Wo wir gemeinsam stehen

Die Note 2,5 – diese Bewertung hat die durchschnittliche Standortqualität im IHK-Bezirk erhalten. „Wenn unsere Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen dem Standort Oberpfalz-Kelheim eine 2,5 geben, dann geht da noch mehr“, betont IHK-Präsident Christian Volkmer. Grundsätzlich gelte: Je attraktiver ein Standort, desto erfolgreicher seien die Unternehmen. „Ein wirtschaftsfreundliches Umfeld und passende Rahmenbedingungen verstärken die Bindung zum Wirtschaftsraum und schaffen Planungssicherheit für die Betriebe“, betont Volkmer. Die Region punkte schon durch viele weiche Standortvorteile, wie beispielsweise der Umwelt- und Lebensqualität, aber auch durch Infrastruktur.
„Wenn unsere Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen dem Standort Oberpfalz- Kelheim eine 2,5 geben, dann geht da noch mehr.“
Vor allem der Standortfaktor „Loyalität und Motivation der Mitarbeiter“ sticht in der aktuellen Standortumfrage positiv hervor. So sagen 80 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer, dass sie mit ihren Mitarbeitenden in diesem Punkt sehr zufrieden beziehungsweise zufrieden sind. Gleichzeitig beklagen die Firmen die fehlende Verfügbarkeit von Fachkräften und Auszubildenden. Die Herausforderung sei vor allem das Matching: die Qualifikationen freier Arbeitskräfte passten zunehmend nicht mit den Stellenanforderungen zusammen.
„Das ist eine Begleiterscheinung der digitalen Transformation, des Strukturwandels sowie des demografischen Wandels“, erklärt Volkmer. „Frei werdende Industriearbeiter können zum Beispiel nicht ohne weitere Qualifizierung in anderen Bereichen eingesetzt werden.“ Die Auswertungen zeigen auch deutliche Unterschiede in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Beispielsweise bewerten die unternehmensnahen Dienstleister von allen Branchen die Kooperationsmöglichkeiten mit regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen am wichtigsten. Die Industrie bemängelt die schlechte ÖPNV-Anbindung in Gewerbegebieten am meisten.

Handlungsbedarf ermitteln

Während das Thema Personal trotz teilweise eingeschränkter Verfügbarkeit im Wesentlichen als Standortvorteil eingestuft wird, ist das Bild bei der digitalen Infrastruktur – einem weiteren großen Punkt der 42 abgefragten Aspekte – differenzierter. Im Vergleich zur Vorumfrage im Jahr 2020 fällt auf, dass die Firmen Mobilfunk und Breitband in der Region zwar immer noch unterdurchschnittlich benoten und als Standortnachteil einstufen, aber dennoch eine Verbesserung wahrnehmen.
„Die Ergebnisse sind eine fundierte Grundlage für den Austausch und die Diskussion mit politischen Entscheidungsträgern.“
„Daraus leiten wir ab, dass weiterhin deutlicher Handlungsbedarf besteht“, erläutert Bereichsleiterin Sibylle Aumer, die seitens der IHK für die Umfrage verantwortlich ist. Diesen Bedarf adressiert die IHK an die Politik, insbesondere im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahl 2026. „Die Ergebnisse sind eine fundierte Grundlage für den Austausch und die Diskussion mit politischen Entscheidungsträgern“, erklärt Aumer. „Um zu erörtern, was die Wirtschaft vor Ort braucht, muss man aber einen genauen Blick auf die einzelnen Standorte werfen.“ Innerhalb des IHKBezirks seien die Bedarfe in den Regionen und Landkreisen oft unterschiedlich, weshalb eigene Auswertungen für die sieben Gremiumsbezirke Amberg-Sulzbach, Cham, Kelheim, Neumarkt, Nordoberpfalz, Regensburg und Schwandorf erstellt wurden.

Spurbarer Aufschwung nötig

„Nicht alles können wir aus der Region lösen, aber als IHK haben wir den Auftrag, den Finger in die Wunde zu legen sowie Politik und Verwaltung zu sensibilisieren. Aus der Industrie erreichen uns zum Beispiel immer mehr Nachrichten, dass Neuinvestitionen verstärkt im Ausland getätigt werden“, berichtet Volkmer. Zu hohe Energiepreise und Arbeitskosten sowie fehlende passende Gewerbeflächen beschleunigten diesen Trend. Die regionale Wirtschaft habe sich seit der Pandemie nicht mehr richtig erholt. „In den letzten Monaten steckten wir in einer Rezession – für einen spürbaren Aufschwung brauchen wir jetzt dringend bessere Standortbedingungen“, so der IHK-Präsident. Dazu zählen mit Blick auf die Ergebnisse der Umfrage mehr digitale Verwaltungsverfahren, kürzere Genehmigungsverfahren, ein sinkender Strompreis sowie eine bessere Verfügbarkeit von Fach- und Nachwuchskräften.

Austausch mit der Politik

„Gerade mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl werden auch die Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Ehrenamt gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der IHK das Gespräch mit Kandidaten und Neugewählten in den Regionen suchen“, so der IHK-Präsident. Ziel sei es, die Forderungen und Belange der Firmen zu adressieren und einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort mitzugestalten. Über die Dachverbände – den Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin – sei man gut aufgestellt, um Themen auch überregional zu platzieren. „Wichtig ist, einen klaren Fokus zu behalten“, betont Volkmer. „Die Standortumfrage bildet hierfür eine gute Basis zum Austausch.“

Rahmenbedingungen weiterentwickeln

Standortfaktoren, die eine hohe Bedeutung für die Unternehmen haben und gleichzeitig gut benotet wurden, bilden dabei die Stärken einer Region. „Der größte Handlungsbedarf herrscht aber bei den Standortfaktoren und -kategorien, die eine hohe Bedeutung für die Firmen haben, aber schlecht beurteilt wurden“, erläutert IHK-Expertin Aumer. Mit Blick auf die durchschnittliche Gesamtnote von 2,5 stelle man im Vergleich zur Vorumfrage aus 2020 (Note 2,3) zwar eine leichtere Verschlechterung der Standortqualität in der Wahrnehmung der Unternehmen fest. Allerdings sei dies nur bedingt aussagekräftig, denn einige abgefragte Standortfaktoren wurden ausgetauscht beziehungsweise ergänzt, wie etwa die Punkte „Ausbau Stromnetz“, „Öffentliche E-Ladesäulen“, „Attraktivität der Innenstädte / Ortszentren“ oder „Digitale Verwaltungsverfahren“.
Zum Gesamtbild gehöre auch, dass 2020 noch mehr als die Hälfte der Befragten (56,5 Prozent) ihren Standort erweitern wollte – zuletzt waren dies nur noch 28,3 Prozent. „Welche Rolle dabei jeweils die Standortfaktoren als solche, der strukturelle Wandel und die schwächelnde Konjunktur spielen, lässt sich über die Umfrage aber nur eingeschränkt einschätzen“, betont Aumer. „Sicher ist dagegen, dass verbesserte Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen kann, immer für eine Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts sorgen.“
Top 5
Standortvorteile
  • Loyalität und Motivation der Mitarbeiter
  • Zuverlässigkeit Energieversorgung (Ausfälle)
  • Qualität Energieversorgung (Spannung)
  • Umwelt- und Lebensqualität
  • Erreichbarkeit des Unternehmens für Mitarbeitende und Kunden (Straße)
Top 5
Standortnachteile
  • Digitale Verwaltungsverfahren
  • Dauer von Genehmigungsverfahren
  • Strompreis
  • Verfügbarkeit beruflich Qualifizierter
  • Verfügbarkeit Auszubildende
Neben den Auswertungen für den gesamten IHK-Bezirk wurden bei den Regionalauswertungen der sieben IHK-Gremiumsbezirke Amberg-Sulzbach, Cham, Kelheim, Neumarkt, Nordoberpfalz, Regensburg und Schwandorf zusätzliche Vor-Ort-Themen integriert. Beleuchtet wurden hier zum Beispiel der Ausbau bestimmter Bundesstraßen oder die Bedeutung eines neuen Technologie-Campus für die jeweilige Region.
Alle Auswertungen und Ergebnisse der IHK-Standortumfrage (ab 29.12.2025)