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Ein 27-Jähriger setzt sich unter neun Bewerbern durch
Es ist kein fliegender Wechsel, sondern ein Wechsel, der gut und langfristig vorbereitet wurde: Jonas Heymann wird im Januar der neue Geschäftsführer der Seelower Wohnungsbaugesellschaft, der SEWOBA GmbH. Der erst 27-Jährige tritt in die Fußstapfen von Hans Peter Thierfeld, der seit 15 Jahren an der Spitze des kommunalen Unternehmens steht und Vize-Präsident der IHK Ostbrandenburg ist. Gesundheitliche Probleme zwingen den 63-Jährigen kürzer zu treten und sich auf den Ruhestand vorzubereiten.
Bis dahin, bis zum 31. 12.2028, wird er noch die „kleine“ WOSELLA, die Wohnungsbaugesellschaft Seelow Land, leiten. Doch das ist längst kein Fulltime-Job mehr. „Mir fehlt inzwischen die gebotene Kraft und Ausdauer, mit der ich meine Arbeit gemacht habe. Nur so kann man erfolgreich sein.“ Er habe nie Probleme damit gehabt, loszulassen und Verantwortung an Jüngere weiterzugeben, sagt Thierfeld. „Wir sind ja selbst Ausbildungsbetrieb und ich sehe, was die jungen Menschen leisten können.“
Jobangebot zufällig entdeckt
Neun Kandidaten hatten sich für den Geschäftsführer-Posten beworben. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung entschieden sich einhellig für Jonas Heymann. Dieser arbeitete bislang als Finanzbuchhalter für die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG, die 4865 Wohnungen betreut.
„Ich hatte eigentlich nicht vor, mich beruflich zu verändern, wollte in Ruhe mein Masterstudium im Immobilien- Projektmanagement an der TU abschließen“, erzählt der Frankfurter. Er hat Immobilienkaufmann gelernt und einen Bachelor in Immobilienmanagement in der Tasche.
Zufällig entdeckte er im Februar die Stellenanzeige – und änderte seinen Plan. Ermutigt durch seine Lebenspartnerin bewarb er sich für den Leitungsposten in Seelow. Damit bot sich eine Chance, die nicht so schnell wiederkommen würde. „Mit meiner Qualifikation im Immobilienbereich gibt es nur begrenzt Möglichkeiten in unserer Region. Und es ist mein Wunsch, hier in meiner Heimat wohnen zu bleiben.“
SEWOBA verjüngt sich: Caya Büch (20) hat im Unternehmen Immobilienkauffrau gelernt und über ein IHK-Projekt auch einen Monat in Malta Erfahrungen gesammelt.
Seit dem 1. Juli arbeitet Jonas Heymann in Seelow. Er lernt das Unternehmen, die Mitarbeiter kennen und arbeitet sich ein. Immer an seiner Seite der Senior-Chef. Der ist ganz begeistert von seinem jungen Nachfolger. „Nicht nur ich, unser ganzes Team freut sich auf ihn.“ Thierfeld ist gebürtiger Duisburger.
Als Bundeswehr-Angehöriger wurde er nach der Wende nach Strausberg zum Bundeswehrkommando Ost versetzt. Nach zwölf Jahren machte er sich im Bereich Bürokommunikation selbstständig, engagierte sich in der Kommunalpolitik und war von 2002 bis 2010 Bürgermeister in Strausberg.
In dieser Zeit lernte er viel über Wohnungsbau und Wohnungsverwaltung. Als die SEWOBA einen neuen Chef suchte, bewarb er sich. Eine Kommune darf ihren Wohnraum nicht aus den Händen geben und er sollte preiswert sein, das war stets seine Maxime.
In der Kreisstadt Seelow gehören 65 Prozent aller Wohnungen der SEWOBA. In Seelow und Umgebung hat die SEWOBA derzeit 1524 Wohnungen und 30 Gewerbeeinheiten in ihrem Bestand. Darüber hinaus werden 862 Objekte für Dritte, überwiegend Ämter und Kommunen, verwaltet.
Warteliste statt Leerstand
Anders als in der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft findet Jonas Heymann in Seelow kein Überangebot an Wohnungen vor. Wer zum Beispiel eine altengerechte Zwei-Zimmer-Wohnung sucht, muss schon auf die Warteliste. Der Wohnungsleerstand bei der SEWOBA bewegt sich bei rund sechs Prozent.
Meist wird er dadurch verursacht, dass bei Mieterwechsel die Wohnung erst einmal saniert werden muss. „Manche Mieter haben 30 bis 40 Jahre darin gewohnt, da muss grundhaft saniert werden, dafür muss schnell Geld zur Verfügung stehen“, sagt Thierfeld und verweist auf die Modernisierungsund Instandsetzungsplanung des Unternehmens. „Wir haben jedes Objekt bewerten lassen. Zu jedem unserer 79 Mehrfamilienhäuser unterschiedlicher Baujahre gibt es einen Steckbrief, der den genauen Bedarf abbildet.“
Lelena Meiske (26) ist zuständig für die moderne Öffentlichkeitsarbeit und Assistentin der Geschäftsführung.
Jonas Heymann übernimmt am 1. Januar 2026 ein gesundes Unternehmen mit ordentlichen Jahresabschlüssen. „Drei Dinge braucht eine GmbH“, ist Thierfeld überzeugt: „Liquidität, Liquidität und noch mal Liquidität.“ Das Unternehmen hat ein gutes Maß gefunden zwischen Verwaltung, Vermietung, Sanierung und Modernisierung von alten Beständen und Neubau.
Beispiele für Neubau in der Innenstadt sind die Breite Straße 15 und 16 oder das Projekt „Altes Kaufhaus“, das als Wohn- und Geschäftshaus nach umfangreicher Sanierung im Januar 2019 eingeweiht wurde und Thierfelds „ganzer Stolz“ ist.
Seelow als Stadt mit Zukunft
Ein weiteres Großprojekt ist in Arbeit: das Neubauvorhaben Seelow Süd. Die SEWOBA will in mehreren Bauabschnitten in serieller Modulbauweise ein neues Wohngebiet entwickeln. Der erste Bauabschnitt mit 60 bis 80 Wohnungen und einem Investitionsvolumen von 12 Millionen Euro soll 2027/28 fertiggestellt werden.
„Es gibt den Trend, dass die Menschen aus den Ballungsgebieten verstärkt in Richtung Brandenburg ziehen“, will Heymann die begonnen Planungen ehrgeizig fortsetzen. Das neue Wohngebiet wird die erste große Herausforderung für den neuen Geschäftsführer sein. Er trägt die bisherige Philosophie: „Seelow ist Stadt mit Zukunft!“ mit.
Vorzeigeobjekt: Der Neubau Breite Straße 15 und 16 in Seelow.
In seiner Einarbeitungsphase hat Jonas Heymann sich besonders um sein Team – 19 Angestellte hat die SEWOBA – gekümmert, mit jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin gesprochen, erkundet, was man gemeinsam effektiver gestalten kann. Ein Ergebnis ist, dass der Empfangsbereich umgestaltet wird und eine Mitarbeiterin die Besucher empfängt. Derzeit weist eine elektronische Tafel den Weg bis zum Ansprechpartner.
Jonas Heymann will mehr Nähe zum Mieter durchsetzen, „alle Mieter abholen“. Hans Peter Thierfeld gefällt, wie der Neue vorgeht, wie er es versteht, die Mitarbeiter einzubinden, er schätzt seine besonnene und ruhige Art. „Und ich muss zugeben, in allen finanzpolitischen und finanztechnischen Fragen ist er ein echter Profi!“
FORUM/Ruth Buder
Kontakt
Annett Schubert
Leiterin
Regionalcenter Oderland
