Medien-Information

Rekord bei Handelshemmnissen

USA werden Bremsklotz, Chancen in Indien und Lateinamerika

36/2026 vom 31. März 2026
Die internationalen Geschäfte deutscher Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. Neue Handelshemmnisse erschweren ihre internationalen Aktivitäten und bremsen ihre Geschäftsentwicklung: Mehr als zwei Drittel der auslandsaktiven Unternehmen (69 Prozent) spüren eine Zunahme – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Trotz einer leichten Stimmungsaufhellung bleiben die Geschäftserwartungen insgesamt im Minus. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen DIHK-Umfrage „Going International 2026“, an der sich bundesweit 2400 international aktive Unternehmen beteiligt haben – darunter auch Unternehmen aus dem Oldenburger Land. Wichtig dabei: Die Befragung lief vom 2. bis zum 13. Februar und damit noch vor Beginn des Krieges im Nahen Osten.
„Die Befragung hat zwar unter anderen Voraussetzungen, als wir sie seit dem Kriegsausbruch im Iran Ende Februar vorfinden, stattgefunden. Doch auch schon davor hatte die geopolitische Situation Auswirkungen auf die Geschäfte im Oldenburger Land“, sagt Felix Jahn, Geschäftsführer der Oldenburgischen IHK für den Bereich Geschäfte weltweit. Zu nennen sei dabei eine zunehmende Reglementierung des EU-Marktes, etwa durch steigende Compliance-Anforderungen wie den CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM oder die auf Ende dieses Jahres verschobene Einführung der EU-Entwaldungsverordnung EUDR. „Der Konflikt im Nahen Osten wird aber sicherlich über die nächsten Monate Auswirkungen auf das Geschäftsklima auch in unserer Region haben“, so Jahn.
Zur Umfrage: Unternehmen, die im vergangenen Jahr mehr Handelshemmnisse in ihrem Auslandsgeschäft festgestellt haben, sehen sich vor allem mit höheren Zöllen konfrontiert. Knapp zwei Drittel dieser Betriebe berichten von steigenden Zollbelastungen – 86 Prozent von ihnen spüren die Auswirkungen besonders deutlich beim Handel mit den USA. Entsprechend stark hat sich die Stimmung eingetrübt. Für viele deutsche Unternehmen ist das US-Geschäft eingebrochen, die Erwartungen für das laufende Jahr liegen auf einem Rekordtief. „Die USA sind inzwischen für Unternehmen zu einem echten Risikofaktor geworden und sorgen für Verunsicherung. Zugleich ist eine langfristige Planung kaum mehr möglich – auch angesichts hoher Zölle“, sagt Jahn.
Neben Zöllen prägen vor allem nicht-tarifäre Handelsbarrieren den Alltag vieler Unternehmen: Besonders häufig genannt werden lokale Zertifizierungsvorschriften (51 Prozent) und strengere Sicherheitsanforderungen (37 Prozent). Auch Exportkontrollen stellen für mehr als ein Drittel der Unternehmen (35 Prozent) eine Herausforderung dar – besonders im US- (41 Prozent) und Chinageschäft (29 Prozent).
Doch nicht nur außerhalb Europas wachsen die Hemmnisse: 83 Prozent der Unternehmen sehen hausgemachte Handelshürden durch EU-Regulierungen als eine Belastung für ihr Auslandsgeschäft: Lieferkettenvorgaben, Berichtspflichten oder Verpackungsregeln treiben Aufwand und Kosten in die Höhe. „Während weltweit neue Barrieren entstehen, verschärfen wir in Europa die Regulierung sogar noch weiter. Das schwächt unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb zusätzlich“, sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Gleichzeitig suchen viele Betriebe gezielt nach neuen Absatzmärkten. Besonders Indien und Teile Lateinamerikas rücken stärker in den Fokus. Das geplante EU-Indien-Abkommen sowie das unterzeichnete EU-Mercosur-Abkommen nähren Hoffnungen auf neue Wachstumsimpulse. „Wer seine Märkte breiter aufstellt, wird widerstandsfähiger gegenüber politischen Risiken“, so Treier. „Unsere Unternehmen sind international wettbewerbsfähig – wenn man sie machen lässt. Entscheidend sind jetzt weniger Bürokratie und mehr Tempo bei Handelsabkommen.“