Wirtschaftsspiegel
Nr. 7226746
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Praxis & Ratgeber

Frauen holen beim Investieren auf

„Über Geld spricht man nicht.“ Mit diesem Satz wuchs Katharina Brunsendorf nach eigenen Angaben auf. Heute verdient sie ihr Geld damit, über Geld zu sprechen. Vor allem mit Frauen. Beim dritten Female Finance Day am 28. Oktober in Münster warb die Head of Content von der digitalen Investmentplattform Scalable Capital dafür, die eigenen Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Denn wer Rücklagen hat, kann leichter den Job wechseln, eine Beziehung verlassen oder etwas Neues wagen. „Finanzen sind Lebensplanung“, sagt Brunsendorf.
Brunsendorf
Katharina Brunsendorf von Scalable Capital ermutigte Frauen beim Female Finance Day in Münster, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Rat: klein anfangen und Schritt für Schritt Vermögen aufbauen.
Organisiert hatte den Female Finance Day das Unternehmerinnennetzwerk Frauen u(U)nternehmen aus Münster. Dessen Vorsitzende Margret Homann begrüßte die Teilnehmerinnen gemeinsam mit IHK-Vizepräsidentin Isabelle Habla Töns in der IHK Nord Westfalen. Beide betonten, wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit für die Selbstbestimmung von Frauen und ihre wirtschaftliche Teilhabe ist.

Weniger Geld, weniger Zutrauen

Frauen haben im Schnitt 300 Euro weniger im Monat zur freien Verfügung als Männer. Das zeigt die Studie „Female Finance 2026“ des Bundesverbands deutscher Banken. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit und übernehmen mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Das hat Folgen für die Altersvorsorge: Nur 54 Prozent der Frauen erwarten, im Alter finanziell gut oder sehr gut abgesichert zu sein. Bei Männern sind es 66 Prozent.
Hinzu kommt die Unsicherheit beim Investieren. Laut Bankenverband schätzen 68 Prozent der Frauen ihr Wissen über die Börse als gering ein, bei Männern sind es 39 Prozent. Brunsendorf kennt diese Vorbehalte. „Weder zu Hause noch in der Schule habe ich gelernt, wie man Geld anlegt“, sagt sie. Erst im Berufsleben merkte sie, dass Investieren nicht so kompliziert sein muss, wie sie dachte.

Immer mehr Frauen investieren

Doch die Entwicklung macht Mut. Laut Bankenverband besaßen 2024 erst 25 Prozent der Frauen Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere. Anfang 2026 waren es bereits 31 Prozent. Bei den Männern lag der Anteil mit 47 Prozent allerdings weiterhin deutlich höher.
Auch beim digitalen Finanzdienstleister Scalable Capital wächst der Frauenanteil. Nach Angaben von Brunsendorf waren anfangs sieben Prozent der Kundschaft weiblich, inzwischen sind es 30 Prozent. „Mehr als drei Viertel der Kundinnen besitzen börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die das Geld auf viele Wertpapiere verteilen. Fast 60 Prozent investieren regelmäßig über einen Sparplan“, erklärt sie.
Brunsendorfs Rat: „Wer langfristig Vermögen aufbauen will, muss nicht ständig Aktienkurse verfolgen. Wichtiger sind ein klarer Plan und eine breite Streuung.“

Den Elefanten in Scheiben schneiden

Was also tun, wenn einem die Börse fremd ist? Brunsendorf rät, zuerst die eigenen Finanzen zu ordnen und zu klären, wofür man sparen will. Erst dann gehe es um die passende Anlage: „Das Thema Finanzen ist ein riesiger Elefant. Macht ein Elefanten-Carpaccio daraus: Schneidet ihn in dünne Scheiben und geht sie Stück für Stück an.“