Faire Bedingungen für Transportwirtschaft
Brandenburger IHKs und Transportverbände drängen auf politische Unterstützung für die Verkehrsbranche
Das Brandenburger Transportgewerbe fordert ein entschlossenes Handeln von Landes- und Bundespolitik. Auf der ersten Brandenburger Landesverkehrskonferenz haben heute die Industrie- und Handelskammern Brandenburg sowie die maßgeblichen Verkehrsverbände des Landes ein gemeinsames Forderungspapier verabschiedet.
"Ohne leistungsfähige Transportunternehmen gibt es weder Versorgungssicherheit noch wirtschaftliches Wachstum. Brandenburg ist Transitland, Industrieland und Logistikstandort zugleich. Doch viele Unternehmen erleben täglich, dass Infrastruktur, Genehmigungsverfahren und politische Rahmenbedingungen nicht mit den Anforderungen der Praxis Schritt halten“, sagt Monique Zweig, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostbrandenburg, als Sprecherin für die Landesarbeitsgemeinschaft der drei Brandenburgischen IHKs.
Vor allem kleine und mittlere Unternehmen geraten durch steigende Kosten, schwache Infrastruktur und wachsende regulatorische Anforderungen zunehmend unter Druck.
Besonders kritisch sieht die Branche die Diskrepanz zwischen politischen Klimazielen und den tatsächlichen Voraussetzungen vor Ort. Unternehmen sind bereit, in E-Lkw oder Wasserstofftechnologien zu investieren. Fehlende Ladeinfrastruktur, hohe Investitionskosten und eine mangelnde Planungssicherheit würden die Transformation jedoch ausbremsen.
Gleichzeitig fordert das Bündnis mehr Mut zu praxistauglichen Lösungen. Dazu gehört aus Sicht der Verbände auch eine Anhebung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für schwere Lkw von derzeit 60 auf 80 Stundenkilometer auf geeigneten Straßen. Brandenburg solle hierfür eine Bundesratsinitiative starten.
“Wenn der Spediteur verschwindet, verschwindet nicht nur ein Unternehmen. Dann fehlen Fahrzeuge, dann fehlen Fahrer, dann fehlen Transportkapazitäten, dann steigen Kosten für Industrie, Handel und Handwerk. Und irgendwann steht die Frage im Raum: Wer fährt dann noch?", sagt Jürgen Eckert, Geschäftsführer der Eckert-Transport Fehrow in der Lausitz und Teilnehmer der Konferenz.
Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Anpassung verkehrsrechtlicher Vorgaben fordert das Papier auch bessere Baustellenkoordination, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr sichere Lkw-Stellplätze sowie eine konsequentere Durchsetzung fairer Wettbewerbsbedingungen im europäischen Straßengüterverkehr.
Die Partner der Landesverkehrskonferenz verbinden damit einen klaren Appell an die Politik: Brandenburg muss dort handeln, wo es selbst Verantwortung trägt, etwa bei Infrastruktur, Digitalisierung und Planungsbeschleunigung. Gleichzeitig braucht das Land eine starke Stimme gegenüber dem Bund, wenn es um wettbewerbsfähige Energiekosten, Investitionen in die Verkehrswege und wirksame Kontrollen gegen Wettbewerbsverzerrungen geht.
Das Forderungspapier “Faire Rahmenbedingungen für das Brandenburger Transportgewerbe“ (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 196 KB) stammt vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. Berlin-Brandenburg, der Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg e.V., dem Verband Verkehr & Logistik Berlin und Brandenburg sowie der Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs Brandenburg.
Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) ist eine Kooperation der drei Industrie- und Handelskammern im Land Brandenburg. Sie vertritt die Interessen von etwa 160.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.
