Fachkräfte mit Innovationskompetenz können wertvolle Impulse für die digitale Transformation geben. Mit dem Weiterbildungsangebot „Zert-Ex“ hat die IHK Nord Westfalen über 200 Teilnehmenden diese Kompetenz vermittelt. Das Modellprojekt war so erfolgreich, dass es nun in das reguläre Weiterbildungsangebot der IHK eingeht und um eine Komponente für die Führungsebene ergänzt wird. | Text: Dominik Dopheide
„Der schnelle Wandel der Wirtschaftswelt wird von Digitalisierung, Fachkräftemangel, Energiekostenanstieg und konjunkturellen Herausforderungen angetrieben“, erläutert Projektorganisatorin Katharina Schilling. Somit sei es für Unternehmen erfolgsentscheidend, dass neue Ideen in hoher Geschwindigkeit entstehen und umgesetzt werden können. Auf diese Anforderung hat die IHK die Zert-Ex-Inhalte zugeschnitten. Auch in den wissenschaftlichen Auswertungen zum Modellprojekt zeigte sich: „Immer ist die Veränderungsbereitschaft als wichtigste Kernkompetenz für die digitale Transformation genannt worden“ berichtet Katharina Schilling.
Nicht Technik oder Tabellenkalkulation standen also an erster Stelle in den Zert-Ex-Weiterbildungsmodulen, sondern Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und Kooperation – und somit auch moderne Methoden wie Design Thinking und Agiles Arbeiten. Sie können helfen, in einer komplexen Welt gemeinsam schnell zu handeln. „Transformation ist Teamwork“, betont Schilling und fügt an: „Beim Mindset-Shift, also der Veränderung von Einstellung und Verhalten, komme ich alleine nicht weit.“
And Action!
Ulli Schmäing, Abteilungsleiter Weiterbildung der IHK Nord Westfalen. Wie aber können Veränderungsbereitschaft und Veränderungsfähigkeit vermittelt und gelernt werden? Würden 84 Stunden Frontalunterricht der alten Schule zu einem Kreativitätsschub führen? Natürlich nicht, antwortet Schilling. Moderne Weiterbildung profitierte von neuen Medien und Methoden mit hohem Motivationseffekt, darunter Simulationstrainings und Webinare. „Action Learning“ war bei Zert-Ex das Mittel der Wahl – handlungsorientiert, spielerisch, praxisnah und interaktiv. „Nicht beschallen lassen, sondern aufstehen und sich aus der Komfortzone bewegen“, erklärt Ulli Schmäing den Ansatz. „Lernen 4.0 bedeutet aktive Bereitschaft“, erläutert der Leiter der Weiterbildung der IHK Nord Westfalen. Buchstäblich von den Stühlen also hat der Kurs die Fachkräfte gerissen und sie mitgenommen in die agile Arbeitswelt. Die ist im Schulungsraum schnell geschaffen. Schließlich lassen sich komplexe Herausforderungen auch kneten oder gemeinsam im Rollenspiel meistern – wenn denn das Team sich auf einen Lösungsweg verständigen kann. „Kommunikationskompetenz ist oft entscheidend“, sagt Schmäing.
Vier Jahre lang hat die IHK insgesamt knapp 200 Nachwuchsfachkräfte in den Bereichen Innovationskompetenz sowie Digitalisierungskompetenz geschult. „Zert-Ex“ war ein zusätzlicher, freiwilliger Baustein der Lehrgänge für Industriemeister, Wirtschaftsfachwirte und Technische Betriebswirte. Die Lehrgänge wurden federführend von der DIHK-Bildungs-gGmbH entwickelt und fanden bundesweit an sieben Standorten statt – darunter Bocholt und Münster. Das Modellprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des bundesweiten InnoVET-Wettbewerbs für eine exzellente berufliche Bildung ausgewählt und mit insgesamt 3,4 Millionen Euro über vier Jahre gefördert.
Ziel von Zert-Ex war zum einen, Teilnehmenden Innovationskompetenz zu vermitteln, die sie zur Gestaltung der (digitalen)Transformation benötigen und zum anderen einen Weg aufzuzeigen, wie Lehrgangsinhalte schneller aktualisiert und an die Bedarfe der Unternehmen angepasst werden können. Ab 2025 wird der Lehrgang unter dem neuen Namen „Digitale Kompetenzwerkstatt IHK“ verfügbar sein.
Ansprechpartner für diese Weiterbildungen ist Katharina Schilling. Sie informiert über Dauer, Kosten und Möglichkeiten sowie Inhouse-Angebote für Unternehmen. katharina.schilling@ihk-nordwestfalen.de, 0251 707 331
Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist die IHK verpflichtet auf weitere Anbieter hinzuweisen. Diese finden Sie u.a. im Weiterbildungs-Informations-System (WIS).
Barrieren im Betrieb
Katharina Schilling, IHK-Projektorganisatorin Als große Herausforderung hat sich allerdings mancherorts auch der Transfer des Erlernten ins Unternehmen erwiesen. „Bereits im Laufe des fünfmonatigen Lehrgangs haben viele der Teilnehmenden festgestellt, dass sie bei der Umsetzung neuer Ideen Hürden überwinden müssen“, berichtet Schilling. Der Motivationsverlust sei messbar. So hat eine Befragungsrunde drei Monate nach Kursende gezeigt, dass 58 Prozent der Teilnehmenden ihre Ideen einbringen wollten. Rund 32 Prozent der Zert-Ex-Absolventen melden: „Als ich die Verbesserung von Produkten oder Prozessen angeregt habe, bin ich im Betrieb auf Widerstand gestoßen.“ Schmäing und Schilling warnen vor einem Teufelskreis: Mangelnde Veränderungsbereitschaft im Unternehmen könne zur Abwanderung der Innovationstreiber führen. Dieser Verlust würde das Defizit an Wandlungsfähigkeit weiter verstärken. Genau deshalb will die IHK jetzt auch die Veränderungsbereitschaft der Führungskräfte fördern und sie zu „Transformationsmentoren“ ausbilden. „Wir bauen eine Brücke von der Weiterbildung ins Unternehmen, weil Transformationsprozesse nur im Schulterschluss über Hierarchieebenen hinweg funktionieren“, erklärt Schmäing. So können Innovationen auf dem Weg der Weiterbildung ihre Wirkung im Unternehmen optimal entfalten.