Fachkräftesicherung
Tipps gegen Fachkräftemangel
Fachkräfte sind knapp in der Pfalz, und das wird so bleiben. Bis 2033 gehen in Deutschland 19,5 Millionen Babyboomer in Rente - und es kommen nur 12,5 Millionen jüngere Beschäftigte nach. Damit wird das Fachkräftepotenzial noch kleiner. Unternehmer müssen sich JETZT bemühen, attraktiver Arbeitgeber zu sein um Mitarbeiter zu halten und künftige zu finden. Die IHK Pfalz unterstützt Sie dabei – melden Sie sich für eine kostenfreie Fachkräfteberatung bei Ihnen vor Ort an.
- Ältere im Arbeitsmarkt halten
- Mehr Fachkräfte für die Höhere Berufsbildung gewinnen
- Arbeitslose stärker in Weiterbildung bringen
- Arbeitszeit ausweiten
- Produktivität erhöhen
- Qualifizierte Zuwanderung nutzen
- Beschäftigung von Menschen ohne deutschen Pass steigern
- Familienbewusste Personalpolitik & Homeoffice
- Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen nutzen
- Betriebliches Gesundheitsmanagement
Wie ist dem demografisch bedingten Mangel an Mitarbeitenden in allen Branchen und Regionen beizukommen? In einem "Potenzial-Katalog" benennt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die wichtigsten Stellschrauben.
Ältere im Arbeitsmarkt halten
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren setzt starke Anreize, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Seit ihrer Einführung nutzen sie jährlich bis zu 270.000 oft gut ausgebildete Fachkräfte, um den Arbeitsmarkt vorzeitig zu verlassen. Insgesamt haben schon über zwei Millionen Personen diesen Rentenzugang gewählt. Mit Blick auf den Fachkräftemangel in den Betrieben und auf den demografischen Wandel brauchen wir flexible Angebote zur Weiterarbeit statt Anreize zum Aufhören. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) könnte in Deutschland die Erwerbsbeteiligung Älterer im Jahr 2035 dadurch um 2,4 Millionen höher liegen.
Fakt ist: Der Arbeitsmarkt braucht erfahrene, gut qualifizierte Arbeitskräfte.
Forderung: Angebote, die den früheren Renteneintritt fördern – wie etwa die "Rente mit 63" – passen nicht in die Zeit, sie verschärfen den Fachkräftemangel zusätzlich.
Mehr Fachkräfte für die Höhere Berufsbildung gewinnen
Allein im IHK-Bereich werden jährlich etwa 60.000 Prüfungen in der Höheren Berufsbildung – etwa zum Industriemeister Metall oder zum Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung – abgenommen. Schon ein einmaliger Zuwachs von nur zehn Prozent (also etwa 6.000 Absolventen) würde zu einer zusätzlichen Wertschöpfung von etwa einer Milliarde Euro führen.
Fakt ist: Abschlüsse der Höheren Berufsbildung schaffen mehr Wertschöpfung.
Forderung: Zusätzliche Anreize für Fortbildung schaffen, etwa durch eine permanente Weiterentwicklung des Aufstiegs-BAföG (wie aktuell auch geplant). Höhere Berufsbildung noch bekannter machen.
Arbeitslose stärker in Weiterbildung bringen
Die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland ist seit Jahren im Aufwärtstrend: Inzwischen nehmen 60 Prozent der 18- bis 64-Jährigen an Weiterbildung teil und sogar 67 Prozent der Erwerbstätigen. Luft nach oben ist bei der Weiterbildungsbeteiligung Arbeitsloser: Nur 34 Prozent der 18- bis 64-jährigen Personen die arbeitslos gemeldet sind, haben laut Zahlen von 2020 an einer Weiterbildung teilgenommen. Würde es hier gelingen, in den kommenden zehn Jahren den Anteil um 20 Prozent zu steigern, könnten wir ein zusätzliches Potenzial von knapp 200.000 besser qualifizierten Personen erschließen.
Fakt ist: Weiterbildung liegt im Trend – bei Arbeitslosen und Geringqualifizierten besteht aber noch Potenzial.
Forderung: Arbeitslose verstärkt für Weiterbildung gewinnen und auf diesem Weg perspektivisch viele tausende Beschäftigte gewinnen.
Arbeitszeit ausweiten
Deutschlands Wochenarbeitszeit liegt unter dem EU-Durchschnitt. 2022 arbeiteten 20- bis 64-jährige Erwerbstätige in Deutschland 35,3 Stunden (EU: 37,5 Stunden). Die 16,4 Millionen Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten durchschnittlich jeweils 768 Stunden pro Jahr. Würden sie 2,5 Stunden pro Woche mehr arbeiten, entspräche dies etwa 1,2 Millionen zusätzlichen Vollzeitstellen oder 2,4 Millionen Teilzeitstellen. Allein bei Eltern ist das Potenzial enorm. Häufig hindern fehlende Betreuungsangebote sie daran, ihre Arbeitszeit auszuweiten.
Fakt ist: Teilzeitarbeit kann für Arbeitnehmer attraktiv sein, aber auch der Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials entgegenstehen.
Forderung: Anreize für längere Arbeitszeiten stärken. Betreuungsangebote ausbauen, um insbesondere Mütter aus der Teilzeit-Beschäftigung zu holen.
Produktivität erhöhen
Die Steigerung der Arbeitsproduktivität in Deutschland war in den letzten Jahren geringer als früher – und oft geringer als in anderen Ländern. Sie lag zuletzt bei durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr. Durch Weiterbildung sowie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung bestehen auch hier neue Möglichkeiten. Hätte etwa die Steigerung der Arbeitsproduktivität zuletzt bei 1,5 Prozent gelegen, stünden rechnerisch etwa 450.000 Fachkräfte zusätzlich für neue Aufgaben zur Verfügung.
Fakt ist: Die Arbeitsproduktivität – auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz – steigt zu langsam.
Forderung: Innovationen fördern, Forschung und neue Technologien stärker unterstützen.
Qualifizierte Zuwanderung nutzen
Die Erwerbsmigration aus Drittstaaten ist mit Blick auf hiesige Fachkräfteengpässe ausbaufähig: 73.000 Personen sind 2022 eingereist, die einen Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit erhielten. Eine bessere und schnellere Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in der Praxis ist daher nötig, um kurzfristig die Zahl zumindest auf 100.000 Personen erhöhen zu können.
Fakt ist: Fachkräften aus Drittstaaten könnte der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt leichter gemacht werden.
Forderung: Die Umsetzung gesetzlicher Regelungen zur Zuwanderung muss in der Praxis einfacher, schneller und transparenter erfolgen, damit Arbeitsmigration zur Fachkräftesicherung in den Betrieben beitragen kann.
Beschäftigung von Menschen ohne deutschen Pass steigern
Rechtliche Hürden behindern die Gewinnung ausländischer Fachkräfte. Was geht und wie es geht, darüber informiert die IHK Pfalz mit ihrer Fachkräfteberatung. Und wir sind Ansprechpartner wenn es um die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen geht. Welche Berufe können wo anerkannt werden? Wie stelle ich wo einen Antrag dafür? Wir sind ein WelcomeCenter auf ausländische Fachkräfte!
Zuletzt ist der Beschäftigungsaufbau von Menschen ohne deutschen Pass gelungen. So nahm 2023 die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 341.000 zu, während die der deutschen um 77.000 sank. Die Beschäftigungsquote von Menschen ohne deutschen Pass in Deutschland liegt zugleich nach wie vor merklich unter der der Deutschen. Mit Maßnahmen zur Integration, Qualifikation, Spracherwerb, Arbeitsvermittlung sowie Anerkennung von Abschlüssen ließen sich deutliche Potenziale erschließen. Würde es gelingen, die Differenz bei der Beschäftigungsquote der Ausländer (aktuell etwa 54 Prozent) gegenüber der der deutschen Beschäftigten (64 Prozent) zu halbieren, entspräche das etwa 500.000 zusätzlichen Beschäftigten.
Fakt ist: Bereits hier lebende Menschen ohne deutschen Pass können besser in Beschäftigung gebracht werden.
Forderung: Die Bemühungen zur Integration müssen verstärkt werden, um dieses große Potenzial zu heben.
Quelle: DIHK
Familienbewusste Personalpolitik & Homeoffice
Unternehmen, die ihre Personalpolitik familienfreundlicher gestalten, erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Zu den Interessierten gehören nicht nur Frauen, sondern immer häufiger auch Männer. Das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie” beim DIHK bündelt Informationen und Erfahrungsberichte rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sicherheit, gute Arbeitszeiteinteilung mit Möglichkeit zum Homeoffice sowie gutes Führungsverhalten der Vorgesetzten sind ausschlaggebend, um MitarbeiterInnen im Betrieb zu halten.
Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen nutzen
Deutschlandweit gibt es nur noch eine Rufnummer für alle Arbeitgeberanfragen. Über diese Nummer (01801 / 66 44 66) werden die Unternehmen zu ihrer festen Ansprechperson in den vier Arbeitsagenturen der Pfalz geführt. Sie können dann alle Fragen zur Vermittlung von Arbeitskräften und Auszubildenden aus einer Hand klären.
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Wenn mit betrieblicher Gesundheitsförderung ein niedriger Krankenstand erreicht werden kann, rechnet sich das für das Unternehmen. Informationen über Best-Practice-Modelle und bewährte Verfahren bieten das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung und viele Krankenversicherungen. Die IHK Pfalz hilft Ihnen bei BGM-Maßnahmen hier weiter.
Schauen Sie auch auf die Homepage des “Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung” (KOFA) und bei “Erfolgsfaktor Familie”
