Wirtschaftsspiegel
Nr. 7100994
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Praxis & Ratgeber

Iran-Experte fordert Druck auf Machtelite

Beim zweiten W-Talk am 25. Juni analysierte der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad (PhD) die Machtstrukturen des iranischen Regimes, die Rolle der Revolutionsgarden und die begrenzten Handlungsoptionen des Westens. Die Diskussion im vollbesetzten Auditorium des FIEGE X-Docks zeigte: Europa sollte weniger auf Beschwichtigung setzen – und stärker auf gezielten Druck gegen Machtelite und Oligarchie.
Der zweite W-Talk widmete sich der Frage, wie der Iran die Welt herausfordert. Im Gespräch mit dem Leiter des Ressorts Weltwirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dr. Christoph Hein, analysierte der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad das iranische Regime als theokratisch legitimierte Oligarchie mit mafiösen Machtstrukturen. Die Revolutionsgarden seien „keine nationale Armee, sondern eine Armee des Regimes“.
Mit-Initiator Jörg Heithoff begründete den W-Talk als Format für persönlich geführte, faktenbasierte Debatten: „Wir wollen unaufgeregt ein bisschen genauer hinsehen.“ Dr. Christoph Hein betonte den Anlass des Abends: „Alle reden über Trump. Über den Iran wissen wir viel zu wenig.“ Auf die Frage, was Deutschland und Europa tun könnten, plädierte Fathollah-Nejad für gezielteren Druck: Man könne „die gezielten Sanktionen gegen die Machtelite“ verstärken und müsse die iranische Oligarchie auch in Europa stärker in den Blick nehmen.
Gastgeber Dr. Hugo Fiege betonte, dass geopolitische Krisen längst konkrete Folgen für Unternehmen haben: Globale Lieferketten müssten „resilienter werden“. Nicht nur für ein internationales Logistikunternehmen sei dies keine theoretische, sondern eine tägliche Herausforderung.
Der Politologe Fahollah-Nejad warnte vor einer in Deutschland verbreiteten Fehldeutung der aktuellen Lage nach dem Konflikt des Iran mit den USA und Israel: Hier sehe man den Iran teilweise als „Sieger“. Aber: „Survival is not strength“, so Fathollah-Nejad. Das Überleben des Regimes bedeute nicht, dass es stabil oder stark sei. Entscheidend sei die „unüberbrückbare, irreversible Kluft zwischen Staat und Gesellschaft in Iran“.

Was ist der W-Talk?

Der W-Talk ist eine Debattenreihe zu Wirtschaft, Wandel und Weltlage. Das Format von Jörg Heithoff und Dr. Christoph Hein richtet den Blick auf internationale Entwicklungen und ihre Folgen für Europa und die westfälische Wirtschaft.