Medien-Information
Unternehmen in Delmenhorst stehen zu ihrem Standort
65/2026 vom 18. August 2026
Die Mehrzahl der Betriebe in Delmenhorst bleibt ihrem Standort treu. 75 Prozent der Betriebe würden sich erneut für eine Ansiedlung in der Stadt entscheiden. Gleichzeitig plant mehr als jedes vierte Unternehmen (28,4 Prozent), den eigenen Standort in den kommenden Jahren auszubauen. 50,6 Prozent wollen ihre Unternehmensgröße beibehalten. Rund sechs Prozent rechnen mit einer Schließung, 14 Prozent mit Verkleinerung oder Verlagerung des Betriebs. Das zeigt die aktuelle Standortumfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK).
Trotz der großen Verbundenheit der Unternehmen mit ihrem Standort zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass die Betriebe den Wirtschaftsstandort Delmenhorst durchaus auch kritisch bewerten und ihm die Schulnote 2,9 geben. In der IHK-Standortumfrage im Jahr 2022 lag sie noch bei 2,4. Damit schneidet Delmenhorst in diesem Jahr etwas schlechter ab als der Durchschnitt des gesamten Oldenburger Landes, der bei 2,4 liegt.
Positiv bewerten die Unternehmen dagegen die gute Anbindung an das überregionale Straßenverkehrsnetz, die Breitband- und Internetversorgung sowie die Nähe zu Kunden und Absatzmärkten. Gegenüber der letzten Umfrage haben sich die Breitbandversorgung, die Verfügbarkeit von Erweiterungsflächen sowie die Kooperationen mit Schulen und Hochschulen leicht verbessert. „Gerade bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen besteht allerdings weiterhin großer Bedarf“, sagt Christine Gronemeyer, die Vorsitzende des IHK-Beirats Delmenhorst/Oldenburg Land. „Die Stadt muss hier sicherstellen, dass dieses Thema im Rahmen des aktuellen Projekts DEL 2040 einen angemessenen Raum einnimmt.“
Deutlichen Handlungsbedarf sehen die Betriebe auch bei den Standortkosten und den Verwaltungsprozessen. Steuern und Abgaben
sowie Energiekosten werden als zu hoch bewertet, die Dauer von Genehmigungsverfahren oftmals als zu lang und zu analog empfunden. Auch die Attraktivität der Innenstadt kommt nur auf die Note 3,7, was eine Verschlechterung gegenüber der letzten Umfrage im Jahr 2022 (3,4) bedeutet.
„Regelmäßige Standortumfragen wie diese liefern eine wichtige Orientierung. Sie machen Entwicklungen über die Zeit sichtbar, ermöglichen den Vergleich mit anderen Regionen und zeigen, wo die Unternehmen Stärken und Schwächen ihres Standorts sehen“, sagt Gronemeyer. Gleichzeitig ersetzen sie nicht die Erfahrungen der Betriebe vor Ort. „Für die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes sind auch Faktoren entscheidend, die sich nicht vollständig in Kennzahlen abbilden lassen – etwa die Dauer von Genehmigungsverfahren, die Qualität der Infrastruktur oder die Investitionsbereitschaft der Unternehmen“, betont Gronemeyer.
Nach Einschätzung der Beiratsvorsitzenden hat Delmenhorst trotz des schlechteren Umfrageergebnisses in den vergangenen Jahren wirtschaftlich an Dynamik gewonnen. „Die Entwicklung bei Unternehmensgründungen und Beschäftigung passt zu den Rückmeldungen, die wir aus vielen Betrieben erhalten. Das ist ein positives Signal. Die aktuelle Standortumfrage zeigt aber auch, dass diese Dynamik noch nicht ausreicht, um die gegenwärtigen und künftigen strukturellen Herausforderungen zu bewältigen.“ Vor allem bei den Standortkosten, den Genehmigungsverfahren und der Attraktivität des Standorts sehen die Unternehmen weiterhin deutlichen Handlungsbedarf. „Jetzt gilt es, die positive Entwicklung in eine dauerhaft stärkere wirtschaftliche Basis zu übersetzen“, so Gronemeyer weiter.
An der IHK-Standortumfrage 2026 beteiligten sich 83 Unternehmen aus Delmenhorst. Insgesamt haben 1.337 Unternehmen aus dem Oldenburger Land 32 Standortfaktoren aus den Bereichen Infrastruktur, Arbeitsmarkt, wirtschaftliches Umfeld, Standortkosten, Verwaltung und allgemeines Umfeld nach Schulnoten bewertet. Die Ergebnisse wurden für den ganzen IHK-Bezirk sowie individuell auch für alle Städte und Landkreise des Bezirks ausgewertet.