29. September 2026

Telefontraining: Keine Angst vor dem Anruf

Mit „fit for life“ selbstbewusst zum ersten Praktikum

Kreis Recklinghausen/Gladbeck. – Der Griff zum Hörer kostet viele Jugendliche einige Überwindung. Dabei ist ein Anruf oft der schnellste Weg, zum Beispiel zu einem Praktikum. Die zweijährige Berufsfachschule am Berufskolleg Gladbeck hat jetzt Schülerinnen und Schülern aus sechs Klassen die Scheu vor dem Telefon genommen:
Eva Hild, sonst als Mitglied des Teams Fachkräftesicherung der IHK Nord Westfalen in Schulen und Unternehmen unterwegs, war diesmal als Telefontrainerin ins Berufskolleg gekommen. Möglich machte es „fit for life“, ein Programm, das den Unterricht um praktisches Alltagswissen bereichert.
Gestartet haben dieses Programm neben der IHK das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW und weitere Partner. Die IHK hat zudem eine Bildungspartnerschaft mit der gemeinnützigen Initiative LifeTeachUs abgeschlossen, die bei „fit for life“ über eine eigens entwickelte App Schulen mit ehrenamtlichen „LifeTeachern“ wie Hild zusammenbringt. Mit ihr gibt es allein im Regierungsbezirk Münster fast 280 qualifizierte „Lehrerinnen und Lehrer fürs Leben“ sowie rund 70 zertifizierte Schulen. Sie holen sich jede Menge Berufs- und Lebenserfahrung zu Themen wie Versicherungen, Steuern, Gesundheit oder Ernährung in die Klassenräume. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen dadurch aber auch berufliche Perspektiven.
Um die ging es auch Antje Brylak, Studien- und Berufswahlkoordinatorin am Berufskolleg Gladbeck. Sie überlegte gemeinsam mit Hild: „Wie können wir Schülerinnen und Schüler gezielt dazu befähigen, bei der Suche nach einem Praktikum selbstständig und aktiv auf Unternehmen zuzugehen?“ Denn oft erwarteten die Jugendlichen, dass jemand passende Kontakte für sie habe.
Selbst anzurufen, koste dagegen Überwindung. „Dabei ist es viel besser, wenn unsere Schülerinnen und Schüler selbst erste berufliche Kontakte aufbauen. Dann erleben sie, dass sie etwas erreichen können“, ist Brylak überzeugt. „Mit dem Training nehmen wir ihnen eine Hemmschwelle und stärken ihre Eigeninitiative“, ist sie sich sicher.
Zu sechs jeweils 40-minütigen „LifeLessons“ kam Hild in die Klassen. „Durch meine Zusammenarbeit mit den Unternehmen weiß ich, was sie von Bewerberinnen und Bewerbern erwarten und worauf es beim ersten Kontakt ankommt“, berichtet die IHK-Mitarbeiterin. Sie trainierte mit den Jugendlichen die richtige Ansprache am Telefon und den Umgang mit Nervosität. Auch erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie sie ihr Anliegen klar und überzeugend formulieren. Das wurde direkt geübt: Die Jugendlichen absolvierten erste Testanrufe bei Kolleginnen und Kollegen von Hild bei der IHK und bekamen dann ein Feedback. „Man braucht keine Angst zu haben“, meinte Dilara anschließend. Schließlich müsse man nicht perfekt sein, um zu telefonieren. „Es reicht, sich freundlich und klar auszudrücken“, sagte sie. Dorian war erst etwas nervös. „Doch am Ende war es super einfach und alles hat geklappt“, lautete sein Fazit, das Hild bestätigt: „Wer den ersten Schritt schafft und die Scheu überwindet, nimmt eine wichtige Erfahrung mit. Und die wirkt weit über die Suche nach einem Praktikumsplatz hinaus.“
Davon ist auch Carsten Taudt überzeugt. „Wer aktiv wird, gewinnt Selbstvertrauen“, betont der IHK-Geschäftsbereichsleiter für Bildung und Fachkräftesicherung. Das Telefontraining helfe, Kommunikationsfähigkeit und Eigenverantwortung zu stärken. „Davon werden die jungen Menschen auf ihrem weiteren Bildungs- und Berufsweg profitieren“, erklärt er.
Die IHK Nord Westfalen unterstützt Unternehmen dabei, die Bildungspartner im Programm „fit for life“ werden und deren Beschäftigte ihre Alltagskompetenzen als LifeTeacher einbringen möchten. Mehr Informationen unter fit for life – Alltagskompetenzen in die Schule bringen.