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Vertrauen des Mittelstands in Klimapolitik sinkt
Auf der Energiefachmesse E-World hat Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe aus Münster, eine wachsende Zurückhaltung im deutschen Mittelstand beschrieben. Viele kleine und mittlere Unternehmen zögerten derzeit, in klimafreundliche Technologien zu investieren oder ihre Geschäftsmodelle anzupassen.
In seinem Vortrag ging Perkmann auf verschiedene Herausforderungen bei der Erreichung der Klimaziele ein und nahm dabei vor allem die Politik in die Pflicht, aktuelle Rahmenbedingungen zu überdenken.
Als zentrale Gründe für die Zurückhaltung bei Investitionen nannte Perkmann unsichere politische Rahmenbedingungen, fehlende Planungssicherheit und komplexe Förderprogramme. „Unsichere politische Rahmenbedingungen, fehlende Planungssicherheit und zu komplexe Förderprogramme hemmen Investitionsentscheidungen“, sagte er. Hinzu kämen eine geringe Zahlungsbereitschaft für klimafreundliche Produkte sowie die weiterhin hohe Wettbewerbsfähigkeit fossiler Technologien. Besonders belastend wirkten aus seiner Sicht die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise.
Für viele Unternehmen seien wettbewerbsfähige Energiekosten und verlässliche Rahmenbedingungen Voraussetzung, um größere Investitionen überhaupt prüfen zu können. Auch Westfalen habe eigene Transformationspläne anpassen müssen. Das Unternehmen habe ursprünglich vorgesehen, innerhalb von fünf Jahren rund 500 Millionen Euro in neue Geschäftsfelder zu investieren. In einzelnen Bereichen verlaufe die Entwicklung jedoch langsamer als erwartet, insbesondere beim Wasserstoff. Grüner Wasserstoff sei technisch verfügbar und langfristig relevant, bleibe wegen der hohen Kosten bislang aber auf Nischenanwendungen beschränkt.
Differenziert äußerte sich Perkmann auch zu anderen Technologien. Im Pkw-Bereich sei Elektromobilität etabliert, bei schweren Nutzfahrzeugen sei der technologische Pfad noch offen. In der Wärmeversorgung spiele die Elektrifizierung eine wichtige Rolle. Die Wärmepumpe stehe als effiziente Technologie zur Verfügung, werde derzeit jedoch erneut durch politische Debatten verunsichert.
Ob und wann Investitionen im Mittelstand wieder breiter anlaufen, hängt nach Perkmanns Einschätzung von mehr Klarheit und wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen ab. Wie schnell diese entstehen, bleibt offen.
Die Unternehmenszentrale in Münster
Über die Westfalen-Gruppe
Die Westfalen-Gruppe ist seit mehr als 100 Jahren in den Bereichen Technische Gase, Kälte und Wärme, Tankstellen und Mobilität sowie respiratorische Heimtherapie tätig. Das 1923 in Münster gegründete Familienunternehmen unterstützt mit seinen Produkten und Lösungen die zukunftsfähige Ausrichtung seiner Kundinnen und Kunden. Heute ist Westfalen mit zahlreichen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften an über 20 Produktionsstandorten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Österreich vertreten. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen mit rund 2.300 Mitarbeitenden einen Umsatz von über 2,1 Milliarden Euro.
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
