Medien-Information

Fehlende Netzanschlüsse sind Wachstumshemmnis

In mehreren Landkreisen fehlen ausreichende Stromnetzkapazitäten

37/2026 vom 17. April 2026
Das Oldenburger Land kann sich durchaus stolz als Vorreiter in Sachen Energiewende und technologischer Neuerungen bezeichnen - eigentlich. Denn während sich die Region als Teil der Initiative „NetZero Nordwest Deutschland“ als Net Zero Valley bewirbt, um den Ausbau und die industrielle Produktion klimaneutraler Technologien zu beschleunigen, legt sich zeitgleich ein Schatten über mehrere Landkreise der Region. Der Grund: Es fehlen ausreichende Stromnetzkapazitäten.
Das Problem: Unternehmen können keine oder nur stark verzögerte Netzanschlüsse erhalten, mit teils jahrelangen Wartezeiten. „Dieses Problem betrifft nicht nur Einzelfälle, sondern ganze Gewerbegebiete und Industrieparks“, sagt Björn Schaeper, Geschäftsführer für den Bereich Energie bei der Oldenburgischen IHK.
Die Folge: Bereits geplante Investitionen werden gestoppt, es entsteht ein Standortnachteil gegenüber anderen Regionen. „Und das sind nur die kurzfristigen Auswirkungen“, sagt Schaeper. Auf lange Sicht betrachtet seien die Folgen noch viel gravierender: „Mittelfristig könnte es zur Abwanderung von Unternehmen und dem Verlust von Arbeitsplätzen kommen. Langfristig gefährdet diese Situation unsere regionalen Initiativen und könnte gar zu einer Verzögerung der Energiewende führen“, befürchtet Schaeper.
Deshalb muss jetzt gehandelt werden, betont IHK-Präsident Jan Müller anlässlich des Jahrespressegesprächs der Oldenburgischen IHK. „Aber da hilft absolut kein Fingerzeig auf einzelne Akteure, sondern da sind Lösungen
gefordert und ein wirkliches Eingreifen notwendig, allen voran von der Politik.“ Notwendig sei ein Bündel an kurz-, mittel- und langfristig wirksamen Maßnahmen, bei denen im Idealfall Kommunen, Land und Bund gemeinsam aktiv werden.
„Wir brauchen eine Beschleunigung des Netzausbaus durch vereinfachte Genehmigungsverfahren und eine deutliche Verkürzung von Planungszeiten“, so Müller. „Und wenn Engpässe im Netzausbau zutage treten, wie etwa durch fehlende Transformatoren, dann braucht es Beschaffungslösungen unter der Zuhilfenahme der öffentlichen Hand.“ Zugleich fordert der IHK-Präsident die Einführung eines einheitlichen, bundesweiten Vergabeverfahrens, das den Reifegrad und die Verbindlichkeit von Projekten berücksichtigt. „Es muss ein Vorrang für wirtschaftlich regional relevante Projekte und Industrieanschlüsse gelten“, findet IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Torsten Slink.
Die IHK will das Thema in den kommenden Wochen und Monaten mit Nachdruck bei den zuständigen Ministerien, Landtags- und Bundestagsabgeordneten platzieren. Zugleich muss aber auch bei den Netzbetreibern dafür geworben werden, das Thema prioritär zu behandeln. „Dabei suchen wir den Schulterschluss mit den betroffenen Kommunen“, so Slink. Bereits jetzt steht niedersachsenweit seitens der Industrie- und Handelskammern eine systematische Erhebung eines Lagebilds auf der Agenda. Zudem soll eine temporäre „Meldestelle“ eingerichtet werden, berichtet Schaeper, damit das Problem fehlender Netzanschlüsse nicht zu einem strukturellen Wachstumshemmnis für die Region wird. Denn: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn der Netzausbau gleichrangig und synchron erfolgt.“
Den gesamten Jahresbericht der Oldenburgischen IHK finden Sie online unter www.ihk.de/oldenburg/jahresbericht25