23. September 2026
Wie Betriebe mit Inklusion Fachkräfte halten
IHK zum Aktionstag „Schichtwechsel“ am 24. September
Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – Rund 90 Prozent aller anerkannten Schwerbehinderungen sind durch eine Krankheit bedingt. „Meist entsteht die Behinderung erst im Laufe eines Arbeitslebens“, erklärt Uwe Gabler, Inklusionsberater bei der IHK Nord Westfalen.
Berät Unternehmen rund um das Thema Inklusion: Uwe Gabler von der IHK Nord Westfalen.
Betroffene Beschäftigte zu unterstützen und sie im Betrieb zu halten, werde immer wichtiger für Unternehmen, die sich ihre Fachkräfte sichern möchten. Gabler berät zu Fördermöglichkeiten, technischen Hilfen und zur Gestaltung des Arbeitsplatzes. „Es findet sich fast immer eine Lösung“, erklärt er anlässlich des bundesweiten Aktionstags „Schichtwechsel“ am Donnerstag, 24. September.
Der „Schichtwechsel“ weckt das Verständnis von Menschen mit und ohne Behinderungen füreinander, die für einen Tag ihren Arbeitsplatz tauschen. Unternehmen stellen dabei immer wieder fest, wie leistungsfähig Beschäftigte mit einer Behinderung sind – wenn die Bedingungen im Betrieb passen. Gabler kennt Beispiele aus seiner Beratungspraxis, zum Beispiel von einem Logistikunternehmen aus Münster. „Aufgrund chronischer Rückenprobleme konnte und durfte ein langjähriger Mitarbeiter keine schweren Lasten mehr heben“, berichtet er. Auf die Erfahrungen und das Fachwissen des Mitarbeiters habe das Unternehmen nicht verzichten wollen und deshalb nach einer Lösung gesucht, um ein vorzeitiges Ausscheiden zu verhindern. Gabler stellte unter anderem den Kontakt zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) her, der die technische Beratung übernahm. Die Lösung waren geeignete Hebehilfen, die dann angeschafft wurden. Dafür gab es Fördermittel. „Der Mitarbeiter übt seine Tätigkeit weiter aus und dem Unternehmen bleibt eine erfahrene Fachkraft erhalten“, resümiert er.
„Die meisten Betriebe kommen nicht zu mir, weil sie sich mit Inklusion beschäftigen wollen“, erklärt der IHK-Inklusionsberater. „Sie kommen, weil sie eine gute Mitarbeiterin oder einen guten Mitarbeiter nicht verlieren möchten. Dann schauen wir gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt. Und die gibt es fast immer“, zeigt sich er sich zuversichtlich. Dabei verweist er auf verschiedene Fördermöglichkeiten. Neben den technischen Hilfen gebe es auch eine personelle Unterstützung durch Arbeitsassistenzen oder Coachings. Finanzielle Unterstützung ermögliche zum Beispiel der Beschäftigungssicherungszuschuss, mit dem sich Arbeitgeber Personalkosten anteilig vom Staat erstatten lassen können.
Aktionstag „Schichtwechsel“ am 24. September
Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen, Förderstätten und von anderen Leistungsanbietern tauschen an diesem Tag ihren Arbeitsplatz mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Initiiert und organisiert wird der Aktionstag von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V.
Stichwort „Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber“:
Gabler fungiert als Ansprechpartner der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA). Er berät Unternehmen kostenfrei zu Fördermöglichkeiten, technischen Hilfen und einer behinderungsgerechten Arbeitsplatzgestaltung. Zudem unterstützt er bei Anträgen und vermittelt die richtigen Ansprechpersonen aus seinem Netzwerk. Zu diesem Netzwerk gehören auch die Mitglieder der Kampagne „Inklusion Münsterland“, die von der IHK mit unterstützt wird. Die EAA in Westfalen-Lippe werden durch das LWL-Inklusionsamt Arbeit getragen und aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.
