Jahresbericht 2025

Außenwirtschaft

Außenwirtschaft allgemeiner Trend

Die Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region sind eng in den globalen Handel integriert und profitieren von dieser internationalen Vernetzung. In den vergangenen Jahren traten jedoch neue Risiken dieser starken Abhängigkeit deutlich zutage. Die Verwundbarkeit bei strategisch wichtigen Gütern, der zunehmende weltweite Protektionismus sowie wachsende geopolitische Spannungen haben verhinderten, dass das Auslandsgeschäft der nordwestfälischen Unternehmen zusätzliche Dynamik entfalten konnte.
Dabei sind Warenexporte in zwei wichtigen Absatzmärkten, USA und China, in2025 eingebrochen. Der Rückgang der Exporte in die USA hing wesentlich mit der aggressiven Zollpolitik der Trump-Administration zusammen. Hohe Zölle verteuerten deutsche Produkte und drückten die Nachfrage. In China wirkten mehrere Faktoren gleichzeitig: Chinesische Anbieter haben in wichtigen Industriezweigen aufgeholt, hinzu kamen staatliche Subventionen und ein gegenüber dem Euro unterbewerteter Yuan. Diese Wettbewerbsverzerrungen verschlechterten die Absatzchancen deutscher Unternehmen spürbar.

Außenwirtschaftsdokumente und Carnet A.T.A.

Der Trend wird auch in den Zahlen der von der IHK ausgestellten Außenwirtschaftsdokumenten deutlich. 32.739 Ursprungszeugnisse und sonstige Außenwirtschaftsbescheinigungen wurden von der IHK ausgestellt. Damit bewegt man sich noch auf ähnlichem Niveau wie im Jahr 2024.
Mit dem volldigitalen Ursprungszeugnis (dUZ) steht Unternehmen nunmehr eine vollständig digitale öffentliche Urkunde zur Verfügung. Unternehmen können seit Oktober 2025 das Ursprungszeugnis einfach downloaden und per Mausklick an Behörden und Handelspartner senden – rechtsverbindlich und international verifizierbar, komplett ohne physische Dokumente.
Zudem erfolgte zum Jahreswechsel 2026 eine vollständige Digitalisierung des internationalen Zollverfahrens Carnet ATA – von der Antragstellung bis zur abschließenden Abwicklung des "Re-Imports" der vorübergehend eingeführten Güter. Damit sollen in Zukunft lediglich die Carnet-App und ein QR-Code ausreichen, der aus den Daten der Antragstellung generiert und verschlüsselt wird. Dieser QR-Code kann dann vom Zoll elektronisch abgelesen und die Ware abgefertigt werden – ganz ohne Papier. Erste Schritte Richtung Schweiz und dem Vereinigten Königreich wurden erfolgreich getestet.
Rund 430 Carnet ATA, dieser „Zollpassierscheinhefte“ stellte die IHK Nord Westfalen auch 2025 wieder für Ihre Mitgliedsunternehmen aus. Dies entspricht einem Bürgschaftswert von mehr als 26 Millionen Euro. Wieder Spitzenreiter im Länderranking war das Vereinigte Königreich, gefolgt von der Schweiz und den USA.

Umsetzung politischer Vorgaben

CBAM

Die Umsetzung der CO2-Grenzausgleichsbesteuerung (CBAM) belastete die heimischen Unternehmen auch weiterhin in 2025. Durch Intervention der IHK-Organisation konnte erreicht werden, dass die Importschwelle für die unter CBAM fallenden Waren auf 50 Tonnen/jährlich angehoben wurde. Ab 2026 gilt somit ein Schwellenwert von 50 Tonnen relevanter Grund- und Rohstoffe pro Jahr. Damit entfällt für 90 Prozent der Unternehmen künftig die Pflicht zur Teilnahme am CBAM und der damit verbundene bürokratische Aufwand. Die enorme Entlastung geht einher mit der Einhaltung der Klimaziele und trägt zu fairen Wettbewerbsbedingungen der deutschen und europäischen Wirtschaft bei.

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz / EU-Lieferkettenrichtlinie

Im Jahr 2025 war das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) weiterhin für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden verbindlich anzuwenden. Die Bundesregierung leitete am 3. September 2025 eine Novellierung des Gesetzes ein, die deutliche Vereinfachungen für Unternehmen vorsieht. Der Gesetzentwurf umfasst unter anderem die vollständige und rückwirkende Abschaffung der Berichtspflicht sowie die Streichung von neun der bisher dreizehn Bußgeldtatbestände. Das BAFA stellte daraufhin die Prüfung und Einreichung von Unternehmensberichten ein und kündigte an, Bußgelder nur noch bei besonders gravierenden Menschenrechtsverletzungen zu verhängen.
Begleitend veröffentlichte das BAFA mehrere neue Hilfsmaterialien, darunter ein Merkblatt zu Brancheninitiativen, ein FAQ-Papier zum risikobasierten Vorgehen sowie eine Handreichung zu Standards, Audits und Zertifizierungen.
Die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) blieb 2025 politisch relevant. Eine nationale Umsetzung steht weiterhin aus und wird nach wie vor eine erneute Anpassung des LkSG erforderlich machen.
Um die Unternehmen bestmöglich auf die Umsetzung vorzubereiten, wurden gemeinsam mit dem Helpdesk für Wirtschaft und Menschrechte 4 Workshops in Gelsenkirchen und Münster durchgeführt.

EUDR - EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten

Dieser Rechtsakt, bereits 2023 in Kraft getreten, ist Teil und Schlüsselelement des Green Deal der EU und soll sicherstellen, dass alle Produkte, die auf den EU-Markt gelangen, dort verkauft, oder aus der EU exportiert werden, entwaldungsfrei sind. Das Jahr 2025 war von erheblichen Umsetzungsherausforderungen geprägt. Unternehmen, Mitgliedstaaten und Verbände meldeten anhaltende Schwierigkeiten bei der Geolokalisierungspflicht, beim Aufbau des neuen EU-Informationssystems sowie bei der praktischen Umsetzung der umfangreichen Sorgfaltspflichten, insbesondere für KMU. Diese Bedenken führten zu steigender politischer Dynamik: Die Europäische Kommission legte eine gezielte Überarbeitung der EUDR vor, um Anwendungstermine zu verschieben und die administrativen Anforderungen zu reduzieren. Im Dezember 2025 einigten sich Rat und Parlament schließlich auf eine provisorische politische Vereinbarung zur Vereinfachung des Rechtsakts. Kernpunkte dieser Einigung sind die Verschiebung der Anwendungspflichten auf den 30. Dezember 2026 (mit zusätzlicher Frist für Kleinst- und Kleinunternehmen), die Konzentration der Due-Diligence-Verantwortung auf den ersten Inverkehrbringer, die Einführung vereinfachter Erklärungen für kleine Primärerzeuger sowie die Herausnahme bestimmter gedruckter Produkte aus dem Geltungsbereich.

Gremienarbeit

Außenwirtschaftsausschuss

Unter der neuen Leitung von Saredin Seine trafen sich die Mitglieder des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Nord Westfalen zu 2 Sitzungen in 2025. Standen bei der Frühjahrssitzung im März bei der Weicon GmbH, Münster, die Themen US-Handelspolitik und EU-Bürokratieentlastung im Fokus, so fand die Herbstsitzung in den Niederlanden statt. Neben dem Besuch des Rotterdamer Hafens führte der Ausschuss Gespräche mit dem Gründerzentrum & Incubator YES!Delft sowie der AHK in Den Haag.

Exportclub

Der Exportclub der IHK Nord Westfalen bietet Unternehmensvertretern ein Forum, in dem sie Erfahrungen austauschen und sich über aktuelle Entwicklungen in der Außenwirtschaft informieren können.
Die Mitglieder des Exportclubs trafen sich 2025 zwei Mal. In den Sitzungen am 8. Mai und am 6. November wurde neben aktuellen Zoll- und Außenwirtschaftsthemen über die Strafzölle in den USA, die Digitalisierung von Außenwirtschaftsdokumenten, das Omnibus-Paket, sowie die F-Gas Verordnung diskutiert.

ERFA-Kreis Zoll

Die Zollexperten der größten Unternehmen des IHK Bezirks Nord Westfalen trafen sich im Februar zum alljährlichen Erfahrungsaustausch. Neben den Verschärfungen der Russlandsanktionen standen die Themen CBAM, die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten sowie die Genehmigungsvorbehalte bei Ausfuhren von Teillieferungen auf der Tagesordnung und wurden lebhaft diskutiert.

#IHKinternationalTuesday

Die Kurzwebinarreihe #ihkinternationaltuesday, ein Format der IHK Nord Westfalen, in dem über außenwirtschaftliche Themen in der Region Nord-Westfalen und darüber hinaus informiert wird, erfreute sich auch in 2025 allgemeiner Beliebtheit. Die Folgen 23 – 33 wurden von durchschnittlich 80 Unternehmen besucht. Die Aufzeichnungen der Veranstaltungen sind über den YouTube-Kanal „Webinare der IHK Nord Westfalen“ in der Playlist International weiter verfügbar.

Arbeitskreis Internationalisierung

Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung tauschen sich einmal im Quartal über Veranstaltungen, Projekte und aktuelle Themen mit internationalem Bezug aus. Ziel dabei ist es, gemeinsam Strategien zu entwickeln und Synergien zu schaffen sowie Initiativen und Projekte für die Region zur Förderung der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Diese Ziele tragen dazu bei, die Internationalisierung in verschiedenen Bereichen voranzutreiben und die Zusammenarbeit zwischen den Sektoren zu stärken.

AG Foreign Direct Investments (FDI)

Die IHK Nord Westfalen arbeitete gemeinsam mit dem Münsterland e.V., den Kreiswirtschaftsförderungen im Münsterland und der Bezirksregierung Münster an einer besseren Aufstellung des Münsterlandes im Bereich der Foreign Direct Investments. Seit 3 Jahren finden hierzu enge Abstimmungen mit der Landesebene statt. Im Kern wurden interne und externe Abstimmungsprozesse rund um das FDI-Anfrage geprüft und verbessert, Flächenbestände erhoben und abgestimmt. Darüber hinaus wurde eine zentrale Kontaktstelle beim Münsterland e.V. eingerichtet, eine Website (Invest in Münsterland - a region of the future in Germany) eingerichtet und eine Taskforce für Prioritäre Anfragen ins Leben gerufen.
Ziel der AG ist es, die Region Münsterland im Wettbewerb mit anderen Regionen (auch in NRW) zu verbessern. Bisher konnten fast alle Anfragen von der Landesseite mit entsprechenden Angeboten aus dem Münsterland bedient werden. Die entsprechende Bearbeitung wird systematisch nachgehalten.

Länderschwerpunkt-Aktivitäten

Als Schwerpunktkammer in Nordrhein-Westfalen für Großbritannien und Irland (gemeinsam mit der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld), die nordischen Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie für Singapur hat die IHK Nord Westfalen auch im Jahr 2025 zahlreiche marktbezogene Webinare, Ländersprechstunden und andere Veranstaltungen zu ihren Schwerpunkten veranstaltet. Darüber hinaus war die IHK Nord Westfalen an der Organisation einer Präsidiumsreise nach Norwegen beteiligt.

Delegationsreisen und Unternehmensreisen

Unternehmensreise nach Chicago und Milwaukee zum Thema “The future of Water Infrastructure“

Im April 2025 wurde die Delegationsreise „The Future of Water Infrastructure“ nach Milwaukee und Chicago in Zusammenarbeit mit der AHK USA-Chicago durchgeführt, mit dem Ziel, den fachlichen Austausch zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz in der Wasserwirtschaft zu fördern. Die Teilnehmenden erhielten umfassende Einblicke in die Innovationsökosysteme beider Standorte, knüpften wertvolle Kontakte zu US-amerikanischen Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung und bereiteten konkrete transatlantische Kooperationsansätze sowie den geplanten Gegenbesuch einer US-Delegation in Deutschland vor.

Empfang von internationalen Delegationen in Nord-Westfalen

Mit Besuchen von internationalen Delegationen, unter anderem aus Polen, USA, Ukraine, Lettland, Estland, Litauen war auch 2025 geprägt durch ein hohes internationales Interesse an der Region Nord-Westfalen.

Delegationsreise "The Future of Water Infrastructure"

Im Juni 2025 fand der Gegenbesuch einer hochrangigen US-Delegation in Nordrhein-Westfalen statt, bei dem zentrale Zukunftsthemen der Wasserwirtschaft wie Hochwasserschutz, Ressourcengewinnung und resiliente Infrastruktur im Fokus standen. Die Reise knüpfte unmittelbar an die Delegationsreise deutscher Unternehmen in die USA im April 2025 an und vertiefte den transatlantischen Austausch sowie die Anbahnung konkreter Kooperationsprojekte.

Delegationsreise Hydrogen Economy: From Production to Consumption

Im Oktober 2025 besuchte eine Delegation aus Litauen, Lettland und Estland Nord Westfalen, um sich über Wasserstoffinfrastruktur und industrielle Anwendungsmöglichkeiten zu informieren. Die von der IHK organisierte Reise bot Austausch mit Unternehmen Chancen für transnationale Kooperationen im Bereich grüner Wasserstoff.

German Baltic Digital Summit

Im Dezember 2025 besuchte eine Delegation aus den baltischen Ländern Nord Westfalen zum German Baltic Digital Summit, welcher im Rahmen des IT-Sicherheitstags NRW in Dortmund stattfand. Begleitet von der IHK Nord Westfalen und der Deutsch-Baltischen Handelskammer nutzten die Gäste die Gelegenheit, den Chemiepark Marl und den Hafen Duisburg kennenzulernen und sich zu Digitalisierung, IT-Sicherheit und innovationsorientierter Wirtschaftspolitik auszutauschen.

Sonstige Veranstaltungen

Außenwirtschaftstag NRW 2025

Im Juni 2025 fand der IHK-Außenwirtschaftstag NRW im Borussia-Park Mönchengladbach mit ca. 800 Teilnehmern statt. Die IHK Nord Westfalen unterstützte die Veranstaltung vor Ort, begleitete Unternehmen bei der Länderberatung und wirkte aktiv bei Fachpanels mit, um internationale Geschäftskontakte der regionalen Wirtschaft zu stärken und die Vernetzung mit politischen Entscheidern sowie internationalen Partnern zu fördern.

Tech.Land Tour Wirtschaftsjunioren

Im Rahmen einer TECH.LAND-Tour, geplant von der IHK Nord Westfalen für ihre Wirtschaftsjunioren, besuchten die Teilnehmenden im März innovative Unternehmen in Enschede und Hengelo, darunter das Advanced Manufacturing Centre und Demcon. Die Reise bot neben Impulsvorträgen zu Digitalisierung und zirkulärem Bauen die Gelegenheit zum intensiven Austausch mit dem Young Twente Board und zur regionalen Vernetzung.