FORUM - Das Wirtschaftsmagazin
Nr. 7102554
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Bianca Gerner und ihr Mann Stefan Thierbach sind die Inhaber des Bad Saarower Garten- und Landschaftsbaubetriebes Gernbach.
Fokus Region.

Weniger Wasser, weniger Pflege, weniger Kosten

Verändertes Klima und der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit – darauf hat sich das Landschaftsbau-Unternehmen Gernbach eingestellt. Die Gärtner setzen auf heimische Gehölze und kennen Tricks zum Wassersparen.
Als eine Fürstenwalder Firma sich eine Hecke als Sichtschutz wünschte, empfahl die Fachfrau Bianca Gerner eine Vier-Jahreszeiten-Hecke. Eine Mischhecke mit verschiedenen Pflanzen, die zu jeder Jahreszeit blühen oder eine besondere Färbung annehmen. Sie pflanzte Sanddorn, Schlehe, Feuerdorn und Hartriegel. In diesem Frühjahr hat die Hecke zum ersten Mal geblüht.
Bianca Gerner ist froh, dass sich der Kunde dafür entschieden hat und nicht für die oft üblichen Kirschlorbeer- und Thuja-Pflanzen. Denn der Bad Saarower Garten- und Landschaftsbaubetrieb Gernbach, den Bianca Gerner gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Thierbach betreibt, legt großen Wert auf Gartengestaltungen, die dem veränderten Klima angepasst sind. Sie hinterlassen einen möglichst geringen CO2-Fußabdruck, brauchen also wenig kostbares Wasser. „Ja, ich weiß, manche können s nicht mehr hören“, sagt die 36-Jährige.
„Aber wir spüren ja alle, wie sich das Klima verändert, oft große Hitze mit Wassermangel herrscht und dann wieder Starkregen vom Himmel kommt.“ Dem könne man mit gärtnerischem Wissen und Geschick etwas entgegensetzen, ohne auf einen schönen, vielfältigen Garten verzichten zu müssen. Und wer seinen Garten nachhaltig umgestalten möchte, könne langfristig sogar Arbeit und Kosten bei der Pflege sparen.

Mähroboter muss nicht sein

Dass Unternehmen ihre Eingangsbereiche oder Grünflächen von einem Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen neu und naturnah gestalten lassen, komme noch eher selten vor, sagt Bianca Gerner. „Aber der Druck wird stärker. Ob Banken, Fördermittelgeber oder Berufsverbände – überall wird immer mehr nachhaltiges Wirtschaften verlangt, und mit einem grünen Arbeitsplatz kann man heutzutage vielfach punkten.“
Dabei müsse die Pflege einer vom Fachmann angelegten Gartenanlage nicht teurer sein, weil sie seltener durchgeführt werden müsse und oft auch die Anschaffung eines teuren Mähroboters erspare. Die Landschaftsgärtnerin setzt zum Beispiel auf Gräser und Präriestauden mit tiefen Wurzeln wie die Prachtkerze, die Prachtscharte, Steppensalbei oder Schafgarbe. Attraktiv und ohne viel Wasser gedeihen auch bisher selten verwendete Pflanzen wie Wermut oder Wolfsmilch.
Wer Blumen mag, dem empfiehlt sie unter anderem Wildastern, Grasnelken oder Wildrosen. Bodendeckende Pflanzen wie diese verhinderten das ständige Unkrautzupfen. Auch bei der Bepflanzung mit Gehölzen sollte man deren Wasserverbrauch im Auge haben. Als blühende, insektenfreundliche Laubbäume eignen sich zum Beispiel gut Kupferfelsenbirne, Blutpflaume oder Zierapfel – augenblicklich der Renner.
Von umweltunfreundlichen und Hitze speichernden Schottergärten rät sie ab. Dagegen sei ein aus mineralischem Mulch gestalteter und vor Verdunstung schützender Steingarten eine gute Alternative. „Viele Unternehmen haben solche alternativen Gestaltungsmöglichkeiten gar nicht auf dem Schirm“, meint Bianca Gerner.
Dabei könne man klein anfangen, im Eingangsbereich etwa. Ein attraktiver Außenbereich sei gut fürs Image, für Kunden und Mitarbeiter. Denn an schön gestalteten Orten mit Bänken könnten sich Mitarbeiter in den Pausen entspannen oder sich auch zum Coaching treffen. Das fördere ein gutes Betriebsklima und die Mitarbeiterbindung. Gegen eine Beratungspauschale kommen Bianca Gerner oder Stefan Thierbach vor Ort, um Tipps für einen grünen Arbeitsplatz zu geben.
Ihr Unternehmen plant neu anzulegende Gärten, führt Pflegearbeiten, Baumschnitt, den Bau von Terrassen, Mauern, Zäunen und Teichen aus, pflegt Kübelpflanzen und Friedhofsgräber. „Wir sind sehr breit gefächert und haben hauptsächlich Privatkunden“, berichtet die Chefin. Sie spürt, dass zunehmend bei jüngeren Kunden ein Umdenken in der Gestaltung ihres Gartens stattfindet: Pflegeleicht und klimaangepasst soll er sein, der „geleckte Garten“, wo alles in Reih und Glied steht und der sehr arbeitsaufwendig ist, ist nicht mehr zeitgemäß.

Junge Leute wollen andere Gärten

Derzeit arbeitet das in Bad Saarow ansässige Unternehmen mit neun Mitarbeitern in einem Umkreis von 15 Kilometern. Aber es gibt auch Ausnahmen: Für den Biogarten Möbius in Eisenhüttenstadt haben Gernbachs einen Lehmteich angelegt. Statt der üblichen Folie wurde das Naturmaterial verwendet, um das Wasser zu halten.
Wenn Gärten neu und mit anspruchsloseren Pflanzen angelegt werden, empfiehlt sie in der Regel, auf eine Beregnungsanlage zu verzichten beziehungsweise sie zu minimieren und wasserspeichernde Entwässerungsmulden anzulegen. Diese könnten ebenfalls dekorativ bepflanzt werden.
Bianca Gerner stellt oft fest, dass „das Wissen über Pflanzen sehr zurückgegangen ist“. Deshalb ist sie mit ihrem Unternehmen – das in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum feierte – auch unterwegs, um die Menschen aufzuklären. Ihr Traum ist es, privat einen großen Sichtungsgarten anzulegen, um ihre vielen blühenden Ideen vorführen zu können und zu zeigen, was machbar ist. Sie und ihr Partner sehen sich nicht nur als Gartenbauer und Landschaftsgärtner, sondern als Künstler, die nicht nur den Rasen mähen und Sträucher schneiden, sondern einen Lebensraum gestalten. Einen Lebensraum in der Natur, der nicht in andauernder Arbeit ausartet, sondern zum Genießen einlädt.
FORUM/Ruth Buder
Annett Schubert
Leiterin
Regionalcenter Oderland