformmodelle, die den Fortbestand vieler Betriebe gefährden könnten.
Wie positioniert sich die IHK-Organisation zur Erbschaftsteuer?
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt eindringlich vor einer Verschärfung der Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen. Angesichts hunderttausender anstehender Unternehmensnachfolgen könnten zusätzliche Belastungen Investitionen bremsen und die wirtschaftliche Stabilität gefährden. Die zentrale Botschaft lautet: Verschonung sichert Arbeitsplätze.
Eine stärkere Besteuerung von Betriebsvermögen käme einer Substanzbesteuerung gleich. Da Unternehmensvermögen häufig in Maschinen, Immobilien oder Anlagen gebunden ist, müssten Betriebe zur Steuerzahlung Vermögenswerte veräußern oder Kredite aufnehmen. Die Verschonungsregeln sind daher keine Subvention, sondern Voraussetzung für den Erhalt der familien- und eigentümergeführten Unternehmensstruktur in Deutschland.
Pauschale Modelle wie eine sogenannte “Flat Tax” lehnt die DIHK ab, da sie insbesondere kleine und mittlere Unternehmen überproportional belasten würden.
Lesen Sie mehr zur DIHK-Position ”Erbschaftsteuer: Verschonung des Betriebsvermögens als Basis für Wachstum, Beschäftigung und Erhalt von Arbeitsplätzen".
Welche Kernforderungen stellt die IHK-Organisation zur Erbschaftsteuer?
- Substanzbesteuerung vermeiden: Die Erbschaftsteuer darf Unternehmen nicht zur Aufgabe von Vermögen oder Arbeitsplätzen zwingen.
- Rechtssicherheit und Planbarkeit schaffen: Betriebe brauchen verlässliche Regeln für langfristige Nachfolgeentscheidungen.
- Bürokratie abbauen: Ziel ist eine einfache und praxistaugliche Ausgestaltung der Regelungen.
- Bewertung realitätsnah vornehmen: Steuerwerte müssen sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientieren.
- Freibeträge überprüfen: Gestiegene Unternehmens- und Immobilienwerte müssen berücksichtigt werden.
- Verschonungsregeln erhalten: Sie sind zentral für den Fortbestand von Unternehmen über Generationen hinweg.
Wie können sich Unternehmen trotz Unsicherheit auf die Nachfolge vorbereiten?
Jeder 11. bis 14. Betrieb in Baden-Württemberg wird innerhalb weniger Jahre eine Nachfolge brauchen. Ein frühzeitiges Handeln ist entscheidend.
- Frühzeitig planen: Ein Generationswechsel dauert oft Jahre. Die IHK empfiehlt, den Prozess drei bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe zu starten.
- Verschonungsregeln prüfen: Derzeit können Betriebe unter 26 Millionen Euro Wert bei Fortführung zu 85 Prozent oder 100 Prozent steuerfrei übergeben werden. Voraussetzung ist meist der Erhalt der Lohnsumme über fünf bis sieben Jahre.
- Notfallvorsorge treffen: Dokumente und Vollmachten müssen bereitliegen, um die Handlungsfähigkeit des Unternehmens auch bei plötzlichen Ereignissen sicherzustellen.
- Beratungsangebote nutzen: Die IHK bietet Nachfolgeberatungen und Matching-Plattformen wie nexxt-change an, um Nachfolger und Übergeber zusammenzubringen.
Fazit
Unternehmensnachfolge ist kein privates Randthema, sondern von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung. Eine Erbschaftsteuer, die Unternehmen in ihrer Substanz gefährdet, schadet dem Mittelstand, den Ländern und dem gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.
Wir setzen uns politisch für faire Rahmenbedingungen und den Abbau bürokratischer Hürden ein. Eine Reform darf nicht dazu führen, dass die Liquidität aus den Betrieben abgezogen wird, die eigentlich für Investitionen in die Zukunft und die Sicherung von Arbeitsplätzen benötigt wird.
Deshalb ist es umso wichtiger, dass Betriebe ihre Nachfolge frühzeitig planen. Eine rechtzeitige Vorbereitung schafft Klarheit, erhält unternehmerische Substanz und stärkt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Die IHK unterstützt dabei neutral und praxisnah – von der ersten Orientierung bis zur konkreten Übergabe. Wer früh handelt, schützt sein Lebenswerk und sichert Arbeitsplätze.
