Jahresbericht 2025

Regionalpolitik im Westmünsterland

Am Standort Westmünsterland der IHK in Bocholt ist die Regionalpolitik für das westliche Münsterland angesiedelt. Die betreuten Kreise Borken und Coesfeld werden häufig als Westmünsterland bezeichnet – eine wirtschaftlich starke Region mit eigenen Chancen und Herausforderungen.
Getragen von einem starken produzierenden Gewerbe findet man hier einen breiten Branchenmix aus kleinen und mittelständischen Betrieben. Vom exportstarken Industrieunternehmen über den umtriebigen Händler bis hin zu kreativen IT-Unternehmen und Dienstleistern ist alles dabei. Auch die Grenznähe hat sich zu einer echten Chance entwickelt. Kaum zwei andere Länder auf der Welt haben so eng miteinander verbundene Volkswirtschaften wie unsere und die der Niederlande. Der intensive Warenaustausch ist ein deutlicher Beleg dafür, wie wichtig offene Grenzen für die Wirtschaft sind – besonders für grenznahe Regionen.

Netzwerkarbeit

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Standorts Westmünsterland, insbesondere der dort angesiedelte Regionalbeauftragte, dienen als Ansprechpartner für Unternehmen, Politik und Verwaltung in den Kreisen Borken und Coesfeld. Sie halten Kontakt zu verschiedenen Netzwerken und bauen diese kontinuierlich weiter aus. Im Rahmen verschiedener Seminare, Angebote und Veranstaltungen trat die IHK sowohl als ausrichtender Partner (Unternehmerfrühstücke, Aussteller auf den Gewerbeschauen) als auch als regelmäßiger Teilnehmer bei wirtschaftlich und politisch wichtigen Veranstaltungen auf, um sich für die Interessen der regionalen Wirtschaft einzusetzen.
Aktiv ist die IHK auch im Bündnis für Familie in Bocholt, bei dem junge Menschen Betriebe besuchen können, um diese sowie deren Ausbildungsberufe kennenzulernen. Insgesamt nutzten knapp 200 Personen das von der IHK begleitete Angebot, und rund 20 Unternehmen in und um Bocholt öffneten für sie ihre Türen.

Fördergesellschaft Westmünsterland der Hochschule in Bocholt/Ahaus e.V.

Die IHK engagiert sich zudem in der Geschäftsführung der Fördergesellschaft Westmünsterland der Hochschule in Bocholt/Ahaus e. V.. Mehr als 200 Mitglieder – Kommunen, Unternehmen, Privatpersonen und Professoren – engagieren sich in der 1990 gegründeten Fördergesellschaft und setzen sich dafür ein, jungen Menschen in der Region eine qualifizierte Ausbildung zu bieten, Nachwuchskräfte zum Studieren, Bleiben und Arbeiten hierher zu locken und Wirtschaft und Wissenschaft für den Wissenstransfer miteinander zu verknüpfen. IHK-Standortleiter Dr. Fabian Schleithoff ist seit September 2025 der neue Geschäftsführer der Fördergesellschaft Westmünsterland der Hochschule in Bocholt/Ahaus e.V.
Jährlich werden aktuell über 100.000 Euro an den Campus Bocholt der Westfälischen Hochschule ausgeschüttet, z. B. für Stiftungsprofessuren, Ausstattung, Auslandssemester, Auszeichnungen und Veranstaltungen. Auch die „Junge Uni“ in Bocholt, mit der junge Menschen an MINT-Themen herangeführt werden, wird finanziell gefördert. Mit einer Stiftungsprofessur unterstützt die Fördergesellschaft seit 2024 den neuen Studiengang „Sustainable Engineering and Management“.
Auch 2025 unterstützte die IHK Nord Westfalen erneut die International Matchingmesse auf dem Campus der Westfälischen Hochschule am Standort Bocholt und war dort vertreten. Unter den Ausstellern befanden sich zahlreiche lokal und regional verwurzelte Unternehmen wie Benning, Flender, Fiege, Jemako, Lück, Kemper, Kip und Sinnack. Ergänzt wurde das Ausstellerfeld durch niederländische Unternehmen aus dem Achterhoek, darunter Hittech Bihca, Nijhuis Sauer Industries sowie das Netzwerk Smarthub Achterhoek.

75 Jahre IHK im Westmünsterland – Eine Erfolgsgeschichte des Strukturwandels

Im September 2025 feierte die IHK Nord Westfalen gemeinsam mit mehr als 130 Gästen im Hotel Tenbrock in Gescher ihren 75. Geburtstag im Westmünsterland – ein wichtiger Meilenstein für die Kreise Borken und Coesfeld. Seit 1950 ist die IHK hier mit einem eigenen Standort in Bocholt präsent – damals entschieden sich 83 Prozent der regionalen Unternehmen für die Zugehörigkeit zur IHK Münster, um eine stärkere lokale Wirtschaftsvertretung aufzubauen.
In der Festveranstaltung wurde die bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung der Region hervorgehoben: Das einst textile Westmünsterland hat sich heute zu einem der wirtschaftlich stärksten Räume Nordrhein-Westfalens gewandelt.
Die Landräte der Kreise Dr. Kai Zwicker (Kreis Borken) und Dr. Christian Schulze Pellengahr (Kreis Coesfeld) würdigten die IHK als verlässlichen Partner – etwa beim zügigen Vorantreiben wichtiger Infrastrukturprojekte wie dem Bau der B 67n. IHK-Präsident Lars Baumgürtel unterstrich zugleich die aktuellen Herausforderungen: Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, fordert die IHK vor allem mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit seitens der Politik.
Ein personeller Wechsel rundete den Abend ab: Dr. Fabian Schleithoff trat seine neue Rolle als Leiter des IHK-Standorts Westmünsterland an, während Sven Wolf, bisheriger Standortleiter, als stellvertretender Hauptgeschäftsführer die Geschäftsstelle der IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen übernimmt.

Deutsch-Niederländische Zusammenarbeit

Der Kreis Borken hat im Westen eine insgesamt 108 Kilometer lange Grenze zu den Niederlanden. Für den grenznahen Standort Westmünsterland ist es daher unerlässlich, sich mit den Akteuren und Institutionen der niederländischen Anrainergemeinden kontinuierlich über aktuelle Entwicklungen im direkten Grenzgebiet auszutauschen. Denn für eine weiterhin positive Entwicklung der Region ist die Zusammenarbeit über die Grenze ein zentraler Faktor. „Denken in Kreisen, nicht in Halbkreisen bis zur Grenze“ ist daher das Credo der IHK-Aktivitäten vor Ort. Die deutsch-niederländische Zusammenarbeit ist eine Erfolgsgeschichte für das Westmünsterland. Die Regionalpolitik der IHK konzentrierte sich auch 2025 verstärkt auf die Intensivierung des grenzüberschreitenden Austauschs.
Dies spiegelte sich insbesondere in der Vertiefung der Kontakte zu niederländischen Gemeinden und Netzwerken wider. Die IHK ist in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen aktiv, beispielsweise im EUREGIO-Ausschuss für Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie im Beirat des deutsch-niederländischen Interreg-VI-Projektes „Euregionaler Kenniswerkplaats EKW“. Zudem nahm die IHK in diesem Jahr an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Symposiums „Euregionale Bildung“ teil.
Das im vergangenen Jahr gemeinsam mit Steps in Gronau, INNTwente und INNTerregio initiierte Format „CrossBorder Entrepreneurs“ wurde 2025 erfolgreich zweimal auf niederländischer und einmal auf deutscher Seite durchgeführt. Es bot einen intensiven Austausch zwischen Unternehmen und trug dazu bei, den Standort Westmünsterland weiter zu stärken und erfolgreiche grenzüberschreitende Kooperationen fortzuführen.
Die regelmäßigen Besuche bei der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft verdeutlichen, wie gut der Standort inzwischen in die deutsch-niederländischen Netzwerke eingebunden ist. Darüber hinaus befindet sich seit diesem Jahr eine grenzüberschreitende Partnerschaft zwischen einem deutschen Unternehmen und einer niederländischen Schule im Aufbau.