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Nr. 417
Innovation, Umwelt und Existenzgründung
IHK-Konjunkturberichte
Zur kurzfristigen Ermittlung von konjunkturellen Trends führt die IHK Pfalz dreimal jährlich eine Umfrage über Lage und Erwartungen der pfälzischen Wirtschaft durch. Neben einem eigenen Pfalz-Konjunkturbericht zum Jahresbeginn, im Frühsommer und im Herbst, gehen die Ergebnisse dieser Umfragen in den Konjunkturbericht der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern, in das Herbstgutachten des Sachverständigenrates und in die Konjunkturberichte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ein. In die Umfrage werden regelmäßig rund 1.200 pfälzische Firmen aus den Bereichen Industrie, Einzel- und Großhandel, Gastgewerbe sowie aus dem Dienstleistungssektor einbezogen.
Hinweis: Der IHK-Konjunkturbericht wird mit Jahresbeginn 2026 nur noch auf dieser Seite und in dieser Form veröffentlicht.
Allgemeine Wirtschaftslage Frühsommer 2026
Schlimmer geht (n)immer
Die aktuelle Gemengelage ist mehr als besorgniserregend – schlichtweg übel: Die Unternehmen in der Pfalz beurteilen ihre Geschäftslage als gerade noch ausreichend bis unzureichend, und die Stimmung ist dementsprechend gedrückt. Anstatt des erwarteten Mini-Aufschwungs droht in den kommenden Monaten ein konjunktureller Absturz. Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto wahrscheinlicher wird dieses Szenario, denn der wirtschaftliche – und damit auch finanzielle – Druck wächst stetig.
Global nehmen Unsicherheiten und Risiken deutlich zu: Gestiegene Energiepreise, gestörte Lieferketten und die zunehmende Inflationsgefahr belasten die Unternehmen und verschärfen ihre Situation. Zusätzlich zu den strukturellen Herausforderungen und Nachteilen des Standorts Deutschland sowie den bereits bestehenden Handelskonflikten summieren sich nun drastisch gestiegene Kosten und Engpässe bei Öl, Gas, Kraftstoffen, Kunststoffprodukten, Baumaterialien. Wie ein Flächenbrand greifen die höheren Preise und Kosten auf andere Wirtschaftsbereiche über und verstärken sich gegenseitig. Viele Unternehmen drohen in einen regelrechten Abwärtssog zu geraten.
Diese zugleich chaotische, komplexe und brenzlige Gesamtlage spiegelt sich auch im Konjunkturklimaindex wider: Zum Frühsommer 2026 sinkt er deutlich von ohnehin niedrigen 89 auf schwache 79 Punkte. Der zaghafte Anstieg, der vor einem Jahr begonnen hatte, scheint bereits wieder gestoppt. Diese Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Branchen. Der Index für die Industrie liegt nur noch bei 81 Punkten, der Handel fällt dramatisch auf 65 Punkte, und der Dienstleistungssektor erreicht noch 87 Punkte. Auch das Gastgewerbe kann sich diesem Trend nicht entziehen und dümpelt bei 82 Punkten. Damit rückt die Hoffnung auf eine Annäherung an die Wachstumsmarke von 100 Punkten für alle Wirtschaftsbereiche in weite Ferne.
*Im IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt sich die Gesamteinschätzung der pfälzischen Wirtschaft wider. Er kann als geometrisches Mittel der Lage- und Erwartungssalden zwischen 0 und 200 schwanken. Beim rechnerischen Wert von 200 bewerten alle Unternehmen ihre geschäftliche Lage und ihre Geschäftsaussichten als „gut“, bei 100 als „befriedigend“ und bei 0 als „schlecht“.
Legende: JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Nach wie vor sprechen rund 30 Prozent der befragten Unternehmen von einem schwachen Geschäftsklima und nur knapp ein Fünftel meldet eine aktuell gute und damit solide Lage. Gleichzeitig schwindet die Hoffnung auf einen Aufschwung, Pessimismus macht sich breit: Für die kommenden zwölf Monate rechnen inzwischen rund 40 Prozent der Unternehmen mit einem konjunkturellen Dämpfer und nur sieben Prozent gehen von einer wirtschaftlichen Belebung aus. Mit dem schwelenden Konflikt im Nahen Osten rückt das Thema Energie- und Rohstoffpreise einmal mehr in den Fokus und toppt alle anderen Risiken: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen – nahezu das Niveau vom Beginn des Ukrainekriegs - sehen hierin das Hauptrisiko für ihre eigene Geschäftsentwicklung. An zweiter Stelle rangieren mit 60 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, gefolgt von den Arbeitskosten und der Inlandsnachfrage mit 55 und 53 Prozent. Im gleichen Zusammenhang rückt der Fachkräftemangel etwas in den Hintergrund, bleibt jedoch mit 40 Prozent nach wie vor ein bedeutendes Hindernis für viele Unternehmen.
Die Exportnachfrage, bisher eine wichtige Stütze der Konjunktur, fällt auf absehbare Zeit weg: Lediglich sieben Prozent der Exportbetriebe erwarten eine dynamische Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts, während 40 Prozent befürchten, dass die Exporte einbrechen könnten. In diesem instabilen Umfeld ist es wenig überraschend, dass sich die Unternehmen bei Investitionen zurückhalten: Nur knapp ein Viertel plant, die Investitionsausgaben in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen und 38 Prozent erwägen eine Kürzung des Budgets. Wenn Investitionen getätigt werden, dann vor allem zur Ersatzbeschaffung oder zu Rationalisierungszwecken. Der Arbeitsmarkt steht weiterhin unter Druck: Nur noch acht Prozent der Unternehmen geben an, ihr Personal aufstocken zu wollen, während 26 Prozent Kündigungen in Erwägung ziehen.
Was entscheidend ist und was hilfreich wäre, wurde bereits vielfach und ausführlich beschrieben und als Appell an die Politik gerichtet: eine Senkung der steuerlichen Belastung für Unternehmen, zeitgleich eine Reduzierung der Bürokratie und Berichtspflichten sowie eine Beschleunigung der Verfahren auf allen Ebenen. Die Zeit drängt.
Kreisdiagramme für alle Branchen zum Frühsommer 2026 (Angaben in %).
Exporte Werte nur Industrie
dunkelbau
mittelblau
grau
gut
befriedigend
schlecht
Geschäftslage
18
51
31
besser
gleichbleibend
schlechter
Geschäftserwartungen
11
51
38
höher
gleichbleibend
geringer
Exporte (nur Industrie)
7
53
40
höher
gleichbleibend
geringer
Investitionen
24
38
38
höher
gleichbleibend
geringer
Beschäftigung
8
66
26
Die Unternehmen warten weiterhin. Sie hoffen auf wirtschaftspolitische Weichenstellungen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland modernisieren. Nachdem der „Herbst der Reformen“ ausgefallen ist, wird nun von der Politik ein klares Signal im Frühjahr erwartet. Denn die staatlichen Ausgabenprogramme im Rahmen des Konjunkturpakets können nur eine Stabilisierung der aktuellen Lage bewirken, nicht aber die dringend benötigten strukturellen Verbesserungen. Das Geld soll in die Infrastruktur und die Verteidigung fließen, außerdem sind Steuersenkungen und ein Abbau bürokratischer Hürden geplant. Doch viel Geld auszugeben, hilft wenig, wenn nicht gleichzeitig umfassende Reformen angepackt werden. Ohne diese wird sich die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Attraktivität des Standorts Deutschland nicht nachhaltig verbessern, und die Probleme der Wirtschaft werden nicht gelöst.
Legende: JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Branchen
Industrie
Das Geschäftsklima hat sich seit Jahresbeginn deutlich eingetrübt. Inzwischen berichtet rund ein Drittel der Betriebe von einer schwachen Geschäftslage (Anstieg von 28% auf 32%), während unverändert knapp ein Fünftel eine positive Situation beschreibt. Auch die wirtschaftlichen Perspektiven haben sich verschlechtert: Nur noch 12% der Industriebetriebe hoffen auf eine Belebung (22%), während 35% (zuvor 25%) dämpfende Einflüsse in den nächsten 12 Monaten erwarten. Vom Auslandsgeschäft sind keine Impulse zu erwarten. Lediglich 7% der exportierenden Betriebe gehen von einer dynamischen Entwicklung aus und 40% rechnen mit einer schwächeren Auslandsnachfrage. Die Investitionsbereitschaft geht spürbar zurück: Zwar planen weiterhin 22% der Betriebe höhere Ausgaben – vor allem für Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungsmaßnahmen –, aber 38% (31%) beabsichtigen, ihre Investitionsetats zu kürzen. Auch am Arbeitsmarkt verschärft sich die Lage. Nur noch 7% der Industriebetriebe planen Neueinstellungen (zuvor 14%), während 25% (22%) angeben, einen Personalabbau nicht vermeiden zu können.
Kreisdiagramme Industrie zum Frühsommer 2026 (Angaben in %).
dunkelbau
mittelblau
grau
gut
befriedigend
schlecht
Geschäftslage
17
51
32
besser
gleichbleibend
schlechter
Geschäftserwartungen
12
53
35
höher
gleichbleibend
geringer
Investitionen
22
40
38
höher
gleichbleibend
geringer
Beschäftigung
7
68
25
Handel
Die Handelsunternehmen in der Pfalz bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation überwiegend als mittelmäßig bis schlecht (49 % bzw. 36 %). Noch 15% der Händler äußern sich positiv zur Geschäftslage. Auch die Erwartungen sind deutlich gedämpft: Jeder zweite Händler rechnet in den kommenden Monaten mit einer Verschlechterung der Situation, während lediglich 5% eine Verbesserung für wahrscheinlich halten. Dies wirkt sich spürbar auf die Investitionsabsichten aus: Nur 23% der Einzel- und Großhändler planen, ihre Ausgaben auszuweiten – vor allem für Ersatzbeschaffungen oder Rationalisierungsmaßnahmen – und 47% sehen hingegen Etatkürzungen vor. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beschäftigungsplänen: Lediglich 3% der Betriebe erwägen derzeit, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen und 38% planen einen Abbau ihrer Mitarbeiterzahl.
Kreisdiagramme Handel zum Frühsommer 2026 (Angaben in %).
dunkelbau
mittelblau
grau
gut
befriedigend
schlecht
Geschäftslage
15
49
36
besser
gleichbleibend
schlechter
Geschäftserwartungen
5
44
51
höher
gleichbleibend
geringer
Investitionen
23
30
47
höher
gleichbleibend
geringer
Beschäftigung
3
59
38
Dienstleistungen
Die meisten Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor stufen ihre derzeitige Lage als befriedigend ein, wie 52% bestätigen. Gleichzeitig bezeichnen 21% die aktuelle Geschäftslage als erfreulich und 27% als unterdurchschnittlich. Die Geschäftsaussichten haben sich deutlich eingetrübt: Nur 14% (zuvor 15%) erwarten einen konjunkturellen Aufwärtstrend innerhalb der nächsten 12 Monate, während 33% (22%) von einer Abkühlung ausgehen. Die Investitionsbereitschaft sinkt: Unverändert 30% planen höhere Investitionen, während 28% (zuvor 23%) ihr Investitionsvolumen verringern wollen. Der Arbeitsmarkt zeigt sich insgesamt stabil: Bei fast 70 Prozent der Unternehmen bleibt die Zahl der Mitarbeiter in den kommenden Monaten unverändert, jeweils 16% planen Neueinstellungen bzw. eine Reduzierung ihres Personals..
Kreisdiagramme Dienstleistungen zum Frühsommer 2026 (Angaben in %).
dunkelbau
mittelblau
grau
gut
befriedigend
schlecht
Geschäftslage
21
52
27
besser
gleichbleibend
schlechter
Geschäftserwartungen
14
53
33
höher
gleichbleibend
geringer
Investitionen
30
42
28
höher
gleichbleibend
geringer
Beschäftigung
16
68
16
Gastgewerbe
Das Geschäftsklima hat sich entspannt: 22 Prozent der Betriebe aus Hotellerie und Gastronomie (zuvor 18%) berichten über eine erfreuliche wirtschaftliche Lage und 25% (44%) hingegen von einer problematischen Situation. Unverändert 58% der Betriebe gehen von einem stabilen Geschäftstrend in den nächsten 12 Monaten aus und 36% befürchten ganz im Gegenteil einen Einbruch – deutlich mehr als bisher (21%). Die Investitionstätigkeit wird weiter gedrosselt: Nur 8% der Betriebe (zuvor 24%) planen, mehr zu investieren und mehr als die Hälfte der Betriebe (zuvor 38%) plant eigenen Angaben zufolge seine Ausgaben zu reduzieren. Zwei Drittel der Betriebe teilen mit, dass sich die Zahl ihrer Beschäftigten in den kommenden Monaten nicht nennenswert verändern wird. Ein Drittel plant Entlassungen – zugleich liegen keine Meldungen über Neueinstellungen vor.