28. September 2026

Weiter gute Chancen trotz hoher Kosten

IHK-Außenwirtschaftsausschuss blickt auf Golfregion

Münsterland/Emscher-Lippe-Region/Heek. – In mehr als 60 Ländern ist die 2G Energy AG mit ihren 20 Gesellschaften tätig, weltweit hat das Unternehmen über 10.000 Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und Großwärmepumpen installiert. André Banken, Director International Business Development, gab jetzt in der Zentrale in Heek den Mitgliedern des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Nord Westfalen einen Überblick über das vielfältige Engagement rund um den Globus.
Dass diese Aktivitäten vielerorts erschwert werden, davon konnten auch die anderen im Ausschuss vertretenen Unternehmen berichten. Diskutiert wurde über geopolitische Krisen, den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China und bürokratische Vorgaben der EU. Angesichts des Unsicherheitsfaktors USA empfahl IHK-Außenwirtschaftsexperte Gerhard Laudwein, andere Märkte verstärkt in den Blick zu nehmen: „Das Handelsabkommen Mercosur mit südamerikanischen Staaten ist seit Mai in Kraft, die inhaltlichen Verhandlungen mit Indien und Indonesien befinden sich auf der Zielgeraden“, erklärte er. Schon im kommenden Frühjahr könnten hier Abkommen abgeschlossen werden.
Trotz der Krise am Golf warb Karin Zangerl für die Geschäftschancen in dieser Region. Die Büroleiterin bei der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer (AHK) war aus Abu Dhabi zugeschaltet. Energie und Netze, kritische Infrastruktur, Logistik, Wasser- und Ernährungssicherheit sowie KI- und digitale Infrastruktur nannte sie als Bereiche, in denen auch Unternehmen aus Nord-Westfalen Chancen haben. Die Ausschussmitglieder zeigten sich interessiert, berichteten aber aus ihrer Praxis über Unsicherheiten auf den Schifffahrtsrouten, Lieferengpässe und Verzögerungen im Warenverkehr. „Besonders ins Gewicht fallen die deutlich gestiegenen Transport- und Versicherungskosten“, hieß es. Containertransporte seien dadurch teilweise dreimal so teuer wie vor der Krise.
Kein einfacher Handelspartner ist auch China. Zwei Drittel der Unternehmen spüren einen zunehmenden Druck durch chinesische Wettbewerber, hat eine aktuelle Umfrage der DIHK ergeben. Den regionalen Betrieben geht es nicht anders, vor allem im Maschinen- und Anlagenbau. „Chinesische Anbieter sind vielfach deutlich günstiger geworden und erfüllen häufiger individuelle Kundenanforderungen“, stellte ein Ausschussmitglied fest. Innovation, technologische Kompetenz und der Service blieben aber Stärken deutscher Unternehmen. Um diese ins Spiel zu bringen, „brauchen sie einen wirtschaftspolitischen Rahmen in Europa, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“, so der Tenor.
Da allerdings gibt es Handlungsbedarf, zum Beispiel bei Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der EU stellt viele Importeure vor praktische Schwierigkeiten: Sie müssen Emissionsdaten ihrer Lieferanten angeben, doch die fehlen häufig. „Dann wird stattdessen mit Standardwerten gearbeitet, die unrealistisch hoch und damit zu teuer sind“, erklärte IHK-Experte Laudwein. Auch bei der EU-Entwaldungsverordnung gibt es Zweifel an der Praxistauglichkeit. Mittlere und große Unternehmen müssen ab 30. Dezember, kleine und kleinste Unternehmen ab 30. Juni die Vorgaben erfüllen. Die Verordnung soll sicherstellen, dass keine Produkte aus illegal entwaldeten Gebieten in die EU gelangt.
Trotz allem blicken die Mitglieder des Ausschusses verhalten optimistisch nach vorne. Sie wollen bestehende Auslandsmärkte weiter ausbauen und neue internationale Geschäftsmöglichkeiten erschließen, auch um die Unsicherheiten im deutschen Markt auszugleichen.

Stichwort Außenwirtschaftsausschuss

Der Außenwirtschaftsausschuss der IHK Nord Westfalen setzt sich aus rund 30 ausgewählten international tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen. Sie beraten die von den über 150.000 Mitgliedsunternehmen gewählte IHK-Vollversammlung in außenwirtschaftlichen Fragestellungen.