Fortbildungsprüfungen

Vorbereitung auf die Prüfung

Prüfungsvorbereitung umfasst nicht nur das fachliche Know-how. Vor der Prüfung stellen sich auch Fragen wie: Wieso zahlt es sich aus, in einer Prüfung ordentlich zu schreiben? Was kann der Prüfungsteilnehmer tun, wenn er eine Frage in der mündlichen Prüfung nicht verstanden hat? Oder wie sollte er fortfahren, wenn er bei einer schriftlichen Aufgabe nicht weiterkommt?
IHK-Prüfungen gelten zu recht als anspruchsvoll. Sonst könnten sie kein Qualitätsmerkmal sein. Je besser der Prüfungsteilnehmer vorbereitet ist, umso entspannter ist er in der Prüfung und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.
© IHK Nord Westfalen

Tipps für schriftliche Prüfungen

  1. Nach dem Aushändigen der Prüfungsaufgaben durch die Aufsichten der IHK verschaffen Sie sich am besten zunächst einen Überblick über die Gesamtmenge der Aufgaben und die Vollständigkeit. Die Punktsumme je Handlungsbereich beträgt in der Regel stets 100 Punkte.
  2. Verschaffen Sie sich diesen Überblick auch, um kurzfristig zu entscheiden, mit welchen Aufgaben Sie anfangen wollen. Aufgaben, die vermutlich leicht fallen, sollten zuerst bearbeitet werden, um „Punkte zu sammeln“ und mit einem Erfolgsgefühl weiterzumachen. Man muss also nicht mit Aufgabe 1 beginnen.
  3. Wenn Sie feststellen, dass Sie sich an einer Aufgabe „festbeißen“, brechen Sie die Bearbeitung ruhig erst einmal ab und wechseln Sie zu einer anderen Aufgabe. Lassen Sie aber bei den ungelösten Aufgaben Platz, damit Sie dort später weiterarbeiten können und der Prüfer bei der Korrektur Ihre Lösungen nicht suchen muss. Das vermeidet Missverständnisse.
  4. IHK-Prüfungen benutzen in den Arbeitsaufträgen fast durchgängig Formulierungen, wie „nennen Sie“, „beschreiben Sie“, „erläutern Sie“. Sie sind abgeleitet aus den Lernzielen des Rahmenplanes, der vom DIHK, für den Bildungsabschluss herausgegeben wird und der neben der Prüfungsregelung (Rechtsverordnung oder Rechtsvorschrift) wichtige Grundlage für die Aufgabenformulierungen ist.

    Die Aufgaben werden von berufenen Gremien erstellt, die aus Fachleuten für  den Bildungsabschluss bestehen und die sich auf die verbindliche Prüfungsregelung und den Rahmenplan stürtzen. Die Lernziele sagen etwas über die Breite und Tiefe des zu vermittelnden Stoffes aus. Beachten Sie unbedingt den Unterschied der mit den Formulierungen geforderten und erwarteten Beantwortungstiefe und -breite:

    Bei „Nennen Sie fünf Bestandteile...“ wird erwartet, klar unterscheidbare Nennungen stichwortartig aufzuzählen. Mehr als fünf Stichworte werden nicht gewertet. Die Prüfer müssen in der Reihenfolge der Nennungen bewerten. Sie haben rechtlich keinen Anspruch darauf, dass sie sich die fünf Richtigen heraussuchen. Wenn Sie zum Beispiel zehn Bestandteile nennen würden und die letzten fünf die Richtigen wären, würden Sie also keinen Punkt für die Beantwortung dieser Frage erhalten.

    Bei „Beschreiben Sie die Bestandteile...“ wird erwartet, in ganzen zusammenhängenden Sätzen alle Bestandteile darzustellen, ohne Erläuterungen, Begründungen oder Anwendungen.

    Bei „Erläutern (Erklären) Sie die Bestandteile...“ wird erwartet, in ganzen Sätzen alle Bestandteile darzustellen und zusätzlich Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Begründungen oder eigene Stellungnahmen hinzuzufügen.
  5. Lesen Sie bei der Bearbeitung der Aufgaben stets genau. Jedes Wort hat eine Bedeutung. Benutzen Sie gegebenenfalls einen Textmarker, um Text optisch und sachlich zu strukturieren und wichtige Angaben hervorzuheben. Stellen Sie eventuell Zahlen und Fakten noch einmal übersichtlich zusammen, damit Sie sie immer verfügbar haben.
  6. Erhalten Sie Auswahlaufgaben, wählen Sie nicht nur nach den vorhandenen Überschriften aus, sondern lesen Sie jede Aufgabe wenigstens im Überblick „quer“.
  7. Antworten Sie nur auf das, was gefragt wird. Achten Sie auf die Fragestellung.
  8. Antworten Sie auf die Punkteverteilungen. Investieren Sie nicht überproportional viel Zeit in Aufgaben mit einer geringen Punktezahl. Bewahren Sie sich ausreichend Zeit für Aufgaben mit entsprechend höheren Punktezahlen (die in der Regel auch mehr Zeit für eine entsprechende Beantwortung beanspruchen).
  9. Schreiben Sie unbedingt sauber. Undeutliche Schrift und unordentliche Darstellungen verursachen möglicherweise Missverständnisse, die so weit führen können, dass die Aufgaben mit entsprechend höheren Punktzahlen (die in der Regel auch mehr Zeit für eine entsprechende Beantwortung beanspruchen).
  10. Kennzeichnen Sie deutlich, auf welche Aufgabe/Frage sich Ihre Anmerkungen beziehen – vor allem, wenn Sie eine neue Seite oder ein neues Blatt beginnen. Die Lösung muss der Aufgabenstellung zugeordnet werden können.
  11. Wenn Sie während der Prüfung feststellen sollten, dass Ihre Ansicht nach etwas fehlt (zum Beispiel Anlagen, Zahlen), bitten Sie die Prüfungsaufsicht leise zu sich. Sie wird die Situation klären (gegebenenfalls bei der Prüfungssachbearbeitung bei der IHK). Aufsichten sind in der Regel inhaltlich in der Prüfung nicht fachkundig und dürfen keine Auskunft geben. In den meisten Fällen kann Ihre Frage kurzfristig geklärt werden. Sind alle Teilnehmer davon betroffen, wird die Klärung öffentlich gemacht. Wenn Sie trotzdem nicht weiterkommen oder die Situation während des Prüfungsverlaufs nicht geklärt werden konnte, schreiben Sie, mit welcher Annahme oder „Unterstellung“ Sie weitergearbeitet haben. Die Prüfer können dann entscheiden, ob Ihre Annahme richtig und notwenig war.
  12. Keine unerlaubten Hilfsmittel (zum Beispiel Handy, Spickzettel) nutzen. Prüfungsrechtlich ist der Gebrauch eine Täuschungshandlung und hat eventuell den Ausschluss vom weiteren Prüfungsverfahren, auf jeden Fall aber das Nichtbestehen zur Folge. Das Nutzen von Handys ist strikt verboten. Wird es dennoch gebraucht, wenn Sie zum Beispiel während der Prüfung hinausgehen, ist auch das eine Täuschungshandlung und führt zum Nichtbestehen. Das gleiche gilt für Telefonate während der laufenden Prüfungszeit.
  13. Fühlen Sie sich vor der Prüfung krank und treten aber vor Bekanntgabe der Aufgaben nicht durch schriftliche Erklärung zurück, können Sie nachträglich Krankheit als wichtigen Rücktrittsgrund nicht mehr geltend machen. Sollten Sie an einem der Prüfungstage wegen Krankheit von der Prüfung zurücktreten müssen, so ist der Rücktritt von der Prüfung unverzüglich, das heißt zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erklären. Diese Erklärung hat schriftlich, unter Angabe, für welches Fach/für welchen Teil der Prüfung und aus welchen Gründen Sie zurücktreten, zu erfolgen. Die krankheitsbedingte Prüfungsunfähigkeit für den Prüfungstag ist durch ärztliches Attest unverzüglich gegenüber der IHK nachzuweisen.
Strukturierung der schriftlichen Prüfung
Strukturierung (PDF-Datei · 660 KB) der schriftlichen Prüfung bedeutet, dass die Themenschwerpunkte und die prozentuale Verteilung der Themenschwerpunkte der schriftlichen Prüfungen für Bildungsträger, Prüfungsteilnehmer und Prüfer bekannt sind und die Vergleichbarkeit von Prüfungen garantiert ist.

Tipps für mündliche Prüfungen

  1. Ein IHK-Prüfungsausschuss muss rechtlich aus wenigstens drei Personen bestehen. Auch wenn Sie von nur einem Prüfer mündlich geprüft werden, beurteilen alle anderen anwesenden Prüfer ebenfalls Ihre Leistungen.
  2. Mündliche Prüfungen können zum Beispiel sein: ergänzende Prüfungen zu schriftlichen Prüfungen, nur mündliche Prüfungsfächer, Präsentationen mit Fachgespräch.
  3. Verbindliches Auftreten und gepflegte Kleidung in der Prüfung lassen Ihre Wertschätzung gegenüber der Prüfungssituation und gegenüber den Prüfern erkennen und machen einen positiven Eindruck. Pünktliches Erscheinen zur eingeladenen Uhrzeit ist ein Muss.
  4. Verstehen Sie eine Frage nicht oder brauchen Sie Bedenkzeit, sollten Sie das klar sagen: „Ich bitte Sie, die Frage noch einmal zu wiederholen“ oder „Ich habe die Frage nicht verstanden“.
  5. Beantworten Sie Fragen konzentriert und präzise. Prüfer gehen gerne auf Stichworte ein, die Sie gegeben haben. Wenn sich daraus ein neues Prüfungsthema entwickelt und Sie auf dem Gebiet nicht sicher sind, ist das problematisch. Andererseits: Wenn Sie sich sicher fühlen, können Sie damit unter Umständen den weiteren Prüfungsablauf zu Ihren Gunsten beeinflussen.
  6. Bei Fragen zu komplizierten Sachverhalten sollten Sie sich eine Bedenkzeit nehmen, bevor Sie antworten. Spontanität zahlt sich nicht immer aus.
  7. Stellt man Fragen, die auch Gedächtsnisleistungen verlangen (zum Beispiel mit Zahlen), nutzen Sie das bereit liegende Schreibmaterial oder im Prüfungsraum vorhandene Hilfsmittel (zum Beispiel Flip-Chart).
  8. Wissen Sie auf eine Frage keine Antwort, haben Sie den Mut, um eine andere Frage (eventuell aus einem anderen Sachgebiet) zu bitten.
  9. Wenn Sie in einer Gruppe geprüft werden, sollten Sie stets das gesamte Prüfungsgeschehen aufmerksam verfolgen, auch wenn Sie gerade nicht dran sind. Sie sehen den Gesamtzusammenhang des Prüfungsverlaufs und lernen, welcher Fragestil vorherrscht und welche Antwortstil sinnvoll ist (kurze knappe Sätze, ausholende Darstellung).
  10. Für die Bewertung der schriftlichen Prüfung sind nicht nur die angesprochenen Themengebiete und die daraus abgeleiteten Fragen maßgebend, sondern auch, ob die Prüfer nachfragen oder Hilfestellung geben mussten. Man täuscht sich leicht, was man in zehn bis 15 Minuten darlegen oder wie schnell die Prüfungszeit vergehen kann. Die Zeit „läuft“ mit der ersten Fach- und Sachfrage (ob schriftlich oder mündlich gestellt).
  11. Bei einer mündlichen Ergänzungsprüfung erfolgt die Ermittlung des Gesamtergebnisses in der Regel durch eine Gewichtung der schriftlichen und mündlichen Prüfungsleistungen im Verhältnis zwei zu eins.

Echte Prüfungsaufgaben zum Üben

Mit den IHK Prüfungen der vergangenen Jahre trainieren Sie unter Original-Bedingungen für Ihre Fortbildungsprüfung – ein wichtiger Schritt für Ihren Prüfungserfolg. Zusätzlich zu den IHK Prüfungsaufgaben enthalten die Bände auch Lösungshinweise, sodass Sie Ihr Wissen jederzeit auf den Prüfstand stellen und gut einschätzen können, in welchem Gebiet Sie noch Lernbedarf haben. Weiterer Vorteil: In den allen Bänden finden Sie wichtige Angaben zur IHK Prüfung wie Qualifikationsschwerpunkte, Punktegewichtung oder die Bearbeitungszeit der Prüfungsaufgaben.

Etwa sechs Monate nach Ablauf der bundeseinheitlichen Prüfungen werden die Aufgaben mit Lösungsvorschlägen veröffentlicht.

Formelsammlung

Bereiten Sie sich mit der IHK-Formelsammlung zielgenau auf Ihre IHK Prüfung vor. Sie unterscheidet sich lediglich durch ihr andersfarbiges Layout von der Formelsammlung, die später als festes Hilfsmittel in vielen bundeseinheitlichen IHK Prüfungen eingesetzt wird. So lernen Sie von Anfang an mit den Formeln, die später auch in der Prüfung relevant sein könnten. Die Formelsammlung wurde von einem Expertenteam der IHK Organisation entwickelt und ist die optimale Ergänzung für Ihre Prüfungsvorbereitung. Sie gilt jeweils für das auf dem Deckblatt angegebene Prüfungsjahr.

Rahmenplan mit Lernzielen

Der DIHK- Rahmenplan baut auf der jeweils gültigen Prüfungsordnung (Verordnung) auf. Alle dort enthaltenen inhaltlichen Handlungsbereiche oder Qualifikationsbereiche werden aufgegriffen. Durch die offenen, handlungsorientierten Formulierungen kann der Rahmenplan allerdings nicht alle sich ergebenden Möglichkeiten zum Erreichen der Kompetenzziele abbilden. Ebenfalls müssen bspw. technische Neuerungen oder branchenspezifische Entwicklungen in Prüfungen abbildbar sein.

Daher werden die Verordnung und in direkter Folge die Prüfungen inhaltlich nicht durch den Rahmenplan begrenzt. Maßgeblich für die Prüfung ist ausschließlich die jeweilige Rechtsgrundlage, also eine Fortbildungsordnung bzw. Rechtsvorschrift.