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Eine unschlagbare Kombi
Beim Einstieg im Familienbetrieb galt sie als „TvC“, „Tochter vom Chef“: Daniela Schultze schmunzelt heute darüber. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Vater POINT OF FOOD und zeigt, wie eine Nachfolge gelingt.
Das Thema Nachfolge brennt: In fast 50 Prozent der inhabergeführten Familienunternehmen im Bezirk der IHK Nord Westfalen sind die Inhaberinnen und Inhaber älter als 55 Jahre. Deshalb ist absehbar, dass 41.000 Betriebe in den kommenden zehn Jahren den Generationenübergang an der Unternehmensspitze regeln müssen. Nicht überraschend war daher das große Interesse am 10. IHK-Forum Unternehmensnachfolge. Mehr als 250 Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch Übernahmeinteressierte waren gekommen.
Erfahrung gepaart mit Dynamik
Eine oft naheliegende Lösung ist die Übergabe innerhalb der Familie. Peter und Daniela Schultze lieferten dazu beim Forum ein Erfolgsbeispiel. Der Vater hatte 1989 den POINT OF FOOD Lebensmittelvertrieb in Recklinghausen gegründet, 2015 holte er seine Tochter Daniela mit ins Boot. Er schwärmt: „Wir haben die Erfahrung des Seniors und die Dynamik des Juniors. Das ist eine unschlagbare Kombi.“
Dabei hat Peter Schultze seine Tochter nie dazu gedrängt, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Druck wäre ein Fehler, er kennt „unglückliche Menschen, die übernehmen mussten“, obwohl sie nicht wollten. „Den Unternehmen hat das auch nicht gut getan.“ Daniela Schultze machte erst einen Bachelor in International Business Management und anschließend ihren Master in Business Development. Sie arbeitete in den Niederlanden, Frankreich, den USA und in Asien, lernte einen großen Konzern und neue Branchen kennen. „Das Konzernleben ist nichts für mich“, stellte sie dabei fest – im Gegensatz zu ihrer Zwillingsschwester, die mittlerweile für ein großes Unternehmen arbeitet.
„Eine unschlagbare Kombi“: Peter Schultze hat mit seiner Tochter Daniela Schultze eine Nachfolgelösung gefunden und bildet mit ihr die Doppelspitze bei POINT OF FOOD.
Erinnerung ans Pizzabacken
Daniela Schultze wollte lieber in kleineren, schnelleren und flexibleren Strukturen arbeiten, als sie im Alter von 25 Jahren nach Recklinghausen zurückkehrte. Und natürlich spielte die Verbundenheit zum Betrieb und seinem wichtigsten Produkt eine Rolle: „Meine erste Erinnerung als Kind ist, wie ich mit meinem Vater Pizza gebacken habe.“ POINT OF FOOD beliefert Großhandel und Catering mit dem italienischen Nationalgericht, sowohl in Deutschland als auch im Ausland.
Die Internationalisierung hatte mit dem Einstieg der Tochter und ihren Auslandserfahrungen richtig Fahrt aufgenommen. Und auch aus den Konzernen hat sie einiges mitgebracht, was sie heute als „Professionalisierung“ des Familienbetriebs bezeichnet. Neue Prozesse wurden eingeführt, zum Beispiel das Einkaufsmanagement auf den neuesten Stand gebracht oder eine Marketingabteilung aufgestellt, die sich um Verkaufsunterlagen und Webseite kümmert.
„Mir erzählt keiner was“
Der Start im Familienbetrieb ist dabei nicht unbedingt einfacher als „TvC“ – Tochter vom Chef. „Ich musste drei- bis viermal so viel tun, um Akzeptanz zu erreichen“, blickt sie zurück. Sie stieg nicht direkt als Geschäftsführerin, sondern als Abteilungsleiterin ein und lernte alle Bereiche kennen. Davon profitiert sie noch immer: „Ob es um Technik oder Vertrieb geht, mir kann keiner was erzählen“, lacht sie. Die anfängliche Frage in der Belegschaft – „Kann die das?“ – werde schon lange nicht mehr gestellt.
Mittlerweile führt sie POINT OF FOOD gemeinsam mit ihrem Vater, der sich sukzessive aus der Verantwortung herausziehen will. Sein Tipp: „Nicht blocken, sondern auch das ausprobieren, was einem beim ersten Hören schräg vorkommt.“ Das funktioniert – meistens jedenfalls. „Wir haben keine Regel, wer von uns entscheidet“, erklärt Daniela Schultze. Sind sie sich uneinig, was durchaus vorkommt, setzen sich Vater und Tochter zusammen und sprechen. „Kommunikation ist das A und O“, allerdings auch nicht einfach. Denn wegen des Auslandsgeschäfts ist sie viel unterwegs.
Die Firma als drittes Kind
Wichtig ist das gegenseitige Verständnis: „Das Unternehmen ist sein drittes Kind. Er hat den Grundstein für das gelegt, was ich heute mache“, sagt Daniela Schultze über ihren Vater. Er räumt wiederum ein, dass es ihm manchmal schwer fällt, „die Füße still zu halten“. Als Gründer sei es besonders schwierig, loszulassen.
Die 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten in Recklinghausen und in den Niederlanden blicken gelassen auf den Generationswechsel. „Wir haben immer offen darüber gesprochen, in welche Richtung wir das Unternehmen entwickeln möchten“, erklärt Daniela Schultze. Die Belegschaft wisse: „Die haben einen Plan.“
Das 10. IHK-Forum Unternehmensnachfolge in Bildern
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
