Wirtschaftsspiegel
Nr. 7190304
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Standort & Politik

Merz, Wüst und Rutte demonstrieren Stärke gegenüber Russland

Die NATO und die internationale Jugendbewegung socioMovens sind am 1. Oktober im Historischen Rathaus zu Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 ausgezeichnet worden.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm den Preis stellvertretend für das Bündnis entgegen. Die Laudatio hielt Bundeskanzler Friedrich Merz. Er überreichte anschließend gemeinsam mit Dr. Reinhard Zinkann, Vorstandsvorsitzender der ausrichtenden Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), die Preis Statue.
Der Jugendpreis ging an socioMovens für ihr Engagement zur Begegnung, sozialen Verantwortung und den europäischen Zusammenhalt. Die Laudatio hielt Kardinal Michael Czerny, Migrationsbeauftragter des Heiligen Stuhls.
Der von der WWL verliehene Preis ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an die beiden Preisträger. Mit der Auszeichnung wird die NATO als stabilisierender und verlässlicher Partner in einer Zeit globaler Unsicherheit gewürdigt. Im Mittelpunkt stehen die gemeinsame Verantwortung demokratischer Staaten, die Bindung an Regeln und die Fähigkeit, Partnerschaften über Grenzen hinweg zu stärken. Das Preisgeld der NATO kommt einer gemeinnützigen Organisation in der Ukraine zugute.

Mark Rutte nimmt Auszeichnung für NATO entgegen

In der Eröffnungsrede des Festakts in der „Friedensstadt Münster“ machte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst deutlich, dass dauerhafter Frieden diplomatische Beharrlichkeit, glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit und Vertrauen zwischen Staaten und Gesellschaften voraussetzt.
„Frieden und Sicherheit in Europa stehen wieder unter großem Druck. Von außen, das wissen wir spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine. Aber auch von innen. Populisten und Extremisten greifen die Werte an, auf denen unser friedliches Europa steht“, so Wüst.
Nach der Eröffnung stand zunächst die Ehrung von socioMovens auf dem Programm. Anschließend hielt Bundeskanzler Friedrich Merz die Laudatio auf die NATO. NATO Generalsekretär Mark Rutte nahm die Auszeichnung persönlich entgegen.
In seiner Laudatio schlug Bundeskanzler Merz die Brücke vom Westfälischen Frieden zur heutigen Rolle der NATO. „Die NATO ist bis heute vor allem anderen eine Allianz der Freiheit. Sie steht auch in der Tradition von Münster und Osnabrück. Sie schützt unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Sie dient dem Frieden“, sagte Merz.
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg.
Zugleich betonte der Bundeskanzler die wachsende Verantwortung Europas und Deutschlands innerhalb des transatlantischen Bündnisses. „Deutschland ist willens, fähig und bereit, in einem erneuerten Bündnis mehr Verantwortung zu tragen. Es leistet seinen Teil dazu, die NATO europäischer zu machen, damit sie transatlantisch bleibt“, erklärte Merz.
Auf den Krieg in der Ukraine bezogen fand Merz ebenfalls deutliche Worte, adressiert an die russische Führung. Denn Russland breche in der Ukraine mit äußerster Brutalität die grundlegendsten Regeln des Völkerrechts und der europäischen Ordnung. „Einigkeit und Recht und Freiheit wollen wir auch gegenüber einer russischen Politik bewahren und beschützen, die diese Werte fürchtet, verachtet und immer hemmungsloser attackiert.“
„Umso weniger werden wir uns durch Cyberangriffe, Drohnen und Online-Propaganda beeindrucken lassen. Wir stellen uns auf weitere hybride Angriffe ein, auch auf schwere. Kämen sie, dann würden wir wie nach Leipzig schnell und sehr klar antworten“, so Merz weiter.
In seiner Dankesrede unterstrich Mark Rutte die Bedeutung des Bündnisses für die Sicherheit und den Zusammenhalt seiner Mitgliedstaaten seit mehr als 75 Jahren.
Die NATO stehe dabei nicht nur für militärische Fähigkeiten, sondern auch für das politische Versprechen, dass demokratische Staaten füreinander einstehen und kein Mitglied einem Aggressor allein gegenübertreten muss.
„Meine Botschaft lautet: Weitermachen und die Ukraine unterstützen. Wir sind gut aufgestellt um jeden Zentimeter zu verteidigen. Putin will einschüchtern und herausfordern aber es wird ihm nicht gelingen“, so Rutte.
Das Bündnis stehe zu seinen Partnern wie ein westfälisches Pferd mit Stärke, Geschwindigkeit und Ausdauer. Es gehe um die essentiellen Fähigkeiten der NATO und dazu gehöre auch die Teamarbeit aller Mitgliedsstaaten. „Ein Angriff gegen einen ist ein Angriff gegen alle und baue auch auf die deutsche Standfestigkeit“, rief Rutte den mehr als 400 Gästen zu.

Jugendpreis für socioMovens – Giving Europe a Soul

Das internationale Jugendnetzwerk mit Wurzeln in Mittel- und Osteuropa bringt seit 2012 junge Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. In sozialen Projektwochen, Bildungsangeboten und Begegnungen verbindet socioMovens die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen mit praktischem Engagement.
Kardinal Michael Czerny würdigte in seiner Laudatio die Bedeutung von Begegnung, Bildung und sozialer Verantwortung für den Frieden. „Europa braucht moralische Orientierung. Europa braucht seine Seele.“ Die Auszeichnung von socioMovens sei ein Zeichen der Hoffnung und der Anerkennung für eine junge Generation, die Verantwortung übernimmt, Vorurteile überwindet und Brücken zwischen Gemeinschaften und Völkern baut.

Frieden braucht Dialog, Regeln und Wehrhaftigkeit

In seinem Schlusswort stellte Dr. Reinhard Zinkann, Vorstandsvorsitzender der WWL, die beiden Auszeichnungen in den historischen Zusammenhang des Westfälischen Friedens von 1648. 378 Jahre nach dem Friedensschluss von Münster und Osnabrück müsse Frieden als gemeinsame Aufgabe verstanden werden – für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und jede Generation.
Zinkann verwies auf die Spannungen, die das politische und gesellschaftliche Handeln heute prägen: den Wunsch nach Frieden und die Notwendigkeit, ihn zu schützen. Die NATO stehe für das Versprechen, dass demokratische Staaten füreinander einstehen und Sicherheit gemeinsam organisieren. Der Jugendpreis erinnere zugleich daran, dass Bündnisse und Verträge allein nicht ausreichen: Frieden werde von Menschen gelebt. An die jungen Menschen im Saal richtete Zinkann den Appell: „Betrachtet Europa nicht als etwas Fertiges. Betrachtet Frieden nicht als etwas, das Euch von vorherigen Generationen übergeben wurde und nun einfach bestehen bleibt. Macht ihn zu Eurer Aufgabe.“
„Frieden braucht Dialog. Frieden braucht Regeln. Frieden braucht wirtschaftliche Stärke. Frieden braucht Wehrhaftigkeit. Und Frieden braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung für ihn zu übernehmen“, fasste Zinkann die Botschaft des Festakts zusammen.
Frieden braucht diejenigen, die ihn schützen. Und Frieden braucht diejenigen, die ihn leben.