IHK Magazin
Nr. 7152826
3 min Lesezeit
06 | 2026

Innenstadtberatung in Weinheim: Für eine blühende Zweiburgenstadt

In Weinheim arbeiten Handel, Gastronomie und Stadtmarketing eng zusammen. Impulse dafür gibt es von den IHK-Innenstadtberatern.
Wenn Andrés Salazar morgens über den Weinheimer Marktplatz in sein Café Florian läuft, gibt es kaum jemanden, den der Gastronom nicht kennt und grüßt. Er wechselt ein paar Worte mit benachbarten Händlern, Inhabern anderer Lokale oder langjährigen Stammgästen. Seit 40 Jahren betreibt Salazar gemeinsam mit seinem Bruder Juan das traditionsreiche Café Florian. “Das eine funktioniert nicht ohne das andere”, sagt Salazar und meint damit Handel und Gastronomie.
Für den Gastronom ist genau diese Zusammenarbeit einer der wichtigsten Gründe, warum die Weinheimer Innenstadt derzeit so gut aufgestellt ist. Das bestätigt IHK-Innenstadtberater Timo Cyriax: “Das Mittelzentrum profitiert von seiner historischen Altstadt und zahlreichen touristischen Angeboten sowie einer ungewöhnlich hohen Zahl inhabergeführter Geschäfte.”
Und das zeigt auch die diesjährige IHK-Kaufkraftanalyse: 37.016 Euro je Einwohner stehen den Weinheimern bei der Kaufkraft zur Verfügung. Die Bindungsquote liegt aktuell bei 97 Prozent und damit leicht über dem Wert von 2025. Rechnerisch fließt die in Weinheim vorhandene Kaufkraft damit nahezu vollständig in den örtlichen Einzelhandel zurück.
Gleichzeitig zieht Weinheim mit einer Zentralitätskennziffer von 111 auch Kaufkraft aus dem Umland an: Trotz starker Konkurrenz durch benachbarte Einkaufsstandorte wie das Rhein-Neckar-Zentrum sowie die Oberzentren Mannheim und Heidelberg kann sich Weinheim damit als Handelsstandort behaupten.
Bei allen positiven Zahlen: Auch Weinheim steht vor Herausforderungen in der Innenstadtentwicklung – verändertes Kaufverhalten, Online-Handel und der Wettbewerb um Besucher und Kaufkraft. Cyriax und seine IHK-Kollegen geben seit 2022 Empfehlungen, wie die Stadt darauf reagieren kann. Im Fokus dabei: die Stärkung des Stadtmarketings, die bessere Vernetzung der Innenstadtakteure und die Weiterentwicklung eines lokalen Gutscheinsystems.
Die Stadt griff eine Idee 2024 auf: Mit Eva Wohlgemuth wurde eine Innenstadtmanagerin eingestellt. Die Marketingexpertin versteht sich als Schnittstelle zwischen Handel, Gastronomie und Verwaltung. “Die IHK-Innenstadtberatung hat wichtige Prozesse angestoßen”, sagt sie. Ein Arbeitskreis Innenstadt wurde gegründet, Newsletter eingeführt und die Kommunikation zwischen den Beteiligten deutlich intensiviert.
Besonders sichtbar wird die Zusammenarbeit innerhalb der Weinheimer Wirtschaft beim Zweiburgen-Gutschein. Das Angebot startete 2023 und kann inzwischen bei 55 Betrieben aus Handel, Gastronomie und dem Dienstleistungsbereich eingelöst werden. Aktuell befinden sich rund 120.000 Euro an Gutscheinvermögen im Umlauf. Für Christian Mayer, Inhaber von Blumen Mayer, eines der erfolgreichsten Projekte der vergangenen Jahre. “Die Kaufkraft bleibt so vor Ort”, sagt das Vorstandsmitglied des Vereins “Lebendiges Weinheim”.
Die Zahlen geben Mayer Recht: Im Jahr 2025 stiegen die Einlösungen gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent, die Aufladungen sogar um 30 Prozent. Inzwischen nutzen auch immer mehr Arbeitgeber den Gutschein als steuerfreien Sachbezug für ihre Mitarbeiter.
Andrés Salazar, Inhaber des Café Florian:
Wir verfolgen alle dieselben Ziele.
Mayer führt sein Blumengeschäft in vierter Generation. Für ihn ist klar, dass attraktive Innenstädte nur als Gemeinschaftsprojekt funktionieren. “Wegen mir allein kommt niemand in die Stadt”, sagt der Unternehmer. Erst die Mischung aus Fachgeschäften, Gastronomie, Dienstleistungen und Veranstaltungen mache einen Innenstadtbesuch interessant.
Diese Sicht teilt auch Andrés Salazar. “Die Leute bummeln, essen etwas und kaufen danach vielleicht doch noch etwas ein”, beschreibt er die Wechselwirkungen. Gleichzeitig profitierten die Geschäfte von Gästen, die wegen der Gastronomie oder touristischer Angebote in die Stadt kommen.
Dass diese Zusammenarbeit in Weinheim funktioniert, zeigt sich auch organisatorisch. Nachdem die Interessengemeinschaft Marktplatz ihre Arbeit aufgrund steigender Anforderungen und Kosten kaum noch fortführen konnte, wurden Aufgaben gemeinsam mit der Stadt und dem Verein “Lebendiges Weinheim” neu organisiert.
Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt oder die Straßenfasnacht konnten dadurch erhalten werden. Salazar engagiert sich inzwischen selbst im Vorstand des Vereins. “Wir verfolgen alle dieselben Ziele”, sagt er. Und die versucht man in Weinheim auch gemeinsam umzusetzen.
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