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ChatGPT kennt Sie nicht!
Lange war der Weg klar: Wer etwas wissen wollte, ging zu Google. Suchbegriff eintippen, Trefferliste durchsuchen, Link anklicken. Heute stellen immer mehr Menschen ihre Frage direkt an KI-Systeme wie ChatGPT oder Claude. Laut der KI-Studie 2025 des TÜV-Verbands machen das 72 Prozent der Deutschen so.
Diese Entwicklung verändert die digitale Sichtbarkeit grundlegend: Systeme wie ChatGPT recherchieren nicht nur, sie gewichten und verdichten Informationen. Ihre Antworten sind das Ergebnis einer algorithmischen Bewertung, wie unter anderem Google erklärt. Unternehmen müssen daher nicht nur gefunden werden, sondern auch darauf achten, wie KI-Systeme ihre Leistungen, ihre Rolle und ihre Glaubwürdigkeit darstellen.
Markus Hövener, Geschäftsführer der Agentur Bloofusion Germany GmbH aus Emsdetten, bestätigt dies: „Die Suche verändert sich, verteilt sich neu.“ Hövener erklärt: „Obwohl die Suchergebnisse immer häufiger direkt die Antwort geben, scheint es in Summe mehr Suchvolumen zu geben.“ Das liegt auch daran, dass KI die Hürde zum Suchen senkt: Wer schnell eine Antwort bekommt, fragt oft weiter, recherchiert zusätzlich bei Google, in der KI oder direkt auf Websites.
Erst die Antwort, dann der Klick
André Brömmel, Geschäftsführer der Werbeagentur Punktmacher aus Gladbeck, sieht das anders: „Die Veränderung ist real und messbar. Klassischer organischer Traffic auf informationsgetriebenen Seiten sinkt.“ Dazu gehören zum Beispiel Anleitungen oder Ratgeberseiten. „In manchen Branchen sind 20 bis 30 Prozent Rückgang keine Ausnahme mehr“, sagt er. Wer nur auf sein Google-Ranking schaue, würde nicht sehen, „wie sich die Spielregeln grundlegend ändern.“
Brömmel erklärt: „Klassisches SEO zielt darauf ab, in Suchergebnislisten weit oben zu stehen. GEO zielt darauf ab, von KIs wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews als Quelle zitiert zu werden.“ Sein Bild dafür: „SEO sorgt dafür, dass Sie im Regal stehen. GEO sorgt dafür, dass der Verkäufer – die KI – Ihr Produkt aktiv empfiehlt.“
Vor allem dort, wo Websites Sichtbarkeit mit allgemeinen Erklärtexten aufgebaut haben, wird es eng, so Brömmel. Das betrifft zum Beispiel „Kanzleien, Steuerberater, Versicherungsmakler, IT-Dienstleister“. Hövener sieht hingegen Medien unter Druck. „Am schlimmsten geht es sicherlich den Publishern. Diese haben durch die Änderungen wohl am meisten Sichtbarkeit eingebüßt.“ Grundsätzlich hätten aber „alle Unternehmen Problemen, die primär für informationale Suchanfragen gefunden werden wollen“. Shops spürten die Veränderung wegen der „vielen transaktionalen Suchen“ bislang weniger stark.
Punktmacher-Chef Brömmel kennt ein Rezept gegen Druck: „Wer echtes Praxiswissen, eigene Daten oder konkrete Fallbeispiele veröffentlicht, hat deutlich bessere Karten. Diese Inhalte kann eine KI nicht selbst generieren. Sie muss sie zitieren.“ Für den Mittelstand steckt darin eine Chance. Wer spezifisches Fachwissen hat und es sauber veröffentlicht, kann gegenüber großen, aber austauschbaren Plattformen gewinnen, so Brömmel.
So wird Ihre Website KI-fit:
André Brömmel, Geschäftsführer der Werbeagentur Punktmacher aus Gladbeck.
Nur kein Aktionismus
André Brömmel, Geschäftsführer der Werbeagentur Punktmacher aus Gladbeck.
Genau darum wird die eigene Website immer wichtiger. Brömmel sagt: „Sie ist der Rohstoff.“ KI-Systeme lesen Website-Inhalte, verarbeiten sie und formen daraus ihre Antwort. „Ohne aktuelle, gut strukturierte Inhalte greift die KI auf veraltetes Trainingswissen zurück“, so Brömmel.
Was ist also zu tun? Brömmel sagt, eine KI und jeder Leser sollten „in den ersten Sätzen verstehen, worum es geht und was die Seite liefert“. Hövener schärft denselben Gedanken mit Blick auf die Textform. „Die Suchmaschinen suchen nach Wissenspäckchen, also kleinen Textblöcken, die sie verwerten können. Wer also einfach nur Fließtext schreibt, wird in den KI-Antworten kaum vorkommen.“ Doch Brömmel warnt: „Der verbreitetste Fehler ist Aktionismus.“ Hövener untermauert: „Der wichtigste Tipp ist wohl der, dass man sich nicht verrückt machen lässt.“
Hinzu kommt das Thema Vertrauen. Brömmel: „Für Unternehmen bedeute das, Experten sichtbar zu machen, Referenzen zu veröffentlichen und Quellen sauber offenzulegen.“ Hövener sieht darin ebenfalls eine Grundbedingung: „Damit man in KI-Suchergebnissen vorkommen kann, muss man als Quelle ausgewählt werden. Und dafür zählen die altbekannten Faktoren nach wie vor.“ Mit den „altbekannten Faktoren“ meint Hövener die klassischen Qualitäts- und Vertrauenssignale im Netz: fachlich starke Inhalte, erkennbare Expertise, Autorität in einem Thema und eine Website, die insgesamt als glaubwürdige Quelle gilt.
Darauf läuft der Wandel hinaus: Nicht mehr nur die Suchmaschine entscheidet über Sichtbarkeit, sondern auch die KI, die Informationen auswählt, verdichtet und in eine Antwort gießt. SEO trägt weiter. Aber es trägt nicht mehr allein. Wer in diesem neuen System vorkommen und dort korrekt zitiert werden will, muss so klar schreiben, dass die KI sofort erkennt: Das bietet dieses Unternehmen an, dafür ist es zuständig, dieses Problem löst es – und deshalb ist es eine glaubwürdige Quelle.
- Fachbegriffe der modernen Suche
GEO (Generative Engine Optimization)
Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Antwortmaschinen wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews. Ziel ist nicht mehr nur ein guter Platz in der Trefferliste, sondern dass die KI das Unternehmen als Quelle zitiert.SEO (Suchmaschinenoptimierung)
Maßnahmen, um eine Website in Suchergebnissen von Google oder Bing möglichst weit oben erscheinen zu lassen. Dazu zählen u.a. relevante Inhalte, klare Struktur und technische Optimierung.Google AI Overviews
KI-generierte Antworten, die Google seit 2024 oberhalb der klassischen Suchergebnisse anzeigt. Sie fassen Informationen aus mehreren Quellen zusammen – Nutzer müssen nicht mehr weiterklicken.Organischer Traffic
Besucher, die über unbezahlte Suchergebnisse auf eine Website kommen – im Gegensatz zu bezahlten Anzeigen.Informationale Suchanfragen
Nutzer suchen Wissen: „Wie funktioniert X?", „Was ist Y?". KI-Antworten übernehmen hier oft die Rolle der klassischen Website.Strukturierte Daten (schema.org)
Markierungen im Website-Code, die Maschinen helfen zu verstehen, worum es auf einer Seite geht. Beispiel: Eine FAQ wird als FAQ gekennzeichnet, ein Autor als Autor – so können KI-Systeme die Inhalte besser verwerten. Standard dafür ist schema.org.
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