Wirtschaftsspiegel
Nr. 6946368
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Unternehmen & Märkte

Raus aus der Halle, rein in den Alltag

Zwischen Gemüsereihen fährt ein Roboter über den Acker. Keine Schienen, kein Fahrer, keine Fernsteuerung. Der „Feldfreund“ des Havixbecker Unternehmens Zauberzeug unterscheidet Unkraut von Nutzpflanzen und jätet selbstständig. Landwirte buchen ihn stundenweise als Serviceroboter.

Servicerobotik im Praxiseinsatz

Für Zauberzeug-Gründer Rodja Trappe markiert die Servicerobotik einen Wendepunkt: Roboter werden von Maschinen in kontrollierten Umgebungen zu mobilen Helfern im Arbeitsalltag – dort, wo Menschen fehlen.
Was sich im Gemüsebeet zeigt, setzt sich im Krankenhaus fort: Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Köln und dem Fraunhofer-Institut IML aus Dortmund sowie dem Drohnen-Startup Urban Ray aus Köln arbeitet Zauberzeug daran, Blutproben automatisch von der Station ins Labor zu transportieren. Roboter und Drohnen sollen Strecken überwinden, Erschütterungen minimieren und Fachpersonal entlasten. „So sollte Pflege sein: Menschen kümmern sich um Menschen – den Rest erledigen Maschinen.“
Robotik an sich ist nicht neu, aber ihr Einsatz außerhalb der Produktionshallen schon. Die Servicerobotik bietet einen breiten, diversifizierten Markt. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA aus München sieht klares Wachstum bei gewerblich genutzten Servicerobotern, vor allem bei mobilen Robotern für die Intralogistik, also für Transport- und Logistikaufgaben innerhalb von Betrieben, die 55 Prozent der Systeme ausmachen. Auch Telepräsenz- und Küchenroboter sowie der etablierte Markt der Melkroboter verzeichnen hohe Verkaufszahlen. Insgesamt wuchs die gewerbliche Servicerobotik um 30 Prozent, die medizinische sogar um 36 Prozent.

500.000 Euro und eine Haltungsfrage

Doch die Technologie hat ihren Preis. „Einen Roboter zu entwickeln kostet schnell 500.000 Euro, beim Feldfreund sind es auch schon eher drei Millionen Euro – das lohnt sich nur bei skalierbaren Anwendungen“, sagt Trappe. Gemeint sind nicht nur die Anschaffungskosten, sondern Entwicklung, Integration und Betrieb. Robotik rechne sich nicht im Experiment, sondern erst dort, wo sie dauerhaft Aufgaben übernehme, Prozesse stabilisiere und Personal spürbar entlaste.
Diese Größenordnung verändert den Blick auf Automatisierung. Hohe Investitionen machen Robotik zu mehr als einer technischen Frage. Wer solche Entscheidungen trifft, muss abschätzen, wo Automatisierung trägt – und wo nicht. Genau diese Einordnung fällt vielen Unternehmen schwer, gerade dort, wo KI bereits genutzt wird, ohne strategisch verankert zu sein.
Umso wichtiger wird der gezielte Aufbau von Kompetenz. Nicht flächendeckend, sondern dort, wo Nutzen realistisch ist. Entscheidend ist dabei auch die Haltung auf Führungsebene. „Bei Personalwechseln sollten Unternehmen darauf achten, dass neue Mitarbeiter technologieoptimistisch sind.“
Denn die Dynamik nimmt weiter zu. Insbesondere die künstliche Intelligenz treibt Innovationen in der Automatisierung voran. Die KI in der Robotik wird immer leistungsfähiger, der Einsatz selbstlernender Systeme nimmt zu. Daten aus automatisierten Prozessen zu sammeln und auszuwerten, ermöglicht es Herstellern und Dienstleistern, fundierte Entscheidungen zu treffen und Verfahren kontinuierlich zu verbessern, so Trappe.

Effizienz ohne Überblick

Zwar setzen viele Unternehmen längst KI ein, doch oft ohne klare Leitplanken. Das erlebt Trappe täglich. „In fast jedem Unternehmen gibt es wenigstens eine Schatten-KI“, sagt er. Gemeint sind KI-Anwendungen, die Mitarbeitende eigenständig und unkoordiniert nutzen – etwa für Texte, Präsentationen oder Bilder –, ohne dass der Einsatz abgestimmt, geregelt oder dokumentiert ist. Effizienz entsteht. Transparenz und Kontrolle fehlen.
KI verändert Entscheidungen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen zugleich. Sie betrifft nicht nur die IT-Abteilung, sondern die Unternehmensführung. Sich mit dem Technologiesprung aus KI und Robotik auseinanderzusetzen, ist keine Option, sondern Pflicht. „Man muss KI nicht technisch durchdringen, aber ein Gefühl dafür haben, was passiert. “

TECH.LAND Xperience am 12. März

Die Chance dazu gibt es am 12. März bei der TECH.LAND Xperience im Messe- und Congress Centrum Halle Münsterland in Münster. Unternehmer und Führungskräfte aus Deutschland und den Niederlanden erfahren, welche KI- und Robotik-Anwendungen praxistauglich sind und wo die Grenze zum Experiment überschritten wird. Auf vier Bühnen geht es neben Robotik um smarte Fertigungstechnologien, Chip-Technologie sowie Energie- und Wasserstoffwirtschaft.
Das Cross-Border Innovation Festival versteht sich als Arbeitsformat für Entscheider aus dem deutsch-niederländischen Grenzraum. Rodja Trappe wird auf der Future Tech Stage einen Vortrag zum Thema „Die Zukunft gestalten: Wo Robotik auf KI trifft“ halten und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Auf der Website der TECH.LAND Xperience gibt es das komplette TECH.LAND Xperience-Programm im Überblick.
Tech.Land Xperience