11. Mai 2026

IHK-Konjunkturbericht Frühsommer: Pfälzer Wirtschaft pessimistisch gestimmt

Ludwigshafen. Die Pfälzer Unternehmen rechnen aktuell nicht damit, dass sich ihre Geschäfte bald besser entwickeln. Fast 40% der Unternehmen gehen vielmehr von einem Geschäftsrückgang aus. Schuld an dieser Einschätzung ist auch der Krieg im Nahen Osten, der sich unter anderem auf die Preise und die Lieferketten auswirkt. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz.
„Damit sich die Stimmung in der Wirtschaft dreht, sind die versprochenen Reformen der Bundesregierung dringend notwendig“, appelliert Albrecht Hornbach, Präsident der IHK Pfalz. „Die Kabinettsbeschlüsse von Ende April sind ein erster Schritt Dringend folgen müssten eine Steuersenkung für Unternehmen, beschleunigte Verfahren sowie weniger Bürokratie.

Konjunkturklimaindex fällt

Nach einer minimalen Erholung zum Jahresbeginn fällt der Konjunkturklimaindex um 10 Punkte auf jetzt 79 Punkte. Ruth Scherer, Konjunkturexpertin der IHK Pfalz: „Am deutlichsten ist der Rückgang in der Industrie mit zwölf Punkten, der Handel liegt jetzt nur noch bei 65 Punkten.“ Mehr als 80% der Unternehmen sagen, dass die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise das größte Risiko darstellt. Mit weitem Abstand, aber noch bei 60% der Antworten genannt, folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Arbeitskosten. Scherer weiter: „Handelskonflikte, gestiegene Kosten, die strukturellen Nachteile am Standort Deutschland – das alles summiert sich und führt zur aktuellen Einschätzung der Unternehmen.“

Industrie

In der Industrie verschlechtert sich die Lage: Derzeit nennen 32% ihre Lage „schlecht“ (Jahresbeginn: 28%) und 17% dagegen „gut“ (Jahresbeginn: 18%). Auch die Erwartungen haben sich negativ entwickelt, denn 35% der Unternehmen rechnen mit schlechteren Geschäften, zu Jahresbeginn waren es noch 25%. Das Auslandsgeschäft wird voraussichtlich nichts beitragen, denn 40% der Industrieunternehmen gehen davon aus, dass die Exporte sinken werden (Jahresbeginn: 28%). Immerhin 22% der Betriebe planen zu investieren, allerdings reduzieren 38% ihre Budgets (Jahresbeginn: 31%). Ein Viertel der befragten Industrieunternehmen plant, Stellen abzubauen, die Beschäftigtenzahl halten wollen 68% (Jahresbeginn: 64%).

Handel

Im Handel ist die Lage überwiegend befriedigend (49%, Jahresbeginn: 55%) oder schlecht (36%, Jahresbeginn: 36%). Deutlich pessimistischer fällt die Einschätzung bei den Geschäftserwartungen aus – mehr als die Hälfte (genau: 51%) gehen von einer schlechteren Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten aus (Jahresbeginn: 37%), nur gleichbleibend 5% der Befragten rechnet mit einer Belebung. Das zeigt sich auch bei der Investitionsbereitschaft – so wollen 47% der Handelsunternehmen weniger investieren (Jahresbeginn: 44%). Ähnlich das Bild bei der Beschäftigtenzahl: 38% der Unternehmen wollen Arbeitsplätze abbauen (Jahresbeginn: 39%).

Dienstleistungen

Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich bei den Dienstleistungsunternehmen seit der letzten Umfrage kaum geändert, 21% (Jahresbeginn: 24%) nennen ihre Lage „gut“, 27% (Jahresbeginn: 24%) dagegen „schlecht“. Bei den Geschäftserwartungen verdüstert sich die Beurteilung – ein Drittel geht von schlechteren Geschäften aus (Jahresbeginn: 22%), von besseren Geschäften dagegen nur 14% (15%). Auch die Investitionsneigung geht zurück: 28% wollen weniger Geld ausgeben (Jahresbeginn: 23%), unverändert 30% wollen ihr Budget erhöhen. Jeweils 16% wollen Stellen schaffen bzw. abbauen (Jahresbeginn: 14% bzw. 13%).

Gastgewerbe

Etwas entspannt hat sich die Lage in der Hotel- und Gastrobranche. Mehr als die Hälfte (genau: 53%, Jahresbeginn: 38%) ist mit den aktuellen Geschäften zufrieden. Allerdings geht kaum ein Betrieb von besseren Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus: Nur 6% sagen das, zu Jahresbeginn waren es noch 21%. Gleichbleibend 58% erwarten eine konstante Entwicklung. Die Zahl der Unternehmen, die investieren wollen, sinkt deutlich – von 24% auf jetzt noch 8%. Auch plant kein einziger Betrieb, neue Stellen zu schaffen, dagegen will ein Drittel Stellen abbauen (Jahresbeginn: 3% bzw. 24%).

Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1.200 Unternehmen, überwiegend Handelsregister-Firmen aus den Wirtschaftssektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie Gastgewerbe. Sie repräsentieren rund 65% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz. Die Ergebnisse sind nach Beschäftigtengrößenklassen gewichtet. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 10. April bis 30. April 2026