General Manager Roundtable

Deutsche Investoren in Tschechien und die Situation in der Ukraine

Die russische Aggression in der Ukraine hat in Tschechien eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die gemeinsame Vergangenheit, viele familiäre Verbindungen und nicht zuletzt die geschätzt 200.000 Arbeitskräfte aus der Ukraine schaffen eine besondere Verbundenheit und Betroffenheit. Beim Adhoc General Manager Roundtable des Regionalbüros Pilsen haben sich 21 Geschäftsführer bayerischer Unternehmen in der Region Pilsen online ausgetauscht. Die Berichte insbesondere der tschechischen Geschäftsführer waren zum Teil sehr emotional und berührend.
Viele Unternehmen in der Region Pilsen beschäftigen Menschen aus der Ukraine, zum Teil beträgt der Anteil bis zu 30 Prozent. Von den männlichen Beschäftigten hat etwa die Hälfte sogenannte Reservistenverträge unterschrieben, die zum Wehrdienst verpflichten. Allerdings sind bisher nur Einzelne in die Ukraine zurückgekehrt, der Großteil wartet die Entwicklung der Lage in den nächsten Tagen ab. Vor allem bei den weiblichen Beschäftigten überwiegen Verzweiflung und Angst um den Partner, die Familie oder Angehörige in der Heimat. Die Unternehmen signalisierten einen hohen Bedarf und ihr Engagement für medizinische sowie psychologische Unterstützung.
Die Unternehmen können die Verluste von Mitarbeitern bisher noch auffangen. Größere Personalausfälle wären aber angesichts des drastischen Fachkräftemangels nicht mehr zu kompensieren und würden verstärkt zu Einschränkungen bzw. Ausfällen in den Lieferketten führen.
Von Seiten der Unternehmen gibt es breite Unterstützung für die ukrainischen Mitarbeiter: Sonderurlaub für die Abholung von Angehörigen an der Grenze, Unterstützung bei der Unterbringung, Spenden von Bekleidung, Organisation von medizinischer und psychologischer Betreuung und vieles mehr. Die tschechische Regierung hat wichtige rechtliche Erleichterungen für die Einreise von Ukrainern geschaffen, die ab sofort nur mit Pass möglich ist. Die 3-Monats-Visa von Beschäftigten können auf zwei Jahre verlängert werden, was erheblich zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes beiträgt.   
Alle Firmen des Pilsner Roundtables haben angeboten, sich bei Hilfsmaßnahmen/-organisationen in der Region Pilsen aktiv und auch finanziell zu engagieren. Das Regionalbüro Pilsen gab eine kurze und abgestimmte Zusammenfassung der Ergebnisse des Roundtables an den Hauptmann der Region Pilsen und den Oberbürgermeister der Stadt Pilsen.