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Die Zeit läuft für den Digitalen Produktpass
Der Digitale Produktpass macht mehr sichtbar als Material oder Möglichkeiten zur Reparatur und zum Recycling. Er zeigt auch, wie gut Unternehmen ihre Daten im Griff haben.
„Das eigentliche Problem liegt nicht im QR-Code, sondern häufig im Unternehmen selbst, beziehungsweise in deren Datenhygiene“, sagt Thomas Rödding, Unternehmer und Experte für den Digitalen Produktpass.
Den Rahmen dafür setzt die EU mit der Ökodesign-Verordnung, die seit dem 18. Juli 2024 gilt. Für weitere Produktgruppen arbeitet sie die Regeln Schritt für Schritt aus. Im Arbeitsplan bis 2030 stehen unter anderem Stahl, Aluminium, Textilien, Reifen, Möbel und Matratzen. Die genauen Pflichten folgen über eigene Rechtsakte. Einen Stichtag für alle gibt es nicht. Es ist ein Weg mit vielen Gabelungen.
Der QR-Code ist nicht das Problem
Thomas Rödding hat sich bereits auf diesen Weg begeben. Er ist Gründer und CEO der Narravero GmbH mit Sitz in Münster. Sein Unternehmen entwickelt Lösungen für Lieferkettentransparenz sowie für die Erstellung und Veröffentlichung Digitaler Produktpässe. Narravero bereitet sich auf den Digitalen Produktpass als Infrastruktur für KI-Systeme vor. Rödding berät Unternehmen zum Digitalen Produktpass und arbeitet in europäischen Standardisierungsgremien an den Grundlagen dafür mit. Dabei spricht er auch unbequeme Wahrheiten aus. „Das eigentliche Problem“, sagt Rödding, „liegt nicht im QR-Code, sondern häufig im Unternehmen selbst, beziehungsweise deren Datenhygiene.“
Was dicke Anleitungen füllt, passt auf einen Smartphone-Bildschirm: Der Digitale Produktpass macht es möglich.
Auf der IHK-Fachseite zum Digitalen Produktpass erklärt Rödding, welche Anforderungen und Chancen der Digitale Produktpass für Unternehmen mit sich bringt.
Denn Unternehmen brauchen mehr als einen QR-Code und eine Datentabelle. Rödding spricht von „einer soliden Infrastruktur, um das Datenmanagement zu beherrschen“. Wer glaubt, das betreffe nur Hersteller, irrt.
Auch Importeure, die Produkte unter eigener Marke verkaufen, tragen Verantwortung. Händler müssen sicherstellen, dass Kunden den Pass abrufen können. Kaum jemand, der Produkte auf den Markt bringt, bleibt unbeteiligt.
Register für Zoll und Behörden:
Aus Pflicht wird Kundenkontakt
Doch in der Pflicht liegt auch eine Chance. Rödding verweist darauf, dass Unternehmen dieselben Daten einmal digitalisieren und anschließend mehrfach nutzen können – etwa für Behörden, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner sowie Kundinnen und Kunden. Besonders wichtig findet er, dass auch freiwillige Informationen möglich sind. „Freiwillige Daten sind willkommen“, sagt Rödding. Dazu zählen etwa Hinweise zu Ersatzteilen, Reparaturen, Upgrades oder zum Weiterverkauf.
So wird der Produktpass zur dauerhaften Verbindung zu Kundinnen und Kunden nach dem Kauf. Wer zum Beispiel Reparaturen erleichtert und Service verständlich macht, bleibt im Kontakt. Das Unternehmen bleibt präsent, wenn Kunden später erneut eine Lösung suchen. Der Digitale Produktpass verbleibt dauerhaft am Produkt und macht Besitzerwechsel mit.
Der Digitale Produktpass als Datengrundlage für KI-Systeme
Zudem suchen immer mehr Menschen nicht nach Produktnamen, sondern beschreiben ihre Bedürfnisse. KI-Systeme filtern Produktdaten und machen daraus Vorschläge. Wer verlässliche und maschinenlesbare Produktdaten liefert, wird sichtbarer. Wer schlechte Daten liefert, fällt zurück. Der Digitale Produktpass liefert die Infrastruktur für saubere, maschinenlesbare Daten und wird heute schon als „trust source“ für KI-Systeme gehandelt.
Thomas Rödding ist Gründer und CEO der Narravero GmbH mit Sitz in Münster.
Wer wann einen Digitalen Produktpass braucht
| Produkt | voraussichtliche Annahme - Endprodukte |
|---|---|
| Textilien / Bekleidung | 2027 |
| Möbel | 2028 |
| Reifen | 2027 |
| Matratzen | 2029 |
| Produkt | voraussichtliche Annahme - Zwischenprodukt |
|---|---|
| Eisen / Stahl | 2026 |
| Aluminium | 2027 |
IHK-Ansprechpartnerin:
Dr. Lydia Terborg
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
