Wirtschaftsspiegel
Nr. 6981330
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Praxis & Ratgeber

Der weite Weg zur Lehrstelle

Mauricio steht in einer Werkhalle im Münsterland. Er kommt aus Honduras. Er lernt hier einen technischen Beruf – und sagt offen: Vielleicht gehe ich eines Tages zurück. Sein Traum ist eine eigene Firma in der Heimat.
Im Studio der WDR-Lokalzeit Münsterland stellt sich Ende Februar die Frage: Lohnt sich das für Betriebe, wenn Auszubildende später möglicherweise wieder gehen?
Carsten Taudt, Geschäftsbereichsleiter Bildung, Fachkräftesicherung und Recht bei IHK Nord Westfalen antwortet klar: „Ein guter Auszubildender ist während der Ausbildungszeit selbst ein Gewinn für den Betrieb.“
Viele der jungen Menschen würden zunächst mehrere Jahre bleiben, so Taudt. „Sie wollen hier arbeiten und Geld verdienen. Deshalb werden sie auf jeden Fall eine Zeit lang hierbleiben.“
Und selbst eine spätere Rückkehr könne positive Effekte haben: „Dann entsteht für den Betrieb eine Verbindung nach Mittelamerika – das kann durchaus hilfreich sein.“

Auswahl mit Anspruch

Die jungen Leute kommen gezielt ins Münsterland. Partner ist eine Schule in Honduras, die technische Berufe annähernd nach deutschem Standard anbietet.
Die Schule wählt leistungsstarke und engagierte Schülerinnen und Schüler mit Deutschkenntnissen aus. Die IHK sucht passende Betriebe und bringt beide Seiten zusammen.

Integration ist anspruchsvoll

Für einen wirklich nachhaltigen Erfolg ist viel zu organisieren. „Man kann sich kaum vorstellen, wie aufwendig das am Ende ist", sagt Taudt. Manche Azubis waren zu Beginn sogar bei IHK-Mitarbeitern gemeldet. „Unsere Ausbildungsberater stehen in engem Austausch mit den Betrieben", betont Taudt. Manchmal besuchen sie die jungen Leute auch einfach in ihrer Wohngemeinschaft.
Internationale Ausbildungspartnerschaften ersetzen keine heimische Nachwuchssicherung – aber sie ergänzen sie dort, wo Betriebe sonst keine Bewerber finden. Mut gehört dazu. Auf beiden Seiten.