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„Sonntagsöffnung ist ein entscheidendes Kriterium“
Supermarkt-Experte Professor Stephan Rüschen über das Konzept von Smart Stores 24/7, ihre Vorteile und die Möglichkeiten einer Sonntagsöffnung.
Wirtschaftsspiegel: Professor Rüschen, erklären Sie uns bitte erst einmal kurz, was Smart Stores 24/7 sind und warum sie im Trend liegen?
Stephan Rüschen: Es handelt sich in der Regel um relativ kleine Läden mit 50 bis 300 Quadratmetern, die zum Teil ohne Personal betrieben werden. Die Kunden kommen über eine App oder eine Kundenkarte in das Geschäft und bezahlen über digitale Kassen. Mit diesem Konzept gelingt es, auch in ländlichen Gebieten, in denen sich immer mehr normale Geschäfte mangels Profitabilität zurückziehen, eine Nahversorgung zu sichern. Die meisten Stores haben ein Sortiment von etwa 1.500 bis 3.000 Artikeln des täglichen Bedarfs. Zudem kooperieren viele mit regionalen Anbietern.
Wie viele Anbieter gibt es aktuell in Deutschland?
Rüschen: Über 1.000 Stores sind in ganz Deutschland mittlerweile aktiv. Die größten Betreiber sind die ENSO eCommerce GmbH (Tante Enso), Tante-M GmbH und Smart Retail Solutions GmbH (teo).
Wie werden die Läden angenommen?
Rüschen: Sehr gut. Nach einer Kundenbefragung, die unser Lehrstuhl im Jahr 2025 durchgeführt hat, wollen etwa drei Viertel der Kunden auf ihren unbemannten Nahversorger nicht mehr verzichten. Sie kaufen im Schnitt 1,6-mal pro Woche im Smart Store ein, und für knapp 40 Prozent ist dieser Einkauf auch mehr als nur ein Notkauf. Am meisten schätzen die Kunden das bequeme Einkaufen, die Erreichbarkeit und die Öffnungszeiten.
Apropos Öffnungszeiten. 24/7 suggeriert, dass die Kunden jeden Tag in den Stores einkaufen können. Was gilt an Sonn- und Feiertagen?
Rüschen: Das ist etwas kompliziert. Weil die Smart Stores 24/7 über eine Ladenfläche verfügen, sind sie Verkaufsräume im Sinne der Ladenöffnungsgesetze der Länder. Wenn diese Gesetze eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen untersagen, dann müssen sich auch die Smart Stores daran halten. Etwas anderes gilt nur für Shops, in denen die Waren ausschließlich über Automaten angeboten werden und die daher keinen klassischen Verkaufsraum haben. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster im vergangenen Jahr entschieden.
Das heißt, es kommt darauf an, was die Länder in ihren Gesetzen regeln?
Rüschen: Richtig. Mit Blick auf den Bedarf zeigt sich in jüngster Zeit indes Bewegung an dieser Stelle. Sechs Bundesländer haben ihr Gesetz mittlerweile zugunsten der smarten Konzepte geändert und die Öffnung an Sonntagen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Dazu zählt insbesondere, dass sonn- und feiertags kein Personal in den Geschäften arbeitet. In Baden-Württemberg und Bayern etwa ist die Öffnung zudem davon abhängig, dass die Verkaufsfläche maximal 150 Quadratmeter groß ist. Eine geplante Novelle in Niedersachsen will die Öffnung unabhängig von der Größe erlauben, den Gemeinden aber die Möglichkeit geben, die Öffnung sonntags auf acht Stunden zu begrenzen.
- Prof. Dr. Stephan Rüschen
Professor Dr. Stephan Rüschen ist seit 2013 Professor für Lebensmittelhandel und Studiengangsleiter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Eines seiner Forschungsschwerpunkte sind automatisierte Store-Konzepte. Vor dem Wechsel in die Wissenschaft war Professor Rüschen in verschiedenen großen Handelsunternehmen tätig, zuletzt als Customer Management Director bei Metro Cash & Carry.
Was gilt in Nordrhein-Westfalen?
Rüschen: Hier ist noch keine Gesetzesreform von der Landesregierung angestoßen worden, aber die Diskussionen sind gestartet. Davon unabhängig gibt es jedoch auch hier verschiedene Stores, die bereits an Sonn- und Feiertagen öffnen. Diese Praxis wird dann jedoch lediglich von den Gemeinden geduldet. Und selbst wenn eine behördliche Genehmigung vorliegt, dann hätte diese vor Gericht in NRW sicherlich keinen Bestand. Es wäre daher hilfreich, wenn auch in NRW eine Rechtssicherheit hergestellt werden würde.
Welche Rolle spielt es für die Investitionsbereitschaft der Anbieter von Smart Stores, ob sie sonn- und feiertags öffnen können?
Rüschen: Eine große. Einerseits hat unsere Umfrage ergeben, dass knapp 95 Prozent der Kunden die Sonntagsöffnung bei ihrem Smart Store 24/7 schätzen. Von den Anbietern wiederum wissen wir, dass sie sonntags bis zu 30 Prozent des Wochenumsatzes machen. Für viele ist die Sonntagsöffnung daher ein entscheidendes Kriterium, um Profitabilität zu erzielen. Im Zweifel werden sich die Anbieter also eher für Standorte in Bundesländern entscheiden, in denen sie in diesem Punkt Rechtssicherheit haben oder eine entsprechende Regelung jedenfalls in Planung ist.
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
