Gründungsidee

Persönlich statt digital

Michael Suer und Peter Risthaus haben ihre App gelauncht: Das perfekte Instrument, um auf Geschäftsreisen private und berufliche Kontakte zu knüpfen beziehungsweise zu finden. (von Ingrid Haarbeck)

Die beiden Gründer haben folgende Situation schon so häufig erlebt: Auf Geschäftsreise sein, den Job für den Tag erledigt, im Hotel angekommen, aber was mache ich jetzt? Und so entstand die Idee zu einer App, mit der man auf Geschäftsreisen ganz einfach in Kontakt kommen kann mit anderen Menschen: Um mit ihnen die Stadt zu erkunden, gemeinsam Sport zu treiben, Essen zu gehen oder womöglich auch weitere interessante Geschäftskontakte zu knüpfen.

Wertschätzung für das „Real Life”

Es ist wohl auch kein Zufall, dass diese Idee der beiden Freunde aus Raesfeld ausgerechnet mitten in der Corona-Pandemie entstand, als Kontakte im realen Leben rar waren und der Wert von echten Begegnungen stieg. Denn Michael Suer ist überzeugt: „Echtes Netzwerken findet von Angesicht zu Angesicht statt.“ Und dabei unterstützt ausgerechnet ein digitales Tool, nämlich die App LetsNet, denn deren Sinn ist eben nicht der digitale Austausch, sondern einzig das Netzwerken mit Gleichgesinnten „in real life“.

Das Schwierigste: Die App-Stores

Von der ersten Idee im Januar 2021 bis zur Unternehmensgründung verging nur ein Jahr. Nach der Marktanalyse wurde das eigentliche Produkt, die App, bei externen Softwareentwicklern in Auftrag gegeben. Im Juni letzten Jahres testeten rund 100 Personen die Beta-Version, im März 2023 gab es eine zweite Testphase. Der Launch der App in den jeweiligen App-Stores erwies sich aufgrund der unterschiedlichen Guidelines als schwieriger als erwartet. Doch das ist jetzt geschafft und der Fokus der Gründer liegt nun auf der User-Gewinnung. Doch trotz all der Herausforderungen, welche die Gründer überwunden haben, stehen auch schon direkt die nächsten vor der Tür.
Überhaupt ist das Start-up-Leben, wie Michael Suer und Peter Risthaus es erleben, nicht ganz so gl amourös, wie manche glauben. „Start-up-Life ist herausfordernd“, ist ihre Erfahrung. Es geht nicht nur um die Entwicklungsarbeit an der App, das Marketing und um die Kontakte, die geknüpft werden müssen. Die Unterstützung für Start-ups ist in Deutschland, so haben es die beiden erfahren, längst nicht so umfassend wie in anderen Ländern: „Eine Freundin konnte in Estland innerhalb von 20 Minuten ihr Unternehmen gründen, andere Gründer-Freunde warten in Deutschland allein vier Monate auf ihre Steuernummer“, beschreibt Suer die unterschiedlichen Gründungsvoraussetzungen.
Michael Suer ist Vollzeit-Gründer, Peter Risthaus arbeitet neben seiner Tätigkeit als angestellter Geschäftsführer in Teilzeit für das Startup.  Aktuell sind die beiden Gründer auf der Suche nach geeigneten Investoren, sind sich jedoch bewusst, dass die App vorab bereits ein paar Tausend User gewinnen muss. „Man braucht viel Durchhaltevermögen“, weiß Suer, „aber das ist nun mal unser „Baby“, und das werden wir jetzt zum Erfolg führen.“

Die Zahl „echter“ Gründungen ist 2022 im Münsterland um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, im Emscher-Lippe-Raum um 6 Prozent zurückgegangen. „Damit hat das Münsterland das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht, aber die Richtung stimmt”, freut sich Sven Wolf, Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmensförderung bei der IHK Nord Westfalen. Im Emscher-Lippe-Raum waren es 2501 Gründungen und damit 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. „Es muss uns in Zukunft gelingen, noch mehr Menschen davon zu überzeugen, dass die Selbstständigkeit ein lohnendes und attraktives Ziel ist”, so Wolf. 
Wer sich für die Selbstständigkeit begeistert, kann sich bei der IHK Nord Westfalen umfangreich beraten lassen: Über die Erstinformation, die Erstellung des Businessplans bis hin zum E-Learning bietet die IHK mit ihren STARTERCENTERN NRW in Münster und Gelsenkirchen ein umfangreiches Unterstützungsangebot. 

Das Produkt: LetsNet – App
Mit der App kann ich Kontakte knüpfen zu Menschen, die sich in meiner Nähe aufhalten und mit mir netzwerken, Sport treiben, Essen gehen oder die neue Stadt erkunden wollen.
Der Nutzer gibt ein paar grundlegende Informationen ein (Branche, Interessen, Sprachen), lädt ein Foto hoch, schaltet bei Bedarf seinen Standort frei und gibt sich einen Farbcode („suche Networking“, „suche Sport-Begleitung“, „suche Begleitung zum Essen und Trinken“ oder „suche Afterworks-Begleitung“).
Der Unterschied zu anderen Matching-Apps: Es geht ausdrücklich nicht um das Dating, daher wird auch nicht „geswipt“ oder nach Geschlecht sortiert, auch Fotos können nicht verschickt werden. In meiner direkten Nähe sichtbare Personen kann ich direkt anschreiben. Auch die Geolocation von Google kann direkt eingebunden werden: Ich markiere dort beispielsweise das Restaurant für das Treffen, so dass nicht zwischen verschiedenen Apps gewechselt werden muss.
Die Grundfunktionen der App sind frei, gegen Gebühr gibt es aber auch einen werbefreien Business-Account mit erweiterten Funktionen. Möglich sind auch zeitlich beschränkte Premium-Zugänge von Tages- bis zu Jahres-Abos.

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Redaktion Wirtschaftsspiegel