3 min
Lesezeit
Ein Club für Geschäftsarchitekten
Seit Anfang des Jahres hat der Marketingclub Münster/Osnabrück einen neuen Namen. Er heißt jetzt Marketing-Business-Club Münster/Osnabrück. Warum und warum gerade jetzt, erläutert Club-Präsident Thomas Hans im Interview.
Wirtschaftsspiegel: Herr Hans, was steckt hinter der Umbenennung zum Marketing-Business-Club Münster/Osnabrück?
Thomas Hans: Der neue Name zeigt den inhaltlichen Wandel. Marketing ist längst keine isolierte Funktion mehr, sondern ein zentrales strategisches Steuerungsinstrument für Unternehmen. Mit dem Begriff „Business“ machen wir deutlich, dass es dabei um marktrelevante, ja, oft existenzielle Entscheidungen geht – nicht nur um Kommunikation oder Kampagnen.
Wirtschaftsspiegel: Die Mitgliederversammlung hat vor rund sieben Monaten beschlossen, aus dem Dachverband der Marketing-Clubs auszutreten. Warum dieser Schritt?
Hans: Wir wollten nicht länger Teil eines verbandsgetriebenen Modells sein, nicht länger nur Mitglied, sondern Mitgestalter in unserer Region. Heute können wir Themen, Formate und Kooperationen deutlich agiler und regionaler ausrichten. Wir haben jetzt mehr Freiheiten. Der Austritt war insofern kein Bruch, sondern eine bewusste Weiterentwicklung. Der Dachverband war über viele Jahre eine gute Heimat. Aber die Rahmenbedingungen haben sich massiv verändert – Märkte, Technologien, Geschwindigkeit.
Wirtschaftsspiegel: Was bedeutet das konkret für die Mitglieder?
Hans: Mehr Relevanz. Mehr Nähe. Mehr Wirkung. Unsere Mitglieder bekommen kein vorgefertigtes Programm, sondern gestalten aktiv mit: bei der Themenagenda, bei Veranstaltungsformaten und bei inhaltlichen Schwerpunkten. Das ist ein echter Mehrwert – gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Wert von Marketing als Teil ihrer Geschäftsstrategie verstehen.
Thomas Hans, Präsident des Marketing-Business-Club Münster/Osnabrück.
Wirtschaftsspiegel: Sie sagen: Marketing ist heute strategisches Operieren in Echtzeit. Was meinen Sie damit?
Hans: Marketing findet nicht mehr nachgelagert statt. Daten, KI, Plattformökonomien und verändertes Kundenverhalten zwingen Unternehmen dazu, permanent zu reagieren und vorauszudenken. Marketer werden zu Geschäftsarchitekten: Sie analysieren Märkte, testen Hypothesen, steuern Marken und Erlösmodelle. Wer hier bestehen will, braucht Austausch auf Augenhöhe – jenseits von PowerPoint und Buzzwords.
Wirtschaftsspiegel: Welche Rolle spielt der Club dabei konkret?
Hans: Wir verstehen uns als Regional-Kompass für die Wirtschaft in der Region Münster/Osnabrück. Unsere Region liegt in NRW und Niedersachsen, ist wirtschaftlich stark, aber oft unterschätzt. Im Club bringen wir Mittelstand, Agenturen, Wissenschaft, Start-ups und Verwaltung zusammen. Daraus entsteht mehr als ein Netzwerk – es entsteht eine regionale Kraft für Marketing-Innovation und unternehmerische Zukunftsfähigkeit.
Wirtschaftsspiegel: Ein zentrales Merkmal des Clubs sind physische Formate. Warum setzen Sie so stark auf persönliche Begegnungen?
Weil sie wirken. In Zeiten von Zoom-Müdigkeit und digitaler Dauerbeschallung wird das persönliche Gespräch wieder zum Premium-Asset. Wer hier Mitglied ist, investiert in Beziehungen, die zählen. Unsere Abendveranstaltungen, Firmenbesichtigungen oder Live-Pitches schaffen Vertrauen, Tiefe und echte Beziehungen. Schulter an Schulter entsteht mehr als im virtuellen Raum.
Wirtschaftsspiegel: Der Club spricht gezielt unterschiedliche Disziplinen und Generationen an. Wie wichtig ist diese Vielfalt?
Hans: Enorm wichtig. Marketing ist heute per se transdisziplinär: B2B trifft auf B2C, Online auf Offline, Employer Branding auf Vertrieb. Dazu kommen unterschiedliche Perspektiven – junge Professionals, erfahrene Führungskräfte, Wissenschaft und Praxis. Diese Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für zukunftsfähige Lösungen. Der Club ist ein lebendiges System, kein geschlossener Zirkel.
Wirtschaftsspiegel: Was hat sich sonst geändert?
Hans: Wir sind kein reiner Mitgliederclub mehr, sondern ein aktives Netzwerk von Mitgestaltern. Wer sich engagiert, kann Themen setzen, Formate entwickeln und das Marketing-Bild der Region mitprägen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist das ein klarer Vorsprung. Denn gerade in Krisenzeiten werden Marktanteile verschoben.
Wirtschaftsspiegel: Warum sollten sich Unternehmerinnen und Unternehmer aus der IHK-Region mit dem Marketing-Business-Club beschäftigen?
Hans: Weil Marketing heute über Erfolg oder Stillstand entscheidet. Wer Austausch sucht, Orientierung braucht und bereit ist, Marketing als strategischen Hebel zu nutzen, findet bei uns ein starkes regionales Netzwerk. Nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht digital distanziert, sondern persönlich wirksam.
Kontakt
Redaktion Wirtschaftsspiegel
