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Das Entenimperium im Westmünsterland
In Rhede gibt es mehr Badeenten als Einwohner: Rund 230.000 Quietscheenten lagern hier – bei gerade einmal 19.000 Menschen. Dahinter steckt Bernfried Warning, Betreiber eines der größten Onlineshops für Quietscheenten in Europa.
Am 8. Mai 2025 schaute die Welt nach Rom. Papstwahl. Auch ein Unternehmer aus Rhede verfolgte die Nachrichten ganz genau. Bernfried Warning feilte an einem Prompt für die KI „ChatGPT“, die ihm kurz nach der Verkündung „Habemus Papam“, einen Designentwurf für eine „Leo-XIV.-Badeente“ ausspuckte. Seine Entwürfe schickte er zu einem Produzenten nach China, wenige Tage später waren die Papst-Enten in Rhede. Und Bernfried Warning war der Schnellste mit einer Badeente, die aussieht wie der neue Pontifex.
Warning führt einen der größten Onlineshops für Gummienten in Europa. 3000 verschiedene Modelle finden Privatkunden und Großhändler auf „Duckshop.de“. Die Enten aus PVC und Naturkautschuk im Shop kommen von verschiedenen Herstellern, etwa 20 Modelle sind Eigenproduktionen wie die Papst-Ente. Im Duckshop gibt es Enten zum Schmunzeln, Staunen und Bewundern: Prominente wie Donald Trump, Queen Elizabeth oder Taylor Swift, aber auch Serienhelden, Berufsgruppen oder personalisierte Enten mit Ortsschild. Am besten verkauft sich allerdings ein eher schlichtes Modell: „Unser Bestseller ist die Akademiker-Ente – die wird zum Abitur, Studienbeginn, Bachelor oder Master-Abschluss verschenkt“, erklärt der Unternehmer. Alles, was anlassbezogen ist, verkauft sich gut.
Bernfried Warning aus Rhede verkauft Badeenten – sein Onlinehandel „Duckshop.de“ zählt zu den größten seiner Art in Europa. Viele Kunden kommen aus Frankreich, Israel und den USA.
Vom Entenrennen zum Onlineshop
Angefangen hat bei Warning alles mit Entenrennen: Vor seiner Selbstständigkeit mit dem Duckshop war er Geschäftsführer des Roten Kreuzes im Kreis Borken. Durch das Thema Spendenmarketing wurde er auf sogenannte Duck Races, also Entenrennen, aufmerksam. Ein US-amerikanischer Vertreter dieser Veranstaltungen suchte einen Geschäftspartner für Europa und sprach Warning an. Der Betriebswirt wagte mit einem ehemaligen Studienfreund den Schritt in die Selbstständigkeit. Nach kurzer Zeit trennten sich ihre Wege und Warning orientierte sich mehr in Richtung Gummienten-Verkauf. Seit 2003 bietet er Badeenten im eigenen Onlineshop an.
Seitdem ist viel passiert: Mittlerweile arbeiten 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Duckshop – fünf kümmern sich um den Onlineshop, 15 sind im Lager tätig. Neben dem Büro ist ein kleiner Laden – mehr Showroom als Geschäft. „Wenn es hochkommt, schauen drei Kunden am Tag vorbei“, erklärt der Duckshop-Gründer. 99 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen online. Trotzdem gibt es Fans, die für einen Besuch extra nach Rhede kommen. „Zuletzt ist ein Besucher extra aus Tschechien angereist. Er hat sich hier richtig ausgetobt und Bilder für seine Social-Media-Kanäle gemacht.“ Es gebe eine sehr aktive Sammler-Community, meint Warning. „Wir haben Kunden, die immer, wenn wir etwas Neues haben, innerhalb von 48 Stunden bestellen.“ Das seien zwischen 50 und 100 Leute. Manche Sammler hätten bestimmte Themen, andere kauften jede Ente. „Wir kennen eine Familie aus Heilbronn, die nimmt wirklich jede Ente. Die müssen viel Platz haben.“
Zoll, Amazon und TÜV
Warning verschickt seine Gummienten in die ganze Welt: Besonders viele gehen nach Frankreich, Israel, Österreich, in die Schweiz und die USA. „Wir haben viele Handelskunden in den USA – da haben die Enten noch einen größeren Kult-Faktor als hier“, erklärt der Rheder. Allerdings ist der USA-Versand schwierig geworden: „Kleine Bestellungen von zwei oder vier Enten sind nicht mehr möglich – der administrative Aufwand ist für uns durch die spezielle Zollanmeldung zu hoch geworden“, erklärt er. Für Großhandelskunden (B2B) sei der Mehraufwand aber vertretbar.
Nicht nur die Zollproblematik beschäftigt den Unternehmer im Moment: Das Geschäft auf Amazon macht ihm Sorgen. 2800 verschiedene Badeenten hat der Duckshop als Händler bei Amazon eingestellt. Der Versandriese verlangt künftig für jedes Kinderspielzeug einen TÜV-Testbericht. Da Warning die Enten nicht alle selbst herstellen lässt, fehlen für etliche Enten Berichte. „Wenn ich alle Enten durchtesten lassen müsste, wäre das für mich ein sechsstelliger Betrag“, sagt er. Wahrscheinlich werde sich der Duckshop von Amazon ein bisschen zurückziehen müssen. Warning verkauft seine Gummienten aber auch im Onlineshop von Kaufland, auf eBay und auf der Großhandelsplattform Faire.
Fußballer-Ente, kranke Ente, Adler-Ente: Im Duckshop gibt es 2800 verschiedene Modelle.
Fußballer-Ente, kranke Ente, Adler-Ente: Im Duckshop gibt es 2800 verschiedene Modelle.
Mehr Platz für 230.000 Enten
Und da die Nachfrage trotz Zollproblemen und Amazon-Anforderungen hoch ist, plant der Duckshop-Geschäftsführer für die Zukunft: Er lässt gerade einen Onlineshop programmieren, in dem Kunden personalisierte Enten erstellen können. Mit so einem Shop möchte Warning Unternehmen abholen, die Badeenten als Werbemittel mit eigenem Logo nutzen möchten. Außerdem braucht das Unternehmen mehr Platz: Derzeit lagern die 230.000 Enten in einem ehemaligen Supermarkt in Rhede. Der Duckshop-Betreiber hat bereits ein größeres Lager in Rhede im Auge, um weiter zu wachsen. Mehr Platz für die kleinen, quietschenden PVC-Versionen von Leo XIV., Donald Trump und Co.
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
