Wirtschaftsspiegel
Nr. 7202006
5 min Lesezeit
Nachfolgepreis NRW

Vom Tellerwäscher zum Spitzen-Gastronomen

Aschkan Akbari hat es mit Fleiß, Zielstrebigkeit und klugen Ideen geschafft: Er leitet den Landgasthof „Pleister Mühle“ in Münster und wurde mit dem „Nachfolgepreis NRW“ ausgezeichnet.
„Davon habe ich immer geträumt“, sagt Akbari. Wer mit ihm durch den Gasthof geht – durch die Küche, die Gasträume, den Biergarten mit dem neuen Foodcontainer, spürt, dass hier jemand seine Berufung lebt. Ein Betrieb dieser Größenordnung, den er mit frischen Ideen und Leidenschaft in die Zukunft führt, war sein Ziel. Seit Januar 2024 ist dieser Traum Realität. Der Nachfolger von Bernd und Gabriele Cronrath, die sich aus Altersgründen zurückzogen, überzeugte auch die Jury des Nachfolgepreises NRW. Am 13. Oktober ehrten die IHK NRW und die Bürgschaftsbank NRW Akbari in Hagen mit dem Spitzenpreis in der Kategorie „Mut zum Unternehmertum“.
Im Publikum in Hagen saß auch seine Mutter, Nooschin Tajbakhsch. Sie hat den Grundstein für seinen Erfolg gelegt, betont er: „Sie hat mich immer unterstützt und an mich geglaubt, auch wenn es mal schwierig war. “ Denn Akbaris Werdegang war nicht immer geradlinig. Mit 17 Jahren begann der gebürtige Iraner als Tellerwäscher im „PierHouse“ in Münster. Dort arbeitete er sich zur Küchenhilfe hoch, wurde kurze Zeit später Barkeeper und verinnerlichte schnell die kaufmännischen Grundlagen der Gastronomie. Sein damaliger Chef, Eduardo Medvedev, sagte ihm: „Gastronomie ist wie ein Haus, an dem du baust, aber nie das Dach fertigstellst.“ Genau diese täglichen Herausforderungen reizen Akbari bis heute.

Zahlen und Menschen

„Ich kann gut mit Menschen umgehen, aber auch mit betriebswirtschaftlichen Zahlen“, sagt der Preisträger über sich selbst – beides ideale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Gastronomen. Weder die langen Arbeitszeiten noch die ständige Präsenzbereitschaft schrecken ihn ab. 50 bis 60 Stunden pro Woche sind für ihn normal.
Akbari verfolgte früh das Ziel, selbstständig zu werden. Doch sein erster eigener gastronomischer Betrieb scheiterte nach anderthalb Jahren. Aufgeben kam für ihn jedoch nie infrage „Er macht weiter, auch wenn es schwierig wird“, beschreibt ihn Gabriele Cronrath, seine frühere Chefin. Vor acht Jahren begann er in der „Pleister Mühle“ als Barkeeper und stieg innerhalb kürzester Zeit zum Assistenten der Geschäftsführung auf.
Familie Cronrath glaubte an ihn, förderte ihn und ließ ihm Freiraum für die Entwicklung seiner Ideen für die „Pleister Mühle“. Einige setzte er bereits unter ihrer Leitung um, vieles änderte er nach seinem Aufstieg zum Geschäftsführer. Der Landgasthof war schon unter den Cronraths eine Institution für Naherholung und Events. Gäste kehren nach Radtouren oder Kanufahrten ein, genießen den Biergarten oder die Minigolfanlage.
Aschkan Akbari in seinem Restaurant
Aschkan Akbari leitet seit 2024 den Landgasthof „Pleister Mühle“ in Münster und wurde dafür am 14. Oktober 2026 mit dem „Nachfolgepreis NRW“ ausgezeichnet. © Morsey/IHK
Akbari verbindet Bewährtes mit neuen Impulsen. Er optimiert Eventformate wie den Zauberabend „Hautnah. Magisch. Köstlich.“ oder das beliebte Krimidinner, überarbeitet das Biergartenkonzept, damit alle Generationen sich wohlfühlen, und erweitert das Angebot um hausgemachte Limonaden, neue Cocktails und Aperitifs einschließlich alkoholfreier Varianten sowie vegetarische und vegane Gerichte. Eine neue Kassensoftware optimiert den Wareneinsatz, Hotelzimmer werden renoviert, eine neue Theke eingebaut.

Bestelltöne und Kaffeeautomaten

Auch die Arbeitsabläufe verbessert er. Das Bestellsystem in der Küche wurde digitalisiert, der schrille Bestellton durch eine angenehmere Variante ersetzt. „Ich habe früher oft von diesem Bondrucker-Ton geträumt – jeder in der Gastronomie kennt das. “ Ein Kaffeevollautomat im Frühstücksraum erspart den Gästen unnötige Wartezeit und dem Frühstückspersonal viele Wege.
Das größte Problem bleibt der Personalmangel, vor allem wegen der Arbeitszeiten. „Die Leute wollen am Samstag ausgehen, also muss jemand da sein, der ihnen Essen und Getränke serviert.“ Mit einem Führungsteam aus sechs festen Mitarbeitern treibt Akbari den Betrieb voran. Auch ausgebildet hat er schon selbst und hat dabei die Erfahrung gemacht: „Der perfekte Kandidat kommt selten von allein – als Ausbilder muss man auch kreative Wege gehen, Potenzial erkennen und vor allem auch richtig fördern.“ Als sich vor zwei Jahren eine junge Frau bei ihm bewarb, die mit ihrem Realschulabschluss schon zahlreiche Absagen bekommen hatte, stellte er sie ein. Ähnliche Erfahrungen hatte auch er als 17-Jähriger gemacht. Inzwischen leitet die Auszubildende eigenständig Veranstaltungen: „Sie hat sich zu einer tollen jungen Dame entwickelt, auf die ich besonders stolz bin.“

Seine Ausdauer und sein Wille überzeugten die Cronraths, die auch andere Nachfolgeinteressenten hatten. „Wir hätten uns keinen besseren Bewahrer für unser Lebenswerk wünschen können“, sagt Gabriele Cronrath. Doch Akbari musste auch die Bürgschaftsbank NRW überzeugen, denn ohne Landesbürgschaft hätte er den Betrieb nicht finanzieren können. „Die Nacht vor der Entscheidung war schlaflos“, erinnert er sich. Der Tag der Zusage sei der „glücklichste Tag“ seines Lebens gewesen. In den ersten beiden Jahren steigerte er den Umsatz um zehn Prozent.
Der Nachfolgepreis markiert einen Höhepunkt in Akbaris Karriere. „Damit wird ein Traum wahr“, sagte er bei der Preisverleihung. Für Akbari ist der Preis „die schönste Bestätigung meines bisherigen Handelns und der Beweis, dass Mut sich auszahlt“. Sven Wolf, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, lobte den Preisträger: „Er ist konsequent seinen Weg gegangen und hat sich von keiner Herausforderung beirren lassen.“ Jede gelungene Nachfolge sichere die Zukunft von Unternehmen und Arbeitsplätzen sowie der Region, betonte Wolf.
Doch Akbari sieht sich noch lange nicht am Ziel. „Ich bin noch nicht fertig“, sagt er. Gesundes Wachstum und stetige Weiterentwicklung bleiben sein Ziel. Denn, wie er gelernt hat: „Gastronomie ist wie ein Haus, auf das du nie das Dach setzen kannst. Du musst immer weiterbauen.“
IHK-Serviceangebot Unternehmensnachfolge
Die IHK Nord Westfalen unterstützt Unternehmen vielfältig. Im Angebot sind Informationsveranstaltungen, Einzelberatungen sowie Expertensprechtage zu Steuern & Recht, Finanzierung & Förderung oder Unternehmensbewertung. Außerdem vermittelt sie durch die nexxt-change Unternehmensbörse und den IHK Nachfolge Club potenzielle Nachfolgerinnen oder Nachfolger. Die digitale Plattform Unternehmenswerkstatt NRW (UWD) stellt außerdem Tools für die strukturierte Nachfolgeplanung bereit. Zudem können die Beteiligten die Angebote der IHK-Weiterbildung zur Vorbereitung auf eine Nachfolge nutzen.