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Italien wartet nicht
Sebastian Euchenhofer ist stellvertretender Geschäftsführer der DEinternational Italia Srl, der Dienstleistungsgesellschaft der AHK Italien mit Sitz in Mailand. Am 26. Juni beim IHK-Ländersprechtag Italien in der IHK Nord Westfalen in Münster zeigt er, wie Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region den Markteinstieg erfolgreich vorbereiten können.
Wirtschaftsspiegel: Herr Euchenhofer, welche Aufgaben haben Sie bei der AHK Italien?
Sebastian Euchenhofer: Ich verantworte bei der DEinternational Italia Srl. den Bereich Market & Business Development. Mein Team und ich begleiten deutsche Unternehmen beim Markteintritt in Italien und unterstützen beim Ausbau. Wir suchen passende Vertriebs- und Lieferpartner, organisieren Delegationsreisen und unterstützen auch bei komplexeren Vorhaben, etwa bei Übernahmeprozessen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen tragfähige Geschäftsbeziehungen schaffen und Unternehmen beim Wachstum in Italien begleiten.
Wirtschaftsspiegel: Wie würden Sie den Markt in Italien beschreiben? Und was macht ihn im internationalen Vergleich besonders interessant?
Euchenhofer: Viele denken bei Italien zuerst an gutes Essen, Mode oder Urlaub. Dabei wird oft übersehen: Italien ist einer der wichtigsten Industriestandorte Europas. Das Land ist zweitgrößter Fertigungsstandort Europas und stark in Maschinenbau, Automobilzulieferung, Pharma, Lebensmitteln und Mode.
Interessant ist auch die Art, wie in Italien gearbeitet wird. Deutsche Unternehmen planen oft sehr gründlich. Italienische Partner entscheiden häufig schneller und lösen Probleme pragmatisch. Wenn Struktur und Tempo zusammenkommen, entsteht ein echter Vorteil.
Gerade für Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region ist Italien interessant. Viele Unternehmen aus Nord-Westfalen sind industriell geprägt, mittelständisch aufgestellt und international erfahren. In Norditalien treffen sie auf starke Partner, Kunden und Zulieferstrukturen.
Wirtschaftsspiegel: Welche Branchen bieten die größten Chancen?
Ein zweites Feld sind Energie und Infrastruktur. Erneuerbare Energien, Wasserstoff, Bahn und Schiene bieten viele Ansatzpunkte für deutsche Technologieanbieter. Italien investiert stark in die Bahn: Der staatliche italienische Eisenbahnkonzern Ferrovie dello Stato Italiane aus Rom hat bis 2029 Investitionen von 100 Milliarden Euro angekündigt.
Hinzu kommen Medizintechnik, E-Health, Raumfahrt und Industrie 4.0 beziehungsweise 5.0. Italien fördert Investitionen in digitale Produktion und Energieeffizienz über den Transition-5.0-Plan.
Besonders gute Chancen sehen wir derzeit in vier Feldern: Sicherheit und Verteidigung, Energie, Bahntechnik und Infrastruktur sowie Gesundheitswirtschaft und Medizintechnik. Dort sind spezialisierte Anbieter aus Deutschland gefragt.
Wirtschaftsspiegel: Welche Herausforderungen sollten Unternehmen beim Einstieg in den italienischen Markt beachten?
Euchenhofer: Der italienische Markt ist attraktiv, aber umkämpft. „Made in Germany“ hat weiter einen guten Ruf. Das allein reicht aber nicht. Italienische Unternehmen sind in vielen Bereichen selbst stark, etwa im Maschinenbau, in der Bahntechnik oder bei industriellen Zulieferungen. Deutsche Anbieter brauchen deshalb ein klares Profil. Ohne erkennbaren Vorteil wird der Einstieg schwer. Gute Chancen haben Unternehmen mit Speziallösungen, technologischem Vorsprung oder klarer Nische. Wer das sauber herausarbeitet, kann in Italien langfristig erfolgreich sein.
Wirtschaftsspiegel: Welche kulturellen Besonderheiten spielen im Geschäftsalltag in Italien eine wichtige Rolle?
Euchenhofer: Kommunikation ist ein Schlüssel. In Deutschland läuft vieles schriftlich, direkt und mit klaren Fristen. In Italien zählt der persönliche Austausch stärker: im Gespräch, am Telefon oder per WhatsApp. Auch Beziehungen spielen eine große Rolle. Italienische Partner schätzen Verlässlichkeit und Struktur. Deutsche Unternehmen sollten nicht belehrend auftreten. Augenhöhe ist wichtig. Wer offen auftritt, zuhört und auch Selbstironie zeigt, baut schnell Vertrauen auf. Das ist oft die Basis für gute Geschäfte.
Euchenhofer: Als offizielle Vertretung der deutschen Wirtschaft in Italien schafft die AHK Italien Netzwerke und organisiert jährlich rund 100 Veranstaltungen. Die Dienstleistungsgesellschaft DEinternational Italia begleitet Unternehmen beim Markteintritt. Sie unterstützt bei der Suche nach Geschäftspartnern, Lieferanten und Unternehmen oder Chancen für Fusionen und Übernahmen, Delegationsreisen und beantwortet Fragen zu Buchhaltung und Regulierung. Mit Dual.Concept fördert die AHK Italien zudem die duale Ausbildung in Italien und unterstützt beim Recruiting. Wenn es keine Standardlösung gibt, suchen wir nach einem passenden Weg. Unternehmen können sich mit ihren Fragen an uns wenden.
Wirtschaftsspiegel: Warum lohnt es sich, den Ländersprechtag zu besuchen?
Euchenhofer: Der Ländersprechtag am 26. Juni in Münster bietet etwas, das keine Recherche ersetzt: ein persönliches Gespräch zur eigenen Situation. Generell steht der Sprechtag allen Unternehmen mit Fragen zum italienischen Markt offen. Speziell jedoch Betrieben aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region, die in industriellen Sektoren und in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, Windenergie, erneuerbare Energien und Wasserstoff, Bahntechnik und Infrastruktur, Gesundheitswirtschaft oder Medizintechnik tätig sind. Im Gespräch lässt sich klären: Passt mein Produkt zum italienischen Markt? Welche Region ist interessant? Welche Partner kommen infrage? Und welche Hürden sollte ich vor dem Markteintritt kennen? Informationen findet man online schnell. Vertrauen und echtes Verständnis entstehen im Gespräch.
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